Um den Kampf gegen das Eberswalder Kanaldeutsch und die regional beliebte aber falsche Verwendung des „damit“ anstelle des „dass“ geht es Katja Moewes weniger. Die 35-Jährige leitet das in dieser Woche eröffnete Duden Institut für Lerntherapie im Zentrum der Barnimer Kreisstadt. Genau befindet sich der Standort in der Eisenbahnstraße 13, in Büroräumen über der Volksbank. Es soll Anlaufstelle für Eltern sein, deren Kinder unter einer Lese-Rechtschreib-Schwäche in Deutsch oder Englisch beziehungsweise unter einer Rechenschwäche leiden.

Schon acht Kinder angemeldet

Acht Kinder sind bereits angemeldet und werden das Angebot in den Räumen in Anspruch nehmen. Die Tatsache, dass die Klienten schon vor offizieller Eröffnung des Instituts da sind, zeigt den Bedarf. Bundesweit können elf Prozent eines Jahrgangs nicht richtig lesen, schreiben oder rechnen, heißt es in einer Pressemitteilung der Duden Institute.
Katja Moewes will Abhilfe schaffen. „In Eberswalde gibt es derzeit zwei Kinder- und Jugendtherapeuten, die eine integrative Lerntherapie anbieten“, sagt sie. Eine Konkurrenzsituation sieht sie nicht. Die Psychologin, die in Greifswald studiert hat, eine einjährige Tochter hat und heute im 16 Kilometer von Eberswalde entfernten Kruge lebt, ist Franchise-Nehmerin. Die Lerninstitute unter der Marke Duden gibt es in Brandenburg bereits mehrfach. Unter anderem in Prenzlau, Strausberg, Bernau und Oranienburg sind sie zu finden. Mit Eberswalde sei nun eine weitere Lücke geschlossen worden.

Selbstwertgefühl und Motivation

80 Institute gibt es mittlerweile in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Der Ursprung liegt vor mehr als 20 Jahren in Berlin. Einer der Gründer ist Gerd-Dietrich Schmidt, heute Geschäftsführer der Institute und zur Eröffnung in Eberswalde mit dabei. Anders als bei der Nachhilfe, so erklärt er, knüpfe die Lerntherapie nicht am aktuellen Schulstoff von Kindern und Jugendlichen an sondern gehe tiefer. Es gehe um therapeutische Arbeit, ums Selbstwertgefühl und um Lernmotivation.

Hürden bei der Kostenübernahme

Den Bedarf dafür gebe es unabhängig von gesellschaftlichen Milieus. Wie Schmidt berichtet, hätten drei seiner fünf eigenen Kinder auch eine Lerntherapie in Anspruch genommen. Tatsächlich seien sozial schwache Familien in den Duden Instituten eher unterrepräsentiert. Das liege so Schmidt wohl auch an den bürokratischen Hürden, wenn es darum geht, dass die Kosten der Lerntherapie von anderer Stelle übernommen werden. Das sei beispielsweise durchs Jugendamt möglich, wenn beim Betroffenen eine psychosoziale Belastung nachgewiesen wird. Über ein Bundesprogramm für Bildung und Teilhabe könnten aber auch die Jobcenter Eltern mit geringem Einkommen bei der Finanzierung unter die Arme greifen.

Im Schnitt nach 18 Monaten fertig

Den Preis für die Stunde Lerntherapie in Eberswalde möchte Katja Moewes ungern in der Zeitung lesen. Als Institutsleiterin legt sie diesen selbst fest. Ein erstes Beratungsgespräch, aus dem auch eine Diagnose zum Kind hervorgeht, sei kostenlos. In der Regel dauere eine Therapie 18 Monate, eine Stunde pro Woche. Zusätzlich bieten einige Institute Intensivtherapien in den Ferien an, bei denen die Kinder in einer Woche täglich für mehrere Stunden das Institut besuchen. Das stößt bei Kindern oftmals nicht auf spontane Begeisterung. „Ich habe schon oft erlebt, dass Kinder mit langen Gesichtern zur Intensivtherapie kommen, aber nie, dass sie mit langen Gesichtern gehen“, sagt Lorenz Huck, zweiter Geschäftsführer der Lerninstitute, am Tag der Eröffnung in Eberswalde.

Team noch im Aufbau

In der Barnimer Kreisstadt stehen den Kindern und Jugendlichen nun mehrere Räume zur Verfügung, um unter professioneller Anleitung das Lernen zu lernen. Sie sind thematisch eingerichtet und tragen Namen wie Strandkorb, Weltraum oder Feenstübchen. Noch arbeitet Institutsleiterin Katja Moewes dort allein. Ein Team aus Lerntherapeuten befindet sich derzeit im Aufbau.
Am 17. Oktober findet von 10 bis 17 Uhr ein Tag der offenen Tür in den Räumen statt.