Zwischen den Wagenburg-Bewohnern und dem Bevollmächtigten der Eigentümerin hängt seit geraumer Zeit der Haussegen schief. Zu den Gründen für den Zwist gibt es sich widersprechende Angaben, im Ergebnis aber duldet die Liquidatorin der Papierfabrik Wolfswinkel GmbH die derzeitige Nutzung nicht mehr - und der von beiden Seiten ausgehandelte Kaufvertragsentwurf scheint das Papier kaum noch wert zu sein, auf dem er abgedruckt wurde.
Im Auftrag von Bürgermeister und Baudezernentin wird Eberswaldes Verwaltungsdezernent Bellay Gatzlaff heute mit den Wagenburglern sprechen. "Von unseren Fachämtern weiß ich, dass wir aus ordnungsrechtlicher Sicht keinen Grund zum Eingreifen haben", sagte der Vertreter der Rathausspitze. In den zivilrechtlichen Streit zwischen den beteiligten Parteien werde sich die Stadt nur vermittelnd einmischen. "Beide Seiten gehen wohl davon aus, dass das Nutzungsrecht Ende März endet", fügte der Verwaltungsdezernent hinzu. Daher habe er schon einmal geschaut, ob Eberswalde den Wagenburg-Bewohnern eine Ersatzfläche anbieten könne. Dies werde jedoch schwer, weil ein Platz mit Wasseranschluss erforderlich sei. "Eberswalde ist bunt. Warum sollten da nicht auch solche Lebensentwürfe eine Chance auf Verwirklichung haben?", fragte Bellay Gatzlaff.
Im Bauausschuss haben die Projekt-Mitstreiterinnen Melanie Ulmer und Vera Schönfeld ihre Sicht der Situation geschildert. Und gefragt, ob die Stadt für das Grundstück der ehemaligen Papierfabrik ein Vorkaufsrecht besitze und sich vorstellen könne, dieses wahrzunehmen. Und ob es für Eberswalde eine Option sei, ihren Flächennutzungsplan so ändern zu lassen, dass auch alternative Wohnformen zulässig seien. Als Vertreter der Rathausspitze verwies Udo Götze, Leiter des Bauordnungsamtes, auf den noch ausstehenden Gesprächstermin mit dem Verwaltungsdezernenten. Bevor sich auch Stadtverordnete zu Wort melden konnten, waren die Wagenburglerinnen schon gegangen.
Bei der Suche nach einem Alternativ-Standort für das Projekt hat Ortsvorsteher Carsten Zinn mehrere Brachflächen im Brandenburgischen Viertel ins Gepräch gebracht.