Die der Redaktion anonym zugänglich gemachten Informationen zeichnen unabhängig von- einander ein bestürzendes Bild: Von einer Teilverlagerung und einer Teilstilllegung der Produktion ist die Rede - und davon, dass knapp 30 Mitarbeiter zum Jahresende entlassen worden seien. "Es trifft nahezu die komplette Fertigung", sagt einer der Anrufer, die ihren Namen nicht sagen wollen. Nur die Projektierung und Teile der Elektrik würden bleiben. Die Gerüchteküche in Eberswalde brodelt heftig.
Schließlich sind die Einwohner der Barnimer Kreisstadt, was den Niedergang der Industrie betrifft, Kummer gewöhnt. Zuletzt hatten sie 2012 das endgültige Aus für die Walzwerk Finow GmbH zu verkraften - nach zwei jeweils mit Personalabbau verbundenen Insolvenzen und einem Sterben auf Raten, das sich über Monate hinzog. An der letzten Betriebsversammlung vor dem Werktor, die einer Beerdigung glich, hatten nur noch 145 Mitarbeiter teilnehmen können. Und der Kampf um die DB Fahrzeuginstandhaltung GmbH ist noch immer nicht ausgestanden: Im Oktober 2014 hatte der DB-Vorstand verkündet, das Bahnwerk Eberswalde spätestens Ende 2016 schließen zu wollen. Der anfänglichen Ohnmacht der damals noch knapp 500 Mitarbeiter folgte ein in Eberswalde beispielloses Ringen um den Erhalt des letzten größeren Industriebetriebes der Kreisstadt und möglichst vieler Arbeitsplätze, dem sich die gesamte Region anschloss und das durch Brandenburgs Landesregierung unterstützt wurde. Im März dieses Jahres kam es schließlich dazu, dass die Deutsche Bahn und die Quantum Capital Partners AG aus München eine Absichtserklärung unterzeichneten. Der private Investor strebe an, das Bahnwerk zum 1. Januar 2017 zu übernehmen, den Standort für fünf weitere Jahre zu bewirtschaften und 210 der aktuell noch 325 Mitarbeiter weiterzubeschäftigen, hieß es. Als Kaufpreis wurde ein Euro verabredet. Anderthalb Monate später sind die Verträge nach wie vor nicht unterschrieben. Eberswaldes Bürgermeister Friedhelm Boginski hat im Hauptausschuss von einem Telefonat mit Hendrik Fischer berichtet. Der Staatssekretär aus dem Brandenburgischen Wirtschaftsministerium ist in die Verhandlungen eingebunden. "Wir sind alle verhalten optimistisch", sagt der Bürgermeister.
Was die Zukunft der Kocks Ardelt Kranbau GmbH betrifft, gibt sich die Unternehmensführung bedeckt. "Wir können Ihnen bestätigen, dass ein Teil der Montage aufgrund schlechter Auftragslage in Eberswalde zu unserem Schwesternunternehmen Kirow nach Leipzig verlagert wird. Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass wir Ihre Fragen nicht ausführlich beantworten können, weil diese Geschäftsgeheimnisse berühren und laufende Verhandlungen betreffen", heißt es in einer E-Mail, die Simone Lepper, Design und Marketing Managerin, unterschrieben hat. Parallel gebe es auch Änderungen in der Geschäftsführung, über die Mitte Mai informiert werde.
Erst zum Juli vorigen Jahres war aus der Kirow Ardelt GmbH die Kocks Ardelt Kranbau GmbH geworden. Der Betriebsübergang sei nicht mit Einschnitten verbunden, war damals erklärt worden. Die rund 150 Mitarbeiter würden wie bisher beschäftigt.
Bereits seit 1997 bilden der Betrieb in Eberswalde, Kocks in Bremen und Kirow in Leipzig zusammen die Kranbauunion und behaupten sich geschlossen auf dem Weltmarkt, der allerdings fest in chinesischer Hand ist.
Eberswaldes Bürgermeister war die wenig erfreuliche Entwicklung bei der Kocks Ardelt Kranbau GmbH Anlass, den Kontakt zum Unternehmen zu suchen. "Nach deren Informationen dauern die Gespräche mit dem Betriebsrat noch an. Wir haben einen regelmäßigen Austausch vereinbart", teilt Friedhelm Boginski per E-Mail mit.
Für Peter Ernsdorf, 1. Bevollmächtigter der IG Metall in Ostbrandenburg, kommt der vermutliche Personalabbau im Betrieb überraschend. "Wenn wieder ein Stück industrieller Wertschöpfung aus Eberswalde verschwinden würde, wäre dies mehr als bedauerlich", sagt er.