In Eberswalde könnte schon bald eine Campus-Gruppe der weltweiten Bewegung Slow Food entstehen. Erstmals hat sich deren Barnim-Oderland-Gruppe jetzt in der Waldstadt getroffen. Slow Food widmet sich der Förderung gesunder und nachhaltiger Ernährung und legt Wert auf regionale Produkte. Eberswalde werde ein Stützpunkt der Bewegung, sagten die Initiatoren. Vor allem Studenten folgten ihrer Einladung ins Paul-Wunderlich-Haus.
Nobel eingedeckte Tische, weiße Tischtücher, edler Schinken und ungewöhnliche Pralinen aus Ziegenfrischkäse – am Montagabend gleicht der Sitzungssaal einer gehobenen gastronomischen Einrichtung. Für das Buffet haben Produzenten aus der Region gesorgt. Die guten Lebensmittel kommen vom Melchhof in Melchow, aus dem Ökodorf Brodowin oder der Klosterdorfer Holzofenbäckerei Drachenbrot.
Die Slow-Food-Anhänger sind überzeugt: Gut essen geht nur bewusst, Qualität geht mit gutem Gewissen einher. „Nein, wir reden nicht über Kaviar“, sagt Lars Jäger, der die Berliner Slow-Food-Gemeinde anführt. „Wir sind keine Retros, wir sind auch keine Sozialromantiker“, sagt die Hirschfelder Ökobäuerin Sonja Moor. „Wir brauchen aber ganz schnell Veränderungen“, fügt Moor, mit Fernsehmann Dieter Moor liiert und früher selbst TV-Produzentin, hinzu. Vor sieben Jahren hat sie einen Demeter-Betrieb mit Wasserbüffeln und Galloways gegründet. Seit drei Jahren gehört das Paar zu den Slow-Food-Aktiven. Die Aussteigerin hat eine eigene Organisation für den Barnim und das Oderland gegründet. „Weil mir die Berliner zu schick sind“, erklärt sie mit charmant-verschmitztem Seitenblick auf Jäger. Das neue Convivium (Tafelrunde), wie Slow Food seine örtlichen Gruppierungen nennt, trägt aber vor allem ihrer Ansicht Rechnung: „Wir müssen schauen, dass wir hier auf die Beine kommen.“
Insbesondere heißt das, Verbraucher und Produzenten zusammenzubringen. Und in Eberswalde hat das Convivium besonders viel Potential dafür ausgemacht. Einige Mitglieder sind „Menschen, die hier wohnen und Studenten von der Hochschule für nachhaltige Entwicklung“, stellt der Journalist und Leiter Ulrich Rosenbaum fest. „Wir haben die Hoffnung, dass sich wie in anderen deutschen Städten eine Campus-Gruppe gründet.“
„Das ist durchaus realistisch“, schätzt Lisa Querhammer, 24, nach dem Infoabend ein. Die Studentin im Studiengang Global Change Management ist eines der bislang zwei aktiven Mitglieder an der Hochschule.
Das muss nicht gleich eine Slow-Food-Kantine wie in Fulda sein. Als erste Aktion hat die Studentin ein sogenanntes Eat In auf dem Marktplatz im Sinn. „Im Frühjahr, sobald es warm ist, wäre das leicht zu organisieren.“ Einen Stuhl und die guten Lebensmittel würde dann jeder Besucher selbst mitbringen.