Zu kaufen gibt es an der Puschkinstraße 15 nichts mehr. Ein Coworking Space ist dort stattdessen entstanden. Ein Büro, das sich Gründer und Kreative teilen. Untermieter ist das Klimaschutzprojekt „Transition Thrive“, das dort gerade sein Hauptquartier einrichtet.
Mancher ist vielleicht schon durch die Lastenfahrräder auf sie aufmerksam geworden. Andere durch die Gemüsekisten. Anja Neumann und Ulrike Gatz sind seit Oktober „Transition Thrive“, sie sind der Wachstumsschub. Beziehungsweise sie wollen Eberswalde und den Eberswaldern in Sachen Klimaschutz zu selbigem verhelfen.
Zugegebenermaßen sei der englische Projekttitel nicht unbedingt massentauglich, gesteht Anja Neumann. Er fuße auf der internationalen Transition-Town-Bewegung, die ihren Ursprung in England hat. „Eberswalde ist Teil eines Größeren“, begründet sie die Wahl des Namens. In Deutschland seien bereits etliche „Transition Towns“ entstanden. Zumeist in Großstädten. „Und obwohl Eberswalde eine kleine Stadt ist, gibt es hier schon viele Ansätze“, findet die Projektmitarbeiterin. Der Verein Hebewerk und die Initiative Wandelbar hatten 2017 beim Bundesumweltministerium einen Fördermittelantrag für das Klimaschutzprojekt gestellt. Er wurde bewilligt. Und seither stehen Neumann und Gatz im Dienste von „Transition Thrive“.
Anfangs hatten die Zwei ihr Büro in der Breiten Straße. Eine Übergangslösung, wie sie sagen. „Unser Ziel war immer ein ,Geschäft’ im Zentrum. Mit großem Schaufenster. Klimaschutz der kurzen Wege eben.“ Sehen und gesehen werden. Dank der Puschkinstraße sei dies möglich. Obgleich erst seit wenigen Tagen am Standort und noch am Einrichten, stellt Anja Neumann bereits fest: „Etliche Passanten halten neugierig bei uns an. Schauen durchs Schaufenster.“
Klimaschutz, so sagt die Eberswalderin, ist eine „so riesige Herausforderung“. Mit dem Projekt, das über zwei Jahre läuft, wollen die Akteure zeigen und erlebbar machen, „dass Klimaschutz auch im Kleinen möglich ist – von unten eben“. Und an vielen Orten in Eberswalde bereits praktiziert wird. Ob im privaten Haushalt, in der Schule oder im großen Unternehmen. „Wir sehen unsere Aufgabe darin, Netzwerke aufzubauen, die Akteure in Kontakt zu bringen, Verbindungen zu schaffen.“ Mitunter, so Neumanns und Gatz’ Erfahrung, wissen die unterschiedlichen Akteure gar nichts voneinander. Da gebe es etwa Initiativen von Studenten der HNE, dort Bemühungen durch Firmen. Die Stadt wiederum hat ein eigenes Klimaschutzkonzept.
Für einen guten Ansatz halten die zwei jungen Frauen die „Essbare Stadt“, wo beispielsweise der Verein Alnus und die städtische Wohnungsgesellschaft WHG kooperieren und Grünflächen gestalten, etwa im Brandenburgischen Viertel. Diese fruchtbare Zusammenarbeit soll ausgebaut werden, soll Schule machen. Ebenso wie das Repair-Café, das sich wachsender Beliebtheit erfreut.
Und Neumann nennt weitere konkrete Ziele. Nach dem Start der ersten Lastenfahrräder sollen zehn zusätzliche Exemplare in Eberswalde „ausleihbar gemacht werden“. Ob im Zoo, im Familiengarten, für ein einzelnes Geschäft. „Egal, wir sind bei der Umsetzung oder beim Bau behilflich“, bieten die Koordinatoren Unterstützung an. Stärker bekannt machen wollen die Zwei zudem die Idee der „Solidarischen Landwirtschaft“, ein Prinzip, nach dem Friedemann und Gabi Wolf ihren Hof in Ziethen und Buckow bewirtschaften. Die Ernte, die Gemüsekisten werden im Projektbüro ausgegeben. „Wir wollen bis Sommer 2019 50 Teilnehmer gewinnen“, sagt Neumann. Aktuell seien es 20 Abnehmer.
Um auf sich aufmerksam zu machen, werde sich das Projekt auch weiterhin auf Veranstaltungen präsentieren, etwa zum Tag der Sortenvielfalt im Forstbotanischen Garten am 13. Mai, kündigt Neumann schon mal an.
Öffnungszeiten Büro: Mo/Mi 10 – 14 Uhr, Do 16.30 – 18.30 Uhr; www.hebewerk-eberswalde.de