Die drei Männer mit den freien Oberkörpern lächeln an verschiedenen Stellen der Stadt von den Plakaten.  Sie sind am Frauentag im Familiengarten zu sehen. Einer von ihnen ist Stripper und Agentur-Chef Paul Gee, über dessen Beruf Marco Marschall mehr erfahren wollte.
Herr Gee, am Frauentag werden Sie und weitere Berlin Dreamboys sich in der Stadthalle ausziehen. Was erwartet die Besucherinnen?
Erwarten können die Frauen durchtrainierte Körper, aufregende Menstrip Performances und eine große Portion Spaß. Eine Sache dürfen sie allerdings nicht erwarten: eventuelle eifersüchtige Männer. Zur Veranstaltung sind nur Frauen zugelassen.
Ist das Strippen Ihr Hauptberuf?
Ich lebe von den Stripshows und von der Agentur Stripagentur.com, die ich hauptberuflich betreibe. Das Projekt Berlin-Dreamboys zählt auch dazu. Als aktiver Stripper bin ich dann eben auch auf der Bühne oder zuhause beim Junggesellinnenabschied zu sehen und verdiene mir so etwas dazu. Ich habe ein abgeschlossenes Hochschulstudium in Psychologie, was ich teilweise in New York City vollzogen habe. Mich hat der Beruf des Psychologen dann aber doch nicht genug gereizt, als dass ich mich dafür entschieden hätte.
Wann haben Sie die Scheu verloren, sich vor Zuschauern nackig zu machen?
Ich glaube diese Scheu hat nie bestanden, sonst hätte ich mich nicht bewusst für diesen Job entschieden. Ich habe mehrere Jahre, bevor ich mit der Agentur angefangen habe, ausschließlich als Partystripper gearbeitet und alleine meine Shows gemacht. „Geschämt“ habe ich mich hierbei nie. Ich glaube, man muss eine gewisse Persönlichkeit mitbringen, um den Job mit Freude zu machen.
Sie und Ihre Kollegen zeigen schon auf den Plakaten Ihre durchtrainierten Körper. Das bedeutet hartes Training und einen strengen Ernährungsplan, oder?
Haha. Also um ein Stripper bei den Berlin Dreamboys zu sein, kommt man ums Fitnessstudio nicht herum. Dreimal die Woche ist das Minimum, um die Form zu halten. Ab dem viertem Mal baut man dann auch noch etwas auf. Das würde ich aber auch so betreiben, wenn ich kein Stripper wäre, da ich fasziniert von Ästhetik bin. Ich versuche mich Kohlenhydrate-arm zu ernähren, Weizen und Zucker zu reduzieren und esse kein Schweinefleisch, da dieses einen hohen Cholesterin-Wert hat. Ich trinke morgens gerne einen mit Vitaminen angereicherten Smoothie anstatt zu frühstücken.
Bekommen Sie nach den Shows eigentlich Avancen von Damen, die Sie auf der Bühne gesehen haben? Wie gehen Sie damit dann um?
Es ist wirklich relativ selten, kam aber mitunter schon einmal vor, dass eindeutige Avancen gemacht werden. Ich teile den Damen dann mit, dass ich mich geschmeichelt fühle,  aber eine wunderschöne Verlobte habe, die ich über alles liebe und dieses Jahr heiraten werde.
Neben den Bühnenshows, kann man die Stripper der Agentur auch für private Feiern buchen. Ist das Strippen auf der Bühne leichter, da die Distanz zum Publikum eine größere ist?
Das ist eine gute Frage. Ich sage mal so: Auf der Bühne steht man voll im Rampenlicht, die Erwartungen sind hoch. Daher will man alles geben. Das pusht einen natürlich noch ausdrucksstärker zu performen, als wenn man nachmittags fünf Mädels am Wohnzimmertisch sitzen hat. Auch wenn ich diese privaten Shows mag und diese immer sehr lustig sind, denke ich, dass man sich auf der Bühne schon etwas härter ins Zeug legt. Das direkte Feedback, was man dann von den vielen kreischenden Frauen bekommt, ist natürlich ein enormer Ansporn und motiviert mich zusätzlich.
Was war Ihr bisher kuriosester Auftritt?
Ich wurde einmal spontan angerufen, um für einen homosexuellen Chefarzt auf einer Intensivstation für Krebspatienten in Berlin zu tanzen. Er hatte Geburtstag. Man bat mich, mich als Patient auszugeben, dem gleich die erste Fusion für die Chemotherapie gelegt wird. Klingt makaber, hatte aber einen herzlichen Hintergrund. Die Kollegen wollten ihren Chefarzt, der die meiste Zeit des Tages mit traurigen Ereignissen konfrontiert wird, an seinem Geburtstag mit etwas Spaßigem ablenken. Als er den Zugang legen wollte, lösten wir gemeinsam die Situation auf. Der hat nicht schlecht geguckt, als ich von der Liege aufsprang, ihm alles Gute zum Geburtstag wünschte und meine Musik über eine Bluetooth-Lautsprecher-Box abspielte.