Neue Fenster, mal neue Türen, mal neue Duschen - die Verbesserungen am Althüttendorfer Flüchtlingsheim waren in der Vergangenheit eher kosmetischer Art. Jahrelang stand das Heim wegen seines Standortes und der Bausubstanz in der Kritik. Die Anlage, die zu DDR-Zeiten als Ferienlager genutzt worden war und überwiegend aus Bungalows besteht, stammt je nach Quelle aus den 30er- bis 50er-Jahren.
Im Sozialausschuss des Kreistages hat der Betreiber, die Human Care GmbH, am Dienstagabend seine Umbaupläne für die Übergangseinrichtung vorgestellt. Dass neben Regionalleiter Volker Bühring auch Geschäftsführer Holger Wollesen anreiste, dürfte die Absichten der bundesweit in 58 Einrichtungen tätigen Firma unterstreichen, das Heim auch nach dem mit dem Kreis Barnim festgelegten Vertragsende weiterzubetreiben. Allerdings: Ob Althüttendorf überhaupt am Netz bleibt, ist noch offen. Für fünf mögliche neue Übergangseinrichtungen sollen die Kommunen bis Mitte Februar Standort-Vorschläge einreichen. Über ihre Eignung entscheidet dann die Arbeitsgemeinschaft zur Unterbringung von Flüchtlingen.
Human-Care-Regionalchef Bühring warb nichtsdestotrotz fürs Althüttendorfer Heim. Die Wege zu Einkaufsmöglichkeiten, Ärzten, Kita, Schule sowie Bus und Bahn seien kurz. Die Größe des Heimes, das zur Zeit 91 Flüchtlinge und Asylbewerber beherbergt, sei sinnvoll. Den größten Vorteil aber sieht Bühring in der Akzeptanz des Heimes bei den Bewohnern der Region. "Eine umfangreiche Sanierung lohnt sich", erklärte er. Sören-Hauke Stockmann, Geschäftsführer der Firma Elbe Bau, stellte Umbauvarianten vor. Temporäre Verbesserungen wie das Aufstellen von Sanitärcontainern und Vordächern, die auf den Betrieb von ein bis zwei Jahren ausgelegt sind, wären dabei offenbar in jedem Fall Voraussetzung. Massivbauten oder Containeranlagen sollen das Sammelsurium an Gebäuden ersetzen, jeweils entweder in Form von zwei Eingeschossern für je 50 Personen oder einem Zweigeschosser für 100 Menschen. Favorisiert werde der zweigeschossige Massivbau, der nach knapp 17 Monate Bauzeit stehen könnte. Als Nachnutzung sei der Umbau zu Sozialwohnungen denkbar.
Auf ungeteilte Zustimmung stießen die Betreiber mit ihren Plänen nicht. "Für mich ist deutlich geworden, dass wir hier über ungelegte Eier reden", sagte Stefan Böhmer (Bündnis 90/Grüne). "Mich stört, dass wir noch zwei Jahre mit dem Zustand leben müssen." Alexander Horn von den Linken freut sich zwar, dass sich endlich etwas tut. Er argwöhnte aber auch, dass der Betreiber vertraglich auf den Umbau festgenagelt werden muss.
"Soweit sind wir noch nicht", sagte Barnims Sozialdezernentin Silvia Ulonska. Ein neues Unterbringungskonzept beschließt der Kreistag frühestens im Mai. Der Arbeitsgruppe, die am 18. Februar tagt, wird wahrscheinlich noch ein weiterer Standort ganz in der Nähe vorgeschlagen. Für die Stadt Joachimsthal ist der Träger EJF noch in Verhandlungen über die ehemalige Ferienanlage am Grimnitzsee, die der Stadt Leipzig gehört.(Seite 14)