Er funktioniert ähnlich wie eine Badewanne, der Stöpsel sitzt an der Schleuse. Deshalb kommt es vor, dass der Werbellinsee auf Knopfdruck mal mehr, mal weniger Wasser führt. Kein Grund zur Sorge, meint das Wasser- und Schifffahrtsamt. Anwohner sehen das anders.
Es wird augenfällig, wenn man die Promenade in Altenhof entlangspaziert. Zu sehen ist es auch am Pegel an der Eichhorster Schleuse. „Man sieht es überall am See“, sagt Knut Göritz. Und man sieht es nicht erst jetzt. Schon vor zwei Wochen, als der Wassersportler mit dem Paddelboot unterwegs war, machte er sich Sorgen: „Der Werbellinsee hat in den letzten Tagen sehr viel Wasser verloren.“
Göritz ist natürlich nicht der einzige, dem der niedrige Wasserstand aufgefallen ist. Aber der Segler vom Werbellinsee ist der Sache nachgegangen. Anwohner und Besucher wunderten sich. „Eine einschneidende Geschichte, wenn man am See lebt“, findet der Altenhofer, der sich noch gut an den Rekordverlust im Sommer vor fünf Jahren erinnern kann.
Damals reagierte das Wasser- und Schifffahrtsamt Eberswalde (WSA), indem es die Zahl der Schleusungen zurückfuhr. „Viele vermuten jetzt eine technische Panne an der Schleuse Eichhorst“, sagt Knut Göritz. Mittlerweile hat er sich sagen lassen, dass das Leck tatsächlich an der Schleuse liegt und zudem erfahren, dass es beabsichtigt war. An der Schleuse wird gebaut. „Wir müssen die Verankerungen des Tores erneuern“, bestätigt Hans-Jürgen Heymann, Leiter des WSA Eberswalde. Die Mängel seien bei Revisionsarbeiten aufgefallen.
„Um das vernünftig machen zu können“, habe man über das Wehr Wasser abgelassen. „Es ist eine Maßnahme, für die wir den Wasserstand zwei Monate lang konstant halten“, sagt Heymann. „Wenn wir damit fertig sind, drehen wir das Wehr wieder höher.“ Ein völlig normaler Vorgang, will Heymann klargestellt wissen. Über den Winter werde sich der Werbellinsee wieder füllen. „Das ist eine Sache, die jedes Jahr im natürlichen Rhythmus passiert.“
Hätte er gewusst, welche Aufregung die Sache bei den Nutzern des Sees hervorruft, hätte er sie publik gemacht, ergänzt der Amtschef, überzeugt davon, dass der See es bis zum Frühling dank Regen, anderer Niederschläge und der Zuflüsse schafft. „Wir hätten das beispielsweise im Sommer nicht machen können.“ Was die Alternative gewesen wäre? „Die Schleuse zu schließen.“
Als das Wasser- und Schifffahrtsamt am 24. Oktober anfing, den Pegel abzusenken, stand er bei 408 Zentimetern. Mitte November hatte er 35 Zentimeter verloren. „Seitdem halten wir diesen Stau“, sagt Heymann. Der „Normalstau“ liege zwar ein wenig höher, bei 389. Aber die Mindesthöhe, an die sich das WSA auch im Sommer halten müsse, liege bei 324 Zentimetern.
„Ein ökologisches Fiasko“, findet Knut Göritz dennoch. „Das ist doch ein Schuss in den Rücken“, beklagt der Altenhofer. Schließlich sei bekannt, dass der Grundwasserspiegel in der Schorfheide jährlich um einige Zentimeter sinke. Einerseits werde viel Geld für Schutzprogramme ausgegeben. Andererseits werde bei den Arbeiten jetzt gespart.
Selbstverständlich, man hätte die Baumaßnahme auch abwickeln können, ohne Wasser abzulassen, bestätigt Heymann. „Man hätte eine Spundwand rammen können. Dann wäre das Ganze aber richtig teuer geworden.“ 75 000 Euro kostet die Maßnahme jetzt. Mit Spundwand wären es mindestens 60 000 mehr gewesen. „Steuergelder“, betont der WSA-Chef. Als „unverhältnismäßig“ bezeichnet auch die Wasserbehörde im Barnim diese Variante. Zumal dem Wasserhaushalt nicht nachhaltig geschadet werde.
„Sie wäre eine gute Idee“, sagt hingegen Rüdiger Michels, Verwaltungsmitarbeiter des Biosphärenreservats. Fordern würde er sie aber nicht. Die Werbellinseefrage entscheidet sich für die Biosphäre nicht an der Spundwand. „Wir hätten den See gern immer schön voll“, sagt Referentin Heike Mauersberger. „Aber es war daran auch vorher nichts natürlich“, fügt sie hinzu. Als Bundeswasserstraße sei der Werbellinsee „ein hydrologisches Kunstprodukt wie eine Badewanne“. Obwohl er seit langem seine Bedeutung als Transportweg verloren hat.
Schleusenwärter könnten die Wasserverluste wenigstens abmildern. Denn bei der automatischen Schleusung, die praktisch jeder vornehmen kann, gehen unkontrolliert jeweils Hunderte Kubikmeter Wasser verloren. „Das sind sinnlose Spiele am Wasserstand“, so Michels.