Investor Wilhelm Schomaker ist erleichtert. Obwohl die Fledermäuse, die seinem Bauvorhaben für Monate eine Zwangspause auferlegt haben, ihr Winterquartier längst verlassen haben, konnten die Arbeiten nur eingeschränkt beginnen. Das Zustandsgutachten, das für die Untere Denkmalbehörde in Auftrag gegeben wurde, bescheinigt, dass vom Schornstein, der wie Sudhaus und Darre unter Schutz gestellt wurde, erhebliches Gefahrenpotenzial ausgeht. Aus Sicherheitsgründen durfte im Umfeld des Schornsteins bislang nicht gearbeitet werden. Jede Erschütterung, sagt Klaus-Peter Schulz, könnte schwerwiegende Folgen haben. Seine Görlitzer Firma ist mit den Abrissarbeiten beauftragt und wird noch bis mindestens Ende Mai voll zu tun haben.
"Die Standsicherheit ist nicht gegeben. Daraus resultiert, dass zur Gefahrenabwehr einem teilweisen Rückbau zugestimmt wird", zitiert Kreissprecher Oliver Köhler die Entscheidung der Fachbehörde. Die liegt auch seit zehn Tagen Wilhelm Schomaker schriftlich vor. Damit steht der geplanten Teilsprengung des 30 Meter hohen Bauwerks nichts mehr im Wege. Die Vorbereitungen liegen gleichfalls in den Händen des Görlitzer Abrissunternehmens. "Wir werden die Sprengung nicht selbst vornehmen. Das macht ein erfahrener Sprengmeister aus Pirna. Am Montag wird er mit den Vorbereitungen beginnen", sagt Firmenchef Klaus-Peter Schulz. Der Experte aus Sachsen hat sich vor Ort bereits ein Bild gemacht. Es werde keine leichte Sprengung sein. Das Risiko könne er aber eingehen, so sein Urteil.
Die besondere Herausforderung besteht auch darin, dass sechs Meter des Schornsteins stehen bleiben sollen, so die Auflage der Denkmalbehörde. Am Montag soll deshalb der Sockel eingerüstet werden. Dann wird der Sprengmeister auch abhängig von der Statik entscheiden, welche Ladung wo anzulegen ist. Für die umliegenden Straßen - Teile der Wilhelmstraße, Friedrich-Engels-Straße und August-Bebel-Straße - gilt ab Dienstagabend ein Halteverbot.
Die Anwohner des Brauereigeländes werden von den Vorbereitungen und der Sprengung selbst vermutlich wenig mitbekommen. "Sie müssen nicht mal ihre Häuser verlassen", sagt Schulz. Die benachbarte Goethe-Schule hat aufgrund des Feiertags am Mittwoch und Freitag ohnehin unterrichtsfrei. Um 14 Uhr, so der bisherige Zeitplan, soll das Warnsignal zur Teilsprengung ertönen. "Eine Viertel- bis halbe Stunde später ist alles vorbei", so der Firmenchef.
Nach erfolgreicher Teilsprengung wird eine neue Wand errichtet, die den schützenswerten Zeitzeugen Darre und Sudhaus Standsicherheit bringen soll. Beide Bauwerke werden wie der restliche Schornstein auch in das künftige Einkaufszentrum integriert. Dann kann es mit der Baufeldvorbereitung weitergehen. Dazu wird ein Teil der Abrisssteine als Material für die neue Bodenplatte eingearbeitet.