Die Diskussionen um den Finowkanal reißen nicht ab.  Welche Entwicklungs- und Marketingperspektiven es für die Wasserstraße gibt, darüber diskutierten die Mitglieder des Vereins „Unser Finowkanal“. Das Fazit: Es ist vieles möglich.
Rund 15 Gäste hatten sich in der ehemaligen Eberswalder Badeanstalt eingefunden, um die Perspektiven des Wassertourismus in der Region zu besprechen. Anlass bot eine kürzlich erschienene Studie im Auftrag der Wassertourismusinitiativen Nordbrandenburg (WIN) sowie der Potsdamer und Brandenburger Havelseen (WIR). Vereinsvorsitzender von „Unser Finowkanal“ Hartmut Ginnow-Merkert gab sich zuversichtlich. „Es gibt neue Hoffnung und neue Perspektiven für den Finowkanal“, betonte er.
In der Studie geht es um das Marktverhalten sowie die Zufriedenheit der Bootstouristen im Norden und Westen Brandenburgs. Dabei machte Referentin und Leiterin des WIN-Projektbüros, Julia Pollok, darauf aufmerksam, dass es seit 2009 keinerlei Untersuchung in der Region dazu gegeben habe. „Seither gab es aber erhebliche Veränderungen im Wassertourismus: Flöße und Bungalowboote kamen auf den Markt und die Digitalisierung hielt auch bei den Wassertouristen Einzug.“ Gut jeder fünfte Befragte war mittlerweile mit dem Floß oder Bungalowboot unterwegs, und die Wassertouristen sahen vor allem Verbesserungsbedarf bei der Netzabdeckung für mobiles Internet auf der Strecke sowie beim WLAN in den Häfen.
Auch bei Werbung und Informationen stieg die Bedeutung des Internets deutlich an: Mehr als die Hälfte der Kunden macht sich mithilfe dieses Mediums vor der Reise schlau. Zu anderen und ebenfalls wichtigen Entwicklungen gehört auch der deutlich erhöhte Anteil der Neukunden (von 7,5 auf 26,1 Prozent gestiegen), die Verjüngung der Kundschaft mit wachsender Rolle der unter 40-Jährigen und Familien sowie die wachsende Anzahl der Gäste von außerhalb Brandenburgs und Berlins. Darüber hinaus verdoppelte sich der Anteil der sogenannten Charterkunden, also derjenigen, die ein Boot mieten von 25 auf nunmehr 50 Prozent. Demnach liegen Bootseigentümer und -mieter gleichauf.
Die Erkenntnisse der Bootsurlauberbefragung stießen auf ein großes Interesse. Nach der Präsentation der Studie folgte eine rege Diskussion über die Chancen und Notwendigkeiten, die der Erhalt des Finowkanals mit sich bringt. Einig sind sich die Diskutanten darin, dass es künftig mehr Angebote für Familien, Kinder und junge Leute sowie Planungssicherheit und eine starke positive Botschaft nach Aaßen braucht.
„Es kann nicht sein, dass der Finowkanal dafür bekannt sein soll, dass ihm alle paar Jahre eine Schließung droht“, so der Inhaber der „Huckleberry Tours“, Ole Bemmann. Es brauche eine andere Rhetorik statt negativer Schlagzeilen. Dabei machte der Unternehmer darauf aufmerksam, dass auf dem Sommerfest der Landesregierung an der Huckleberry Floßstation beispielsweise ein Film über den Finowkanal auf großer Leinwand gezeigt wurde.
Außerdem brauche es dringend mehr Unterstützung seitens der Politik. „Alle staatlichen Ebenen, von der Stadt bis hin zum Bund müssen endlich ihre Verantwortung wahrnehmen“, erklärte Manfred Kulicke. Pollok widersprach dem Vorwurf und sagte, dass alle Seiten intensiv daran arbeiten, eine Lösung zu finden. Für viele Teilnehmer reichte der Aufwand aber nicht.
Uneinigkeit hingegen herrschte bei der Frage der künftigen Vermarktung des Kanals. Durch die Runde ging der Vorschlag, den Finowkanal künftig als „Finowtal“ zu vermarkten, da die meisten Touristen aufgrund der Naturerlebnisse kommen, was die Studie ebenfalls ergab. Diese Idee blieb unter einigen Teilnehmern aber umstritten.
Doch bei allen Differenzen, im Detail sei man sich doch einig: Der Finowkanal hat Zukunft. Am Ende war es eine der erfolgreichsten Diskussionen, ist Ginnow-Merkert überzeugt.