Am Trog, an der Kanalbrücke sowie an den Seilrollenträgern - überall sind dieser Tage Schweißer zugange. Riesige Bauteile sind zu verbinden. Was einst genietet wurde, wird heute per Schweißnaht vereint. Mitunter sind die Arbeiter kaum zu sehen. Etwa wenn sie hoch oben, an der Spitze der Pylone und der Stützen, im Einsatz sind. "Diese Arbeiten werden noch einige Woche, ja sogar Monate andauern", sagt Klaus Winter, der im Auftrag des Wasserstraßen-Neubauamtes Berlin (WNA) vor Ort die Arbeiten koordiniert und überwacht. "Auf alle Fälle über den gesamten Sommer." Die Bleche und Stahlteile seien immerhin teilweise bis zu 80 Millimeter stark.
Die Montage und das Herstellen einer sicheren, festen Verbindung seien die Voraussetzung für weitere Arbeiten, für den technologischen Fortschritt. Auf das Verschweißen der Seilrollenträger-Elemente folge die Installation sogenannter Führungsschienen, erklärt Winter. Dies sei für den Herbst geplant. Und dann werde es noch einmal richtig spannend. "Anfang nächsten Jahres beginnt nämlich der Einbau der Seilscheiben, der Seile und später der Gegengewichte."
Während die Produktion der Seile und der Seilscheiben noch läuft, wurde vorige Woche in der Firma Allton Fertigteile GmbH in Hennigsdorf das letzte Gegengewicht gegossen, weiß Winter. Insgesamt werde der Fahrstuhl - bei 224 Seilen - mit 220 Gegengewichten ausgestattet. "Davon sind 188 aus Beton gefertigt. Bei dem Rest handelt es sich um sogenannte Tarier- und Hohlgewichte", so der Fachmann. In Kürze werde zudem der Auftrag für die Produktion der Mutterbackensäulen - zentrales Sicherungssystem für den Trog - vergeben.
Parallel zu den Schweißarbeiten beginne dieser Tage der Bau der neuen Landesstraße 29. Die alte Trasse muss bekanntlich weichen, da sie im Baufeld des künftigen unteren Vorhafens liegt. Die Trasse wird nunmehr unter der Kanalbrücke hindurchgeführt. "Mit dem Bau des Gehweges haben wir schon begonnen", zeigt Winter auf realisierte Pflasterarbeiten im Bereich des alten Schiffshebewerkes. "Wir werden versuchen, Verkehrssperrungen auf ein Minimum zu beschränken", verspricht der WNA-Vertreter. Im Herbst, so das Ziel, soll die L 29 verlegt sein und der "Umschluss" erfolgen. Der wiederum ist die Grundlage eben für den Bau des unteren Vorhafens. Die Ausschreibungsunterlagen für dieses Los seien unterdessen fertiggestellt.
Sind Seilrollen, Seile und Gegengewichte eingebaut, ziehe etwas Ruhe ein auf der Baustelle. Klaus Winter erklärt den Grund: "Das Hebewerk tritt, wenn alle Lasten drauf sind, in eine ,Verharrungsphase'. Diese erstreckt sich über mehrere Wochen." Der Baukörper habe Zeit und Gelegenheit, sich anzupassen. Der Fachmann beschreibt diesen Prozess mit drei Worten: Setzen, Kriechen, Schwinden. Dazu, so fügt Winter ein, müsse natürlich auch der Kanal bzw. der obere Vorhafen geflutet werden. Der Trog indes werde mit Sandsäcken gefüllt, um die spätere Praxis zu simulieren.
Und ganz zum Schluss werden die Seilrollenscheiben "eingehaust", verschwindet die Technik also in einer Halle. In Anlehnung an die Architektur dieser war bereits das Informationszentrum am Fuße des alten Hebewerkes errichtet worden. In dem Ausstellungspavillon können Besucher beispielsweise anhand verschiedener Modelle und Videos Wasserbaugeschichte erleben.
Der Oder-Havel-Kanal, am 17. Juni 1914 eröffnet, wird 100 Jahre alt. Das WSA Eberswalde feiert dieses Jubiläum am Sonnabend (siehe Kasten), es gibt dazu eine Festschrift heraus.