"Mit diesen Mieten gebe ich dem Familiengarten maximal noch zwei Jahre. Dann können wir ihn für immer abschließen", warnte der Stadtverordnete. Es sei mehr als unwahrscheinlich, dass es Veranstaltungen wie die Regionale Verbrauchermesse auch in Zukunft noch geben werde. Dies könnten sich die Organisatoren gar nicht mehr leisten, urteilte er.

In namentlicher Abstimmung

Weniger grundsätzliche Bedenken hatte Götz Herrmann von der Fraktion SPD/Bürger für Eberswalde mit dem veränderten Mietzins. "Ich frage mich nur, ob diese Neuregelung zu einem geeigneten Zeitpunkt erfolgt", sagte der Stadtverordnete mit Verweis auf die Einschränkungen durch die Corona-Pandemie, die gerade gewerbliche Veranstaltungsanbieter hart träfen.
Hingegen erklärte Sebastian Walter, Vorsitzender der Linksfraktion im Stadtparlament, die angepasste Entgeltordnung für den Familiengarten sei "ein guter Kompromiss", weil sie ein flexibleres Agieren ermögliche.
Die von Viktor Jede beantragte namentliche Abstimmung ergab bei drei Enthaltungen 16 Stimmen für und zehn Stimmen gegen die Vorlage, die Georg Werdermann, Leiter des Amtes für Stadtmarketing und Tourismus, erarbeitet und im Parlament präsentiert hat. Ein erster Anlauf war Ende vorigen Jahres an massiven Protesten im Hauptausschuss gescheitert. Wegen der Corona-Krise hatte es danach vor der Parlamentssitzung keine Aussprache zum Thema mehr gegeben.
Der Amtsleiter verwies darauf, dass es das Ziel sei, die Zahl der Besucher zu steigern, die Anmietung für Interessenten zu erleichtern und das Procedere für Mieter bei Nebenleistungen und Betriebskosten zu vereinfachen.
Kostendeckend seien auch die neuen Mieten keineswegs. Dafür müssten für die Stadthalle fast 14 000 Euro, für die Freilichtbühne fast 15 000 Euro und für das Tourismuszentrum mehr als 2000 Euro pro Tag verlangt werden. Für die neuen Preise seien Vergleichswerte aus der Region und darüber hinaus herangezogen worden – von den Stadthallen in Bernau und Falkensee über das Kulturhaus in Rüdersdorf, den Ziegeleipark in Mildenberg bis zu den Freilichtbühnen in Prenzlau, Spremberg und Nauen.

Anderswo ist es noch teuerer

Überall werde angestrebt, etwa 25 bis 30 Prozent der Kosten zu decken. "Die Preise der Vergleichsobjekte liegen um das Zwei- bis Sechsfache über den Tagespreisen in Eberswalde", betonte Georg Werdermann.
Wichtig sei, dass zwischen gewerblichen und gemeinnützigen Nutzern unterschieden werde. "Auch das neue Mietzeitfenster von sechs Stunden erhöht die Flexibilität für die Mieter", sagte der Amtsleiter, der überdies darauf hinwies, dass die veränderten Entgelte inklusive aller Nebenkosten zu verstehen seien.
Die Preisanpassung fällt dennoch beachtlich aus. Bei der Tagesmiete steigen die Forderungen an gewerbliche Interessenten um den Faktor 1,4 bis 4,5, bei gemeinnützigen Interessenten um den Faktor 0,9 bis 2,7.
Wenigstens bis zum 30. August wird es im Familiengarten keine Großveranstaltungen geben.

Was sich im Detail an den Entgelten ändert


Wer die Stadthalle mietet, zahlt dafür als gewerblicher Interessent bislang 730 Euro pro Tag, wenn er die gesamte Fläche in Anspruch nimmt. Mit Inkrafttreten der überarbeiteten Benutzungs- und Entgeltordnung für den Familiengarten werden dafür 3300 Euro fällig. Neu ist, dass es auch ein Sechs-Stunden-Angebot gibt, das 825 Euro beträgt. Die halbe Halle verteuert sich bei einer Vermietung für gewerbliche Zwecke von 400 auf 1900 Euro (ganztägig) oder 475 Euro (halbtägig), das Foyer von 200 auf 800 Euro (ganztägig). Halbtägig sind 200 Euro zu zahlen.Für die Freilichtbühne haben gewerbliche Anbieter bislang 1500 Euro zu zahlen. Neu beträgt der Mietzins 3500 Euro (ganztägig) oder 875 Euro (halbtägig).

Das Tourismuszentrum ist dagegen ein Schnäppchen: Der Mietpreis wird von bislang 350 Euro auf 500 Euro für die ganztägige Nutzung angehoben. Halbtägig werden 125 Euro gefordert.

Gemeinnützige Mieter haben bisher für die gesamte Stadthalle 730 Euro zu zahlen. Fortan werden ganztägig 1980 Euro und halbtägig 495 Euro verlangt. Die halbe Halle verteuert sich von 400 auf 1140 Euro (ganztägig). Für den halben Tag werden 285 Euro verlangt. Die Miete fürs Foyer erhöht sich von 200 Euro auf 480 Euro (ganztägig). Der halbe Tag ist für 120 Euro zu haben.

Die Freilichtbühne zu mieten, kostete gemeinnützige Interessenten bislang ebenfalls 1500 Euro. Fortan sollen sie 2100 Euro (ganztägig) oder 525 Euro (halbtägig) überweisen.

Neu ist, dass mit den neuen Entgelten alle Betriebs- und Nebenkosten abgegolten sind. Dies war bisher nicht der Fall. sk