Es ist kurz nach 15 Uhr. An der Eichwerder Straße, vor dem Tor zwischen den zwei Häusern Nummer 69 und 70, warten bereits die ersten Leute auf die Workshopleitung. Neben ihnen steht Glenn Rossow von der mitveranstaltenden Initiative "Recht auf Stadt." Der 55-Jährige wartet noch ein bisschen, um dann den Eingang zu öffnen und eine kleine Tour durchs Grüne zu starten. In diesem eher unscheinbaren Grundstück steckt nämlich überraschend viel Geschichte. "Es lag historisch, im Mittelalter, vor den Toren der Stadt – und oben, auf dem ehemaligen Schlossberg, stand die historische Eberswalder Askanierburg", erzählt Rossow. Mit dem Schicksal der Region änderte sich auch das des Berges und seiner Umgebung – sei es als Brauerei, Teil der Fabrikgelände vor dem Zweiten Weltkrieg, als eine DDR-Großhandelsgesellschaft und eine private Videothek nach der Wende.
Alles Geschichte. Nun soll hier in Zusammenarbeit mit der Hochschule für nachhaltige Entwicklung ein Gemeinschaftsgarten entstehen. Eine ihrer Arbeitsgemeinschaften, die "Commons", organisiert die Werkstatt. "Wir wollen dieses Grundstück ein bisschen zugänglicher für mehr Leute machen", so Kira Lange, eine der zwei Leiterinnen, "und dafür brauchen wir Sitzgelegenheiten. Die wollen wir jetzt hier bauen." Zusätzlich sollen im Garten Hochbeete entstehen. "Da könnte man Blumen, Gemüse oder ähnliches pflanzen", so die Studentin.
Im Mittelpunkt steht das Bauen mit der Europalette. "Sie hat etwas Rustikales", sagt Rossow. Hinzu kommen aber vor allem praktische Vorteile. Eine einzelne Europalette, so der Aktivist, koste normalerweise zehn bis 14 Euro. Nicht selten verschenken die Unternehmen die Paletten, sofern kein Pfand dafür gilt. Doch auch Metallteile aus alten Möbeln stellen die Veranstalter zur Verfügung.
Für die zehn Leute, die sich nun versammelt haben, heißt es also: Ran an die Arbeit. Bevor sie loslegen, überlegen sie sich, was sich überhaupt wie bauen lässt. Die recht chaotische Diskussion dauert eine Weile, letztlich teilt sich die Gruppe in drei kleinere Gruppen auf. Einige bauen eine Bank, andere einen Stehtisch sowie ein paar Stühle dazu. Das dritte Team, zu dem Student Julius Piontkowski gehört, stellt Fahrradständer her. "Wir haben gestern in der WG besprochen, dass wir Fahrradständer aus Holzpaletten brauchten", begründet er seine Wahl. Es habe gut gepasst, weil sie ihren Hofgarten neu gestalten wollen. "Wir brauchen Paletten, die stehen jetzt frei zur Verfügung. Das finde ich super, dass wir alles benutzen können und unserer Kreativität freien Lauf lassen können."
Holundersekt in der Pause
Dazu kommt eine ausgesprochen gemeinschaftliche Stimmung. "Die Atmosphäre ist einfach hübsch", sagt Julius‘ Mitbewohner, Bert-Jonathan Mitzscherling. Die Teilnehmer helfen sich gegenseitig bei Problemen. Auch auf die Workshop-Verantwortlichen können sie sich verlassen. "Es ist doch schön, mit Leuten aus der Umgebung zusammenzukommen und etwas handwerklich zu machen", meint Sophie Roseneck, die andere Workshopleiterin. In der Pause sowie nach dem Bauen genießen die Gäste den mitgebrachten Holundersekt und lernen sich gegenseitig kennen.
Das Ergebnis bewertet Kira Lange als überraschend positiv. "Ich hätte nicht gedacht, dass so viele kommen und dass wir so schnell fertig werden", sagt sie. Nach vier Stunden ist das "Tagwerk" vollbracht. Einige Teilnehmer schaffen es sogar, ihre hölzernen Produkte mit ihren Zweirädern nach Hause zu bringen.