„Achtung, Achtung – das ist ein Castor-Unfall“, schrie Sebastian Walther aus Britz ins Megafon. Der Kreisvorsitzende der Barnimer Linken gehörte damit zu den Akteuren, die auf dem Markt spielerisch auf die unkalkulierbare Gefahr aufmerksam machen wollten, die von der Atomkraft ausgeht. Seine Warnung war noch nicht einmal verklungen, da fielen die Demonstranten gleich reihenweise um, als hätte die radioaktive Strahlung sie erwischt. Wenig später erschienen Saubermänner in Schutzanzügen, um alle Spuren zu verwischen. „Guten Tag, Sie werden jetzt fachgerecht entsorgt“, bekamen die verstrahlten Opfer gesagt.
Unter den Beobachtern der mehr als gespenstischen Szene war auch Axel Vogel. Der grüne Landtagsabgeordnete aus Eberswalde hält Proteste gegen die von der schwarz-gelben Bundesregierung beschlossene Laufzeitverlängerung für Atomkraftwerke für überlebenswichtig. „Es gibt bis heute keine akzeptable Lösung für den Umgang mit dem atomaren Restmüll“, betonte er. Jeder Castor-Transport sei ein unkalkulierbares Risiko – und eine Serviceleistung der Bundesregierung für die Atomlobby, die nicht nur Leib und Leben gefährde, sondern die Steuerzahler Unsummen koste. „Deswegen stehe ich hier“, sagte Axel Vogel. Dass die aktuelle Route durch den Barnim führen werde, hält der Grüne indes für unwahrscheinlich. „Dann müssten die Waggons ja auch durch die Millionenstadt Berlin rollen, wo mit enormen Widerstand zu rechnen wäre. So verrückt sind nicht einmal die Atomkraft-Befürworter“, urteilte Axel Vogel.
Einen Castor-Transport durch den Barnim vermag Thomas Janoschka von der Aktionsgruppe Stopp Castor Barnim hingegen nicht gänzlich auszuschließen. „Wir werden daher ab kommenden Mittwoch auf jeden Fall Infopunkte auf dem Bahnhofsvorplatz in Bernau und im Kulturbahnhof in Biesenthal betreiben. Eventuell kommt noch ein Infopunkt in Eberswalde hinzu“, kündigte der Biesenthaler an.
Der EWE warf Thomas Janoschka vor, Strom mit einem Kernkraftanteil von wenigstens 30 Prozent zu verkaufen und damit verantwortungsloser zu handeln als die meisten anderen Energiekonzerne in Deutschland. Die EWE sei ein Tochterunternehmen des Energiekonzerns EnBW, das in Baden Württemberg Atomkraftwerke betreibe. Sein Fazit: „Jeder Erdgaskunde der EWE unterstützt die Atomlobby!“
Dies sei nicht ganz korrekt, hatte Nadine Auras, bei der EWE in der Geschäftsregion Brandenburg/Rügen für die Unternehmenskommunikation zuständig, bereits im Vorfeld der Demo betont. So sei EnBW mit einer Minderheitsbeteiligung von 26 Prozent nur ein strategischer Partner der EWE. 74 Prozent der Anteile würden von 21 Landkreisen und Städten der Ems-Weser-Elbe-Region gehalten. „Überdies liegt der Anteil erneuerbarer Energien an unserem Energiemix bei 28,5 Prozent und damit über dem Bundesdurchschnitt von 17 Prozent“, teilte die Sprecherin mit. Auf der Kundgebung blieben die Demonstranten allerdings unter sich – der Infopunkt der EWE war turnusmäßig geschlossen.
Einen sofortigen Atomkraftausstieg forderte auf dem Markt auch der Choriner Künstler Christian Rapp. „Der Super-GAU in Tschernobyl jährt sich 2011 zum 25. Mal. Und er kann sich auch in Deutschland jederzeit wiederholen“, warnte er.