"So heftig hat es uns seit Jahren nicht mehr erwischt", sagt Petra Eilitz, die Direktorin der Bürgelschule, in die 400 Mädchen und Jungen der ersten bis sechsten Klasse gehen. Nicht nur die Lehrerschaft sei durch grippale Infekte und Magen-Darm-Erkrankungen arg gebeutelt. Täglich würden sich 10 bis 15 Schüler krankmelden. "Und wir haben die Erfahrung gemacht, dass einen Rückfall erleidet, wer schon nach zwei Tagen wiederkommt", betont Petra Eilitz, deren Stimme erkältungsbedingt immer wieder wegbricht, die jetzt aber unbedingt durchhalten will. Wegen der Personalnot habe sie keinen anderen Ausweg gesehen, als die 55 Sechstklässler am Mittwoch daheim zu lassen. "Wir haben die Eltern um Verständnis für diese außergewöhnliche Situation gebeten und die Kinder mit Aufgaben in allen wichtigen Fächern versorgt", sagt die Schulleiterin. Laut Grundschulverordnung sei zwingend die Vertretung für die ersten bis dritten Klassen zu organisieren. Das habe die Bürgelschule auch geschafft. Die größeren Kinder seien bereits selbstständig genug, sich ausnahmsweise auch einmal Lernstoff selbst zu erarbeiten. Am Donnerstag werde auch für sie der Unterricht wieder im Klassenraum fortgesetzt - allerdings mit Stundenausfall.
Auch am Alexander-von-Humboldt-Gymnasium ist der Krankenstand in der Lehrerschaft hoch. "Seit dem ersten Schultag nach den Winterferien fehlen besonders viele unserer 40 Kollegen. Aktuell ist ein Viertel der Lehrer krank", sagt der Schuldirektor Uwe Meier. Zwar habe der Unterricht noch nicht komplett abgesagt werden müssen. Aber um einen krankheitsbedingten Stundenausfall komme auch das Gymnasium nicht herum. Hingegen seien von den 628 Schülern nicht ganz so viele betroffen. "Die verbliebenen Kollegen knüppeln jetzt natürlich besonders hart", sagt Uwe Meier, der nur halb im Spaß die Devise an die Lehrer und Schüler ausgegeben hat, möglichst auf Handschlag und Umarmungen zu verzichten, um die Ansteckungsgefahr zu reduzieren. "Ich wasche mir ständig die Hände", verrät der Direktor. Und hofft, dass die Vorsichtsmaßnahmen Früchte tragen.
Hingegen geht es den Lehrern und Schülern an der Grundschule Schwärzesee vergleichsweise gut. "Von unseren 20 Lehrkräften fehlt keiner. Und auch bei den Schülern sieht es nicht viel anders aus als sonst im Winter", sagt die Schulleiterin Anke Billing. Folglich falle auch kein Unterricht aus.
Auch am Gymnasium Finow verläuft der Schulalltag nahezu bazillenfrei. "Von unseren 40 Lehrer ist aktuell nur einer krank. Und bei unseren 400 Schülern halten sich die Fehlzeiten in normalen Grenzen", sagt Almuth Deutschmann, die als stellvertretende Schulleiterin Verantwortung trägt.
"Alles ist prima", lautet überdies die Botschaft von Annett Drechsler, der Campus-Leiterin der Oberbarnim-Schulen mit knapp 180 Schülern. "Unsere 43 Lehrer sind alle da, von den Schülern fehlen pro Klasse ein bis zwei", sagt sie. Unterrichtsausfall sei für die private Bildungsstätte ein Fremdwort.
Welche Erkrankungen Lehrer vom Unterrichten und Schüler vom Lernen abhalten, wissen genau nur die Ärzte und Kassen - wenn die Betroffenen es nicht selbst verraten. Meldepflichtig sind grippale Infekte nicht - im Unterschied zur echten Grippe.
"Im Landkreis Barnim wurden von Januar bis jetzt 98 Grippe-Erkrankungen gemeldet", sagt Kreissprecher Oliver Köhler nach Rückfrage im Verbraucherschutz- und Gesundheitsamt. Das seien keine besorgniserregenden Zahlen. "2013 hatten wir im ganzen Jahr 180 Grippefälle", fügt Oliver Köhler hinzu. Dieser Negativwert werde bis April, so lange dauere die Grippe-Hochzeit gewöhnlich, in diesem Jahr wohl nicht mehr erreicht. Derzeit sei nur ein saisonbedingten leichter Anstieg zu verzeichnen.