In der Holzwerkstatt ist dicke Luft. Damit ist aber nicht gemeint, dass beim Vorwerkeln am Tag der offenen Tür schlechte Stimmung herrscht. Vielmehr geht es um Lackdämpfe, die sich langsam im Raum ausbreiten. Die Dämpfe steigen von einer alten Tür auf, die vor Owen liegt. Der 16-Jährige hält die Heißluftpistole auf eine Stelle, bis sich die alte Lackschicht vom Holz löst. Dann kann er sie einfach abspachteln. Owen findet die Aufgabe, die ihm Werklehrer Klaus Sieland gestellt hat, ganz okay - jedenfalls besser als theoretischen Unterricht. Aber Tischlern will er trotzdem nicht lernen. "Ich möchte Kfz-Mechatroniker werden", sagt er und strahlt.
Damit er sich seinen Berufswunsch erfüllen kann, muss er einen Schulabschluss vorweisen. Den bekommt er in der Lern- und Lehrwerkstatt. Die W.i.d.Z ist für Jugendliche, die von anderen als hoffnungslose Fälle abgestempelt worden sind.
Nachdem ein ähnliches Schulprojekt in Bernau schließen musste, ist das Eberswalder Projekt des Arbeiter-Samariter-Bundes das Einzige seiner Art im Barnim.
Die kleine Schule bietet bis zu 15 Jugendlichen zwischen 15 und 17 Jahren die Möglichkeit, dort ihre einfache Berufsbildungsreife zu absolvieren, berichtet Leiterin Kathleen Rossow. Zudem werden die Schüler durch praktischen Unterricht in Holz-, Fahrradwerkstatt und Lehrküche, durch Praktika und Bewerbungstrainings aufs Berufsleben vorbereitet. Da arbeite man eng mit der Arbeitsagentur zusammen, so Leiterin Rossow. In der kleinen Schule in der Schönholzer Straße sind neben ihr eine weitere Sozialarbeiterin sowie zwei Lehrer der Karl-Sellheim-Schule beschäftigt. Die Bildungseinrichtung ist der Kooperationspartner des Lernprojektes, dessen Zukunft für die nächsten zwei Jahre gesichert ist. Die Gelder stammen aus dem Europäischen Sozialfonds. Langfristig wünsche sich der Arbeiter-Samariter-Bund aber eine dauerhafte Finanzierung, so Kathleen Rossow. Man könne nicht jedes Mal Angst haben, ob es mit dem Projekt weitergeht.
"Der Unterricht läuft hier ein bisschen anders ab als an einer regulären Schule", erklärt sie. Die Klassen seien klein, der Ganztagsunterricht interaktiv, eine Lerneinheit auf 40 Minuten verkürzt. "Wenn ein Jugendlicher mal nicht mehr kann, darf er kurz Pause machen." Außerdem hätten die Schüler morgens Zeit anzukommen. "Manche essen dann noch eine Schale Cornflakes", so die Sozialpädagogin. Am Ende des Tages bespreche man mit den Jugendlichen, was gut und was schlecht gelaufen sei. "Wir haben hier eine Menge Regeln", sagt sie. Dennoch klappe es mit den Jugendlichen erstaunlich gut. Die Zusammenarbeit mit den Eltern sei eng. "Wir verlangen nichts von den Jugendlichen, sondern holen sie dort ab, wo sie stehen", nennt Rossow als zweiten Grund.
Der 16-jährige Owen jedenfalls schraubt beim Tag der offenen Tür auch an einem Fahrrad. Da ist der Weg zum Kfz-Mechatroniker vielleicht gar nicht mehr so weit.