Die ersten Entscheidungen zur neuen Stadtpromenade am Finowkanal sind gefallen. Der Bauausschuss hat sich mehrheitlich dafür ausgesprochen, die Wege der Anlage zu asphaltieren und die beiden Plätze mit einer wassergebundenen Decke zu versehen. Die genaue Planung dazu soll auf der Sondersitzung am 28. Juni diskutiert werden.
„Ich bin als Eberswalder sehr dafür, etwas Herausragendes zu schaffen. Ich bin mir aber nicht sicher, ob Aufwand und Nutzen übereinstimmen. Neun Jahre nach der Landesgartenschau zeigt sich, dass der Familiengarten von den Eberswaldern nicht angenommen wird“, erklärte Horst Nuglisch, sachkundiger Einwohner.
Diese Gefahr sieht der Ausschussvorsitzender Wolfgang Sachse (Die Linke) nicht, weil die Anlage von Anfang an öffentlich zugänglich sein wird.
Die Stadtpromenade wird rund 3,5 Millionen Euro kosten und zum größten Teil mit Fördermitteln finanziert. Der erste Spatenstich soll Anfang 2012 erfolgen. Im Bauausschuss geht es jetzt hauptsächlich um Details. Auf Betonwände als Stütze für die Uferbefestigung wird die Stadt verzichten. An ihrer Stelle werden Gabionen stehen – mit Steinen gefüllte Drahtkörbe „Die sind naturnah und lassen sich definitiv nicht besprühen“, so Eberswaldes Baudezernentin Anne Fellner. Den Baumbestand will die Stadt weitgehend erhalten. Favorisiert wird eine naturräumliche Platzgestaltung mit ausreichenden Sitzgelegenheiten. Östlich der Schwärzemündung ist eine Freitreppe geplant, mit direktem Zugang zum Finowkanal. Dort soll auch eine Leiter angebracht werden, die es erlaubt, sicher aus dem Wasser zu kommen. Diese Anregung hatte Anne Fellner vom Rundgang auf der künftigen Stadtpromenade mitgebracht. Ebenso den Hinweis, bei der Neugestaltung die Geschichte der ältesten künstlichen Wasserstraße Deutschlands mit einfließen zu lassen. Auf Vorschlag der Baudezernentin wird es deshalb eine Arbeitsgruppe unter Leitung von Christin Zierach geben, die auch Verbindung zum Verein für Heimatkunde Eberswalde aufnehmen wird. Der Stadtverordnete Hans Mai hat seine Mitarbeit bereits zugesagt.
Für Diskussionsstoff im Bauausschuss hatte lediglich der Materialeinsatz für die Wege und beiden Plätze links und rechts der Grünfläche gesorgt. Während das Architekturbüro für wassergebundene Decken plädierte, sprach sich Bauhofleiterin Katrin Heidenfelder für eine Befestigung aus. „Auf wassergebundenen Decken kann ich keine Kehrmaschine einsetzen, da muss die Reinigung per Hand erfolgen. Zudem muss das Material mindestens einmal im Jahr aufgelockert und anschließend neu befestigt werden, ein enormer Aufwand“,warnte sie.
„Ich denke, es kommt nur eine Materialkombination in Frage“, meldete sich Uwe Grohs (CDU) zu Wort. Sein Vorschlag, die Wege entlang der Promenade zu asphaltieren, platzgebundene Wege dagegen mit einer wassergebundenen Deckschicht zu versehen, fand eine Mehrheit im Ausschuss.
Diese Variante dürfte auch den Bürgerhinweisen entsprechen, die der Ausschuss zuvor bei einer Vorortbegehung gesammelt hatte.
Mehr als 100 Eberswalderinnen und Eberswalder waren zum Treffpunkt nahe der Stadtschleuse gekommen, um sich von der Baudezernentin und von Bernd Joosten vom mit der Planung beauftragten Landschaftsarchitekturbüro über die Vorstellungen von Politik und Verwaltung zur Stadtpromenade unterrichten zu lassen. Der vorgesehene Verlauf der Wege war extra mit rotweißem Flatterband markiert worden.
Zu den engagiertesten Teilnehmern der Begehung gehörte Roland Gabsch. Barnims ehemaliger Kreisdenkmalhüter war der Erste, der dazu riet, an der neuen Promenade auf die reiche Geschichte hinzuweisen. „Wer weiß zum Beispiel schon, dass unweit der Stadtschleuse einst die Gaststätte ,Zur goldenen Sonne‘ stand, die wegen ihrer tollen Lage lange das unangefochten erste Haus in der Stadt war?“, fragte er.
Der Eberswalder Landschaftsarchitekt Andreas Timm hielt an seiner Kritik fest, dass der Neubau massiv die Singvogel-Population gefährde. Der beauftragte Planer entgegnete, dass die Eingriffe in die Natur auf ein Minimum reduziert würden.