Es gibt viele Möglichkeiten, Menschen zu manipulieren. Fake News, Propaganda, Lügen als Wahrheiten präsentieren – die Methoden sind vielleicht unterschiedlich, das Ziel das Gleiche: die Abschaffung unserer Demokratie. Ein Theater-Stück, welches an der Johann-Wolfgang-von-Goethe-Schule in Eberswalde für Schüler der zehnten Klassen zu sehen war, zeigte eindrücklich die Mechanismen von Demagogie und Populismus auf.
In „Paradies auf Erden“, so der Titel des Stückes, werden aktuelle und grundsätzliche Fragen verhandelt. Ein junger Mann, gespielt von Falk Engelhardt, erzählt in einem Monolog davon, wie er sich vor ein paar Jahren in der Jugendorganisation einer Partei engagierte, und dabei immer mehr Fragen und Zweifel an der Richtigkeit seines Tuns in ihm aufkommen. Dieser Monolog wirkt auf den ersten Blick stimmig und nachvollziehbar. Erst als dieser Text später noch einmal wiederholt wird und mit Pausen wie bei einem Standbild eines Filmes versehen wird, wird den Zuschauenden bewusst, wie leicht Manipulation und Beeinflussung möglich sind. Die Kraft der Verführung, von Charisma und Schein, wurde sichtbar.
Alina Abgarjan im Theaterstück "Paradies auf Erden". Das Stück befasst sich mit dem Thema Demokratie und wurde vor Schülern der zehnten Klassen der Goethe-Schule aufgeführt.
Alina Abgarjan im Theaterstück "Paradies auf Erden". Das Stück befasst sich mit dem Thema Demokratie und wurde vor Schülern der zehnten Klassen der Goethe-Schule aufgeführt.
© Foto: Stephan Backert
Ihr klarer, durchdringender Gesang, unterlegt von nervöser Musik, vermittelt einen tranceartigen Zustand. Alina Abgarjan spielt eine junge Frau, die in einer langen und beklemmenden Monolog ausführt, dass nur Krieg und Diktatur die einzigen Triebkräfte der Menschheit seien. Es ist ziemlich harter Tobak, mit dem die Schüler der zehnten Klassen der Goethe-Schule sich an diesem Montag vormittag auseinandersetzen.

Kunst als Mittel, um sich für Demokratie einzusetzen

Das Stück ist eine Produktion der Künstlerischen Demokratiekampagne. Der Schauspieler Thomas Darchinger (unter anderem Tatort, Polizeiruf 110, Die Rosenheim Cops) ist Initiator dieser Kampagne, spielt in diesem Stück auch mit und führt gleichzeitig die Regie. Die Musik stammt von Konstantin Wecker und Alina Abgarjan. Für das Stück wurden eigene Texte geschrieben, aber auch Gespräche, Videos, Sprachaufnahmen und Schriften vieler Opfer und Täter von Diktaturen verwendet. Darunter sind Zitate aus „Spätes Tagebuch“ vom Holocaust-Überlebenden Max Mannheimer.
„Erinnern – fühlen – verstehen – handeln“, unter diesem Motto steht das Theater-Stück. Demokratien seien bewusst verwundbare Wesen, so die Macher des Stückes. Offenheit, Respekt und Transparenz seien keine verhandelbaren Werte dieser Gesellschaftsform.
Falk Engelhardt und Alina Abgarjan im Stück "Paradies auf Erden".
Falk Engelhardt und Alina Abgarjan im Stück "Paradies auf Erden".
© Foto: Stephan Backert

Für das Richtige entscheiden

Schulleiter Uwe-Karsten Volkmann bedauerte im Gespräch mit der MOZ, dass er aus Zeitgründen nicht das ganze Stück sehen kann. „Hier geht es darum, dass die Schüler nicht irgendwelchen Demagogen auf den Leim gehen. Es geht um Nachhaltigkeit und nicht um den Moment, den man wegzappen kann, weil einem das Programm nicht gefällt. Es geht darum, dass Schüler erkennen können, wer sie hinters Licht führen will. Die Schüler sollten das in Erinnerung behalten, um sich in wichtigen, entscheidenden Momenten für das Richtige zu entscheiden.“
Die Künstlerische Demokratiekampagne umschreibt ihre Zielsetzung mit folgenden Worten: „Wir haben das Ziel, bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen ein Bewusstsein für unsere Werte zu schaffen, sie zu aktivem Engagement in der Gesellschaft zu motivieren. Unsere Mittel sind keine pädagogischen, sondern künstlerische. Wir möchten nicht belehren, wir wollen gemeinsam erleben. Für den pädagogischen Bereich haben wir assoziierte Partner, die in diesem Bereich Experten sind. Wir setzen auf das Erfühlen und Erleben durch höchste künstlerische Qualität und moderne und innovative Formen.“ Auf jeden Fall war es ein spannender und intensiver Vormittag für die Schülerinnen und Schüler der zehnten Klasse an der Goethe-Schule in Eberswalde.