Ordentlich schwer sind die etwa ein Dutzend Kisten. „Wein schenkt Freude“, steht auf einer. Doch nicht Rebsaft, sondern Bücher sind darin – und auch die beglücken. „Wir machen jetzt die Schatztruhe auf“, sagt Angela Beier. Gemeinsam mit Mitarbeiterin Mascha Hess freut sich die Standortleiterin an der Spreewaldstraße 20/22 im Brandenburgischen Viertel über eine Spende von etwa 250 Bänden. Darunter „ein Riesenteil DDR-Bücher“, Märchenbücher, Romane und Reisebeschreibungen, wie Wolfgang Jädick (75) weiß. „So kommt Altes wieder zu gutem Zweck“, ist der Überbringer zufrieden.

Eberswalder Marktchef übernimmt den Transport aus Altenhof

Ursprünglich habe eine Freundin seiner Frau ihn gefragt, ob er nicht Abnehmer vermitteln könnte, berichtet der von der Marktgilde eingesetzten Chef des Eberswalder Wochenmarktes. Doch weder die Stadtbibliothek noch Bücherhändler hätten den Schmökerschatz aus einem Altenhofer Privathaushalt gewollt. Dafür fand Jädick in Marktbesucher Carsten Zinn zufällig einen Ansprechpartner. Der Stadtverordnete habe in Bildungseinrichtungen die Werbetrommel für die Spenden in Kisten gerührt. Später haben sich noch zwei, drei Schulen gemeldet, sagt Jädick. „Aber die Bildungseinrichtung Buckow war die erste.“ Der Marktchef lieh sich von einem Nachbarn einen Transporter und lieferte die Bücher bei dem Träger im Brandenburgischen Viertel an.

Kiezkita und Sozialberatung, Berufsschule und Spreewaldcafé

Der Standort in einer einstigen „Kinderkombi“ beherbergt ein breites Spektrum sozialer Angebote. So ist die Kiezkita „Kleeblatt“ hier zuhause. Ein Teil des Hauses gehört als Ausbildungsstätte für Hauswirtschaftshilfe zur beruflichen Schule der Bildungseinrichtung, an der Schüler mit besonderem Unterstützungsbedarf lernen. Zweimal in der Woche öffnet das Spreewaldcafé. Seit neun Jahren ist die Allgemeine Soziale Beratung in dem Komplex, das der Träger seit 2001 betreibt. Bis der neue Hortbau der Grundschule Schwärzesee fertig ist, haben außerdem die Hortkinder aus zwei Klassenstufen hier ihr Domizil. Und vor vier Jahren kam das Familienzentrum mit offenen Treffs, im vergangenen Jahr ein Lernzentrum dazu.

Lern- und Familienzentrum braucht mehr Platz

„Mit dem Lern- und Familienzentrum sind wir gerade im Ausbau“, berichtet Angela Beier. „Das war auch der Grund dafür, dass wir das Bücherangebot gern angenommen haben“, erklärt die Standortkoordinatorin. „Uns ging es hauptsächlich darum, dass unsere Bibliothek gut bestückt ist, wenn wir Ende des Monats umziehen.“
Der Verein strebe für das Zentrum offene Angebote an, dafür wird Platz gebraucht. Durch die vielen verschiedenen Angebote am Standort ergäben sich oft Flurgespräche, Zufallstreffen, aus denen sich dann wieder mehr machen lässt. „Die Vernetzung hier ist das Schöne. Wenn jemand Unterstützungsbedarf hat, kann man schon im Haus ganz viel regeln“, sagt Angela Beier.

Kiezkita soll ebenfalls aufgestockt werden

Im kompletten hinteren Anbau bezieht das Lern- und Familienzentrum so demnächst zwei große öffentliche Räume sowie einen Büro- und Lernraum. Zugang gibt es von dort auch zu Außenanlagen, die später noch mit den Nutzern gestaltet werden sollen. Zudem solle auch die Kiezkita mit derzeit 24 Plätzen ausgebaut werden. „Der Bedarf ist sehr hoch“, sagt Angela Beier. Angepeilt würden künftig 70 Kitaplätze.

Lernförderung für 18 Schüler

Im Lernzentrum sind es der Standortchefin zufolge derzeit 18 Schüler aus dem Brandenburgischen Viertel von Klasse eins bis sieben, die unterstützt von fünf pädagogischen Kräften und in Kooperation mit der Kreisvolkshochschule sowie der Grundschule Schwärzesee Lernförderung über das Bildungs- und Teilhabepaket erhalten, zwei Drittel davon mit Migrationshintergrund. „Uns ist es wichtig, dass wir da nicht schultechnisch, sondern mit anderen Methoden in die Einzelförderung gehen.“

Kinder gehen mit dem Eindruck, sie hätten gespielt, nach Hause

So gibt es Würfelspiele und Instrumente zum Erlernen der Malfolgen, das Zahlenverständnis wird unter anderem mit Bausteinen gefördert. Das Credo: „Die Kinder gehen nach Hause und erzählen dort, sie haben gespielt.“ Dabei könnten auch die Bücher aus den Kisten helfen. Erwachsene werden ebenfalls zu dem einen oder anderen Band greifen, ist Angela Beier sicher. Die Bibliotheksregale in den neuen Räumen sieht sie schon gut gefüllt vor sich.