Vor dem Hauseingang an der Robert-Koch-Straße 34 stehen frische Blumen in Vasen. Auf beiliegenden Karten wird Trauer und Anteilnahme ausgedrückt. Das Tödungsdelikt vom 12. Oktober hat für die Anwohner im Leibnizviertel nichts von seinem Schrecken und von seiner Grausamkeit verloren.
Für die drei Freudinnen Tatjana Zank, Yvonne Canales de Nadal und Mamenca Canales de Nadal ist es wichtig, dem Gefühl des Verlustes und der Ohnmacht eine Aktivtität entgegenzusetzen, die wenigstens den Hinterbliebenen der auf so brutale Weise ums Leben gekommenen 39-Jährigen aus der Ukraine hilft. „Wir wollten einfach nicht mehr tatenlos zusehen“, sagt Mamenca Canales de Nadal.

Schon 143 Spender zur Hilfe bereit

Das Trio hat über den Internet-Zahlungsdienst Paypal eine Spendenaktion initiiert, bei der mindestens 5000 Euro zusammenkommen sollen. Mit Stand vom 24. Oktober, 15 Uhr, haben sich bereits 143 Geldgeber beteiligt und gemeinsam 3395 Euro gesammelt.
Die Getötete sei eine starke Frau gewesen, die mitten im Leben gestanden und noch viele Pläne geschmiedet habe, sagt Mamenca Canales de Nadal, die vor zehn Jahren aus Barcelona nach Deutschland kam und seit fünf Jahren in Eberswalde zu Hause ist. Ihre Tochter Charlotte (8) habe mit den beiden Kindern von Alia M., einem sechs Jahre alten Mädchen und einem acht Jahre alten Jungen, gern und oft gespielt. „Für mich war Alia anfangs eine flüchtige Bekannte, der ich ab und zu auf der Straße begegnet bin“, blickt die Mama von Charlotte zurück. Doch durch die Kinder und gemeinsame Unternehmungen sei bald eine tiefe Freundschaft daraus geworden. Seit mehr als einem Jahr sei der Kontakt schließlich richtig eng gewesen, berichtet Mamenca Canales de Nadal.

Erlös soll Hinterbliebenden zugute kommen

Die Ukrainerin habe seit etwa zehn Jahren in Eberswalde gelebt und sei alleinerziehend gewesen, fügt die gute Freundin hinzu. Gerade habe sie ihren Führerschein gemacht und sich ein Auto gekauft. Letzteres habe not getan, weil jetzt auch ihre Tochter eingeschult worden sei. Zudem habe sie eine neue Arbeit gefunden, in der sich richtig aufgegangen sei. „Alia hat sich beruflich um Kriegsflüchtlinge aus ihrem Heimatland kümmern dürfen“, sagt Mamenca Canales de Nadal.
Zeichen der Anteilnahme: Frische Blumen stehen in Vasen am Hauseingang in der Robert-Koch-Straße 34 in Eberswalde.
Zeichen der Anteilnahme: Frische Blumen stehen in Vasen am Hauseingang in der Robert-Koch-Straße 34 in Eberswalde.
© Foto: Sven Klamann
Der Erlös der Spendensammlung sei für die Familie der Getöteten bestimmt. Den Freundinnen sei es gelungen, den Kontakt zu den Eltern von Alia herzustellen, die vermutlich ihr letztes Geld für einen Flug nach Berlin ausgegeben hätten, um ihrer Tochter nahe zu sein.
„Die beiden Kinder sind vermutlich in der Obhut des Jugendamtes“, erzählt Mamenca Canales de Nadal. Es sei nur zu hoffen, dass es dem Mädchen und dem Jungen den Umständen entsprechend gut gehe. „Meine Freundinnen und ich haben seit dem unfassbar brutalen Geschehen nichts mehr von Alias Kleinen gehört“, sagt die besorgte Mama von Charlotte.
Der Mann, dem das Tötungsdelikt zur Last gelegt wird, sei im Leibnizviertel für seine Ausraster berüchtigt gewesen, blickt Mamenca Canales de Nadal zurück. Die Staatsanwaltschaft in Frankfurt (Oder) hält einen 39  Jahre alten Mann aus Albanien, der strafrechtlich bis dahin nicht in Erscheinung getreten war, für den Täter. Noch gebe es keine für die Öffentlichkeit relevanten neuen Erkenntnisse zum Tathergang, heißt es bei der Ermittlungsbehörde.

Verdacht wird zur traurigen Gewissheit

Von dem Tod der engen Freundin habe sie durch Nachbarn erfahren müssen, sagt Mamenca Canales de Nadal. Sie habe am Vormittag des 12. Oktober viele Polizeiautos und Rettungswagen vor dem Wohnblock an der Robert-Koch-Straße 34 stehen sehen. Auf die Frage, was in Gottes Namen da denn Schreckliches geschehen sei, wurde ihr gesagt, dass eine Frau eines gewaltsamen Todes gestorben sei, die aus der Ukraine stamme. „Schnell wurde aus unserem schlimmen Verdacht traurige Gewissheit“, bedauert die Freundin.
Der Erlös der Spendenaktion soll nach der Ansicht von Tatjana Zank, Yvonne Canales de Nadal und Mamenca Canales de Nadal der Familie der Getöteten für die Rückflüge, die Beerdigung und auch für die Versorgung der Kinder verwendet werden. „Jeder Euro zählt“, hebt die Mama von Charlotte hervor.
Dass Alia dazwischen gehen wollte, als der Albaner seine Frau verprügelt habe, passe zu ihr. „Es ist unglaublich traurig, dass sie ihre Zivilcourage mit dem Leben bezahlen musste“, sagt Mamenca Canales de Nadal.