Vier Störche haben in diesem Jahr bereits in der Wildtierpflegestation Melchow ihr Domizil gefunden. Es werden auch nicht die letzten sein.
In jedem Jahr versucht der ehrenamtliche Verein mit seinen Mitgliedern, abgegebene verletzte oder verlassene Jungtiere so weit aufzuziehen, dass die Störche bis Mitte August so kräftig sind, um mit ihren Artgenossen in Richtung Süden zu ziehen.
Von den vier Vögeln in der Voliere sind drei Jungtiere. Zwei Jungstörche kommen aus Linum, dem Ruppiner Storchendorf in der Nähe von Neuruppin. Ein Altstorch wurde tot unter dem Nest aufgefunden. Im Nest selbst waren drei Jungtiere. "Der übrig gebliebene Altstorch", so Andreas Valentin, Tierarzt und Vereinsvorsitzender der Wildtierpflegestation Melchow, "schafft es ohne Probleme, ein Junges aufzuziehen. Daher wurden die anderen beiden dem Horst entnommen und kamen zu uns."
Das andere Jungtier gelangte aus Woblitz in der Nähe von Himmelpfort nach Melchow. In Woblitz wurde ein Storchennest entdeckt, aus dem ein Jungvogel herausgefallen war. Es überlebte den Sturz und wurde nach Melchow gebracht. Bei näherer Untersuchung des Nestes wurden noch drei tote Jungstörche gefunden. Warum sie starben, ist unbekannt.
Ungewöhnlich ist auch die Geschichte des zurzeit vierten Bewohners der Voliere in der Wildtierpflegestation. Der Altstorch aus Tuchen ist "eingeschränkt flugfähig". Er wurde von Tierfreunden Anfang Juli in Melchow abgeliefert.
Nach näherer Untersuchung stellte sich heraus, "eine Luftgewehrkugel, ein Diabolo, steckte im linken Ellenbogengelenk", wie Tierarzt Andreas Valentin feststellte. "Wer schießt mit einem Luftgewehr auf einen Storch?" Diese Frage stellen sich die Finder des Tieres und auch die Mitglieder des Vereins der Wildtierpflegestation.
Aufgrund dieser Verletzung wurden nun polizeiliche Ermittlungen aufgenommen. Andreas Valentin ist aber optimistisch: "Alle vier Störche werden aus heutiger Sicht so weit kuriert, dass sie mit dem Zug Mitte August mitfliegen können."
Ein Ziel des Vereins Wildtierpflegestation Melchow, der seit 17 Jahren besteht, ist es, mit seinen rund 30 Mitgliedern kranke, hilflose oder verletzt aufgefundene Wildtiere aufzunehmen, optimal zu versorgen und schnellstmöglich auszuwildern. Der Verein hat dabei ein besonderes Augenmerk auf die Pflege von verletzten und die Aufzucht von verlassenen jungen Weißstörchen gelegt, um sie dann wieder in die Freiheit zu entlassen. So wurden während der 17 Jahre rund 70 Störche gesund gepflegt und konnten damit den Storchenbestand im Land erhöhen.
Für ihr jahrelanges vielfältiges Engagement, der Verein mit Tierarzt Andreas Valentin an der Spitze versorgt im Jahr zwischen 500 bis 700 Wildtiere, wurde die Wildtierpflegestation Melchow in diesem Jahr mit dem Barnimer Tierschutzpreis geehrt.
Informationen: www.wildtier-pflegestation.de oder Telefon: 03337 41441. Spendenkonto: Commerzbank Eberswalde, BLZ 160 800 00, Konto-Nr: 41 699 660 00
Von einem Diabolo verletzt: Aus dem linken Flügel des Altstorchs wurde eine Luftgewehrkugel entfernt. Foto: Udo Kalms