Am 26. Juni kommt die Deutsche Sportabzeichentour nach Eberswalde. Die MOZ stellt einige Disziplinen vor und befragt Spezialisten zur Technik und zum Training.Der Eberswalder Detlef Mierig gibt als Sportlehrer und World-Champion Auskunft zum Stein- und Kugelstoßen.
Bis zu 2000 Teilnehmer aus ganz Barnim werden am 26. Juni zur Sportabzeichen-Tour im Eberswalder Fritz-Lesch-Stadion erwartet. Los geht es um 8 Uhr mit den Barnimer Schulen. Ab Mittag steht das Stadion dann für alle Individual-Sportler offen. Der Kreissportbund Barnim als Ausrichter bietet für den Erwerb des Sportabzeichens in den drei Stufen Gold, Silber und Bronze insgesamt zehn Disziplinen an. Diese Sportarten sind in die vier Kategorien Koordination, Schnelligkeit, Kraft und Ausdauer unterteilt. Aus jeder Kategorie müssen die Prüflinge eine Disziplin absolvieren.
Unter den zehn Disziplinen ist auch das Stein- bzw. Kugelstoßen. Eines von beiden müssen die Sportler, oder die es noch werden wollen, absolvieren. „So schwer ist beides  doch gar nicht, wenn man ein paar Dinge beachtet“, sagte einer, der es wissen muss: Detlef Mierig. Der 52-jährige Eberswalder ist Sportlehrer am Humboldt-Gymnasium und Weltmeister im Steinstoßen. Beim World Championship der Highland Games im vorigen Jahr in Island distanzierte er in dieser Disziplin sogar den amerikanischen Seriensieger Jim Spakling.
Beim Sportabzeichen kommt ein 5-Kilogramm-Stein oder je nach Altersklasse eine Kugel von 2 bis 7,26 Kilogramm zum Einsatz. „Die Technik ist bei beiden eigentlich die gleiche. Beim Stein muss man aufpassen, dass man eine glatte Seite an den Körper anlegt“, erklärte der Profi. Dafür kann man das Steinstoßen überall üben, denn so ein Stein ist schnell zur Hand. „Nur aufpassen sollte man, dass da keiner in den Wurf laufen kann“, rät der Eberswalder.
Wichtig ist das Warmmachen, um Verletzungen zu vermeiden, erklärte Mierig: „Da kann man ganz normale Übungen machen, um die Arm- und Beinmuskulatur zu erwärmen.“ Als Tipp erwähnt er Liegestütze, da diese die gleichen Muskelpartien im Arm beanspruchen. Aber dabei nicht übertreiben, denn der Stein fordert auch noch genug Armkraft. Der Stein wie auch die Kugel sollten fest an Hals und Wange gepresst werden. Wobei beim Stein die beste Wurfposition in der Hand ausbalanciert werden muss. „Er muss angenehm in der Hand liegen und am Körper nicht kratzen“, erklärte der Sportlehrer die Vorbereitung zum Wurf.
Ob man mit Anlauf stößt oder aus dem Stand, das bleibt jedem Werfer selbst überlassen. „Je länger der Beschleunigungsweg für Kugel oder Stein ist, desto weiter kann das Gerät fliegen“, erklärte Mierig. So rät er zum Anlauf, wenn man mit der Koordination des Bewegungsablaufes klarkommt. Aber auch aus dem Stand kann man noch Beschleunigungsweg herausholen, wenn man vor dem Stoß leicht eingedreht aus der Hocke eine Vierteldrehung macht. „Das ist natürlich Übungssache, aber bringt einige Zentimeter an Weite“,  so der Steinwurf-Champion.
Das Gesicht sollte beim Anlegen des Wurfgerätes schon eine gewisse Deformierung aufweisen, also richtig an das Kinn gedrückt werden, erklärte Mierig. Der beste Wurfwinkel liegt bei etwa 41 bis 43 Grad, also in etwa ein halbierter rechter Winkel. Den sollte man mit dem anderen durchgestreckten Arm vorgeben, denn der andere folgt automatisch dieser Bewegung und hat somit den besten Wurfwinkel. Im letzten Moment vor dem Stoß sollte der Werfer noch auf die Zehenspitzen gehen, denn das bringt auch noch einige Weiten-Zentimeter, erklärte der  Fachmann. So gerüstet, sollte die Norm für das Sportabzeichen zu machen sein.
Selbst hat Mierig den Weltrekord im Steinstoßen „Open Stone“ (8 bis 11 Kilogramm) in seiner Alters- und Gewichtsklasse im Fokus. „Ich bin qualifiziert für die Highland Games am 8. und 9. September in Stuttgart, die zum ersten Mal überhaupt in Deutschland stattfinden“, sagte der Eberswalder nicht ohne Stolz. Dort will er die 14 Jahre Bestleistung knacken. „Im Training habe ich schon 11,65 Meter erreicht, zehn Zentimeter unter dem Rekord.“
Zweimal trainiert er in der Woche für sein Ziel, dazu kommt noch das Training im Kraftraum. Dabei hat er eine neue Sportliebe entdeckt: „Seit diesem Jahr bin ich bei den Kraftsportlern von Motor Eberswalde dabei im Bankdrücken und Gewichtheben.“ Da will er bei den Landesmeisterschaften ganz vorn mitmischen und sich für die Deutsche Meisterschaft empfehlen. Auch da hält er einen dritten Platz mit anvisierten 140 Kilogramm im Bankdrücken für realistisch.
Doch der Blick des Eberswalders geht noch weiter voraus. Über einen Bekannten hat er CrossFit entdeckt. Dieser Wettkampfsport schwappt gerade aus Amerika nach Europa und der Name ist Programm. Verschiedene Disziplinen aus Kraftsport, Turnen und Leichtathletik werden zu einem Wettkampf kombiniert. Das Besondere daran ist, dass sich jedermann zu den Wettkämpfen per Video empfehlen kann. Natürlich sind gewisse technische Voraussetzungen zu erfüllen. „Da würde ich gern mal mitmachen, auch wenn das bis zu einem eventuellen Start noch ordentlich Fleiß und Training bedeutet“, sagte Mierig. Und wer den Eberswalder kennt, weiß, dass er seine Ziele nicht kampflos aufgibt.