Anfang 2014 wurde das erste Seil gewechselt. Das erste nach 30 Jahren. Jetzt geht es weiter. "Diesmal werden vier weitere ausgetauscht", erklärt Hebewerksleiter Jörg Schumacher. Die Trogseile gelten als "ablegereif", wie es in der Fachsprache heißt. Sie haben laut Gutachter ausgedient, sind verschlissen. Aus dem Jahr 1984, als der komplette Satz von 256 Seilen in Niederfinow erneuert worden war, gebe es noch 19 Reserve-Exemplare. Nach und nach gehen die jetzt mit dem Austausch zur Neige. "So dass wir uns im nächsten Jahr mit der Nachbeschaffung befassen müssen", sagt Schumacher.
Die Seile von 1934 haben genau 50 Jahre gehalten. Der zweite Satz "nur" noch 30 Jahre, allerdings bei einer deutlich höheren Laufleistung. "Von der Leistung her haben die Seile jetzt fast das Alter der Originale erreicht", weiß der Betriebsstättenleiter. Weshalb alle 256 Exemplare nach und nach unter die Lupe genommen werden. Seilwechsel - das klingt recht unspektakulär. Doch: "Der Ersatz ist sehr aufwändig", weiß Schumacher aus der Erfahrung der vorigen Saison.
Daneben gebe es den üblichen Check, die obligatorischen Tests, Reinigungen, Wartungsarbeiten - und "viele kleine Sachen". Auf der Kanalbrücke etwa soll auf der nördlichen Seite das Holz gewechselt werden. Auch die hölzerne Seitenauskleidung des Troges muss erneuert werden. Eine der zwölf Schmierpumpen für die Hauptantriebe ist instand zu setzen. Die beiden Treidelseile müssen "nachgesetzt" und neu gespannt werden.
"Eigentlich wollten wir noch mehr machen in diesem Winter", verrät Schumacher. Geplant war ebenso der Austausch des Stahlträgers am Dichtrahmen der unteren Haltung, eine sehr komplexe Leistung. Allein: Die Ausschreibung der Arbeiten endete ergebnis- und erfolglos. "Es ist kein Angebot abgegeben worden." Folglich musste das Wasser- und Schifffahrtsamt Eberswalde (WSA) die Ausschreibung aufheben. Im nächsten Winter wolle man erneut Anlauf nehmen. Ein Sicherheitsrisiko stelle die verschobene Instandsetzung aber nicht dar, versichert der Fachmann. "Es gibt in dem Bereich bereits eine Hilfskonstruktion." So bleibt es für 2015 bei dem kleinen TÜV, beim Schmieren, Ölen, Einstellen. Für die Männer um Jörg Schumacher längst Routine. Aber halt unverzichtbar. Damit die Technik auch in den nächsten Jahren wie geschmiert läuft. Und vor allem störungsfrei. Die Arbeiten, so überschlägt der Leiter, haben ein Volumen von knapp 100 000 Euro.
2014 wurden auf dem Oder-Havel-Kanal im Bereich Niederfinow knapp 1,3 Millionen Tonnen an Gütern bewegt. "Etwa so viel wie im Vorjahr." Zu den Hauptfracht-Arten gehören nach wie vor Kohle und Schrott. Daneben landwirtschaftliche Erzeugnisse sowie chemische Produkte, wie Düngemittel. 1130 Motorschiffe sowie 1650 Schubverbände passierten das Hebewerk.
Relativ konstant stellt sich die Situation auch im touristischen Sektor dar. 110 000 Gäste besichtigten den stählernen Koloss und die Technik, was der Vorjahres-Zahl entspricht. 3384 Ausflugsdampfer wurden abgefertigt. Lediglich bei den Sportbooten war ein Rückgang auf 3858 zu verzeichnen, so Schumacher. Gerade dieses Geschäft unterliege starken Schwankungen. "Da haben wir kaum Einfluss drauf."
Auch auf der Baustelle am neuen Schiffshebewerk, nur wenige Meter vom alten entfernt, bestimmen ab Montag wieder Handwerker, Bauleute und Techniker das Geschehen. Erstmals seit Baubeginn, so verrät Klaus Winter vom Auftraggeber WNA, habe man über den Jahreswechsel mal planmäßig für zwei Wochen pausiert. Aber am 5. Januar ginge es weiter. Mit "Führungsschienen, Führungsschienen, Führungsschienen." Sie sollen später die Gegengewichte vor Wind schützen. Allerdings sei man beim Betonieren auf die Mithilfe von Petrus angewiesen. "Die Arbeiten können nur bis minus fünf Grad ausgeführt werden", so Winter. Bei strengerem Frost müsse man diese Arbeiten einstellen und warten.
Parallel laufen hoch oben, auf der Ebene der künftigen Seilrollenhalle, die Korrosionsschutzarbeiten, also der Anstrich. "Dort arbeiten wir unter beheizten Bedingungen. Damit sind wir wetterunabhängig." Kurz vor Weihnachten habe man mit dem Einheben des Sicherheitstores noch ein wichtiges Etappenziel erreicht. Das nächste sei dann die Montage der Gegengewichte. "Voraussichtlich ab April", hofft Klaus Winter.
Wintersperre am Schiffshebewerk, incl. Besucherplattform: 5. Januar bis voraussichtlich 15. Februar, der Ausstellungspavillon ist indes geöffnet täglich von 9 bis 16 Uhr