Der Sommer nimmt Abschied, die Tage mit extremer Hitze sind gezählt. Wer über den Wochenmarkt läuft, gerät nicht mehr zwangsläufig in Gefahr, einen Sonnenstich zu erleiden. Die Schattenplätze auf dem Areal zwischen Rathaus und Kreisverwaltung sind rar. Das wird vermutlich auch so bleiben, obwohl aus der Einwohnerschaft immer wieder einmal der Wunsch nach weiteren Baumpflanzungen geäußert wird.
Zwar hat es im Ausschuss für Stadtentwicklung, Wohnen und Umwelt keine Abstimmung darüber gegeben. Doch bereits die Diskussion ließ erkennen, dass die Volksvertreter der Empfehlung aus dem Baudezernat folgen, zusätzliches Grün auf dem Markt nicht zuzulassen.
„Die Schwierigkeiten beginnen schon mit der Standortsuche“, hat Heike Köhler, Leiterin des Tiefbauamtes, im Ausschuss gesagt. Das liege daran, dass der Marktplatz vielen unterschiedlichen Nutzungsanforderungen genügen müsse.

Rathaus bangt um Sichtachse

Benötigt würden unter anderem Verweilgelegenheiten, Veranstaltungsflächen, Standplätze für den Wochenmarkt und für mobile Bühnen sowie Landemöglichkeiten für den Rettungshubschrauber. „Auch wäre es schade, wenn die Sichtachse zwischen dem Paul-Wunderlich-Haus und dem Rathaus verloren ginge“, betonte die Amtsleiterin. Vor allem aber seien die unterirdischen Versorgungsleitungen zu beachten. Im Ergebnis der intensiven Prüfungen böten sich nur zwei Standorte an, um Bäume zu pflanzen – und zwar ziemlich mittig auf dem Markt. Wenn überhaupt, dann sollten Platanen hinzukommen.

Baudezernat gegen weitere Bäume

Derzeit gibt es auf dem Markt eine Linde und 40 Platanen, die ein grünes Dach bilden. Das zusätzliche Grün würde die Stadt etwa 30.000 Euro kosten. Doch nicht das Geld schreckt die Mitarbeiter aus dem Baudezernat ab. „Wir sprechen uns gegen eine weitere Bepflanzung aus, um die vielseitigen Nutzungsansprüche und die großzügigen Verwendungsmöglichkeiten weiterhin zu erhalten“, stellte Heike Köhler im Ausschuss klar.
In der sich anschließenden Diskussion gab es überwiegend Beifall für die Position aus dem Baudezernat.
Der von SPD/BfE berufene sachkundige Einwohner Ricardo Sandow merkte an, dass zusätzliche Bäume das gesamte Ensemble bloß stören würden. „Der Marktplatz ist in erster Linie ein Treffpunkt für die Bürger“, hob er hervor. Wichtiger als die Debatte über das Stadtgrün an dieser Stelle sei es, endlich gegen die Verkehrsteilnehmer vorzugehen, die vor allem an den Wochenenden über den Marktplatz fahren und dort parken würden. „Da wäre der Einbau versenkbarer Poller ratsam“, sagte Ricardo Sandow.

Nicht alle Argumente stichhaltig

Hingegen erklärte Andreas Reichling, von Bündnis 90/Die Grünen berufener sachkundiger Einwohner, dass zumindest einige der Argumente aus dem Baudezernat nicht stichhaltig seien. „Gerade, was die Sichtachse betrifft, lässt sich viel mit dem Lichtraumprofil machen“, sagte er, um dann vorzuschlagen, sich für zwei Linden zu entscheiden.
Für Karen Oehler, die Fraktionsvorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen, stand hingegen fest, dass die möglichen Baumpflanzungen „keine wesentliche Verbesserungen“ mit sich bringen würden und deshalb verzichtbar seien.

Verweis auf Dresden

Auf den Altmarkt und den Neumarkt von Dresden verwies Uwe Grohs, Vorsitzender der CDU-Fraktion. „Da gibt es keinen einzigen Baum – und die Plätze leben“, sagte er. Die 40 Platanen und die eine Linde seien eine ausreichende Begrünung für den Eberswalder Marktplatz.
Unumstritten sind indes Umbauarbeiten, die Ende Oktober beginnen und Mitte November beendet werden sollen. Vorgesehen ist der Austausch der vier wartungsintensiven Senkelektranten, die den Markt mit Strom versorgen. Jährlich hat es etwa 10 000 Euro gekostet, sie funktionsfähig zu halten. Dennoch mussten bereits zwei dieser versenkbaren Unterflursysteme wegen massiver Wasserschäden stillgelegt werden. Sie durch drei oberirdische Energiepoller und einen Schaltschrank zu ersetzen, wird etwas mehr als 55. 000 Euro kosten. Zudem geht es darum, die Baumscheiben für die 40 Platanen zu vergrößern. Dafür sind etwa 12.000 Euro vorgesehen.