Ein gewagtes Überholmanöver ist offenbar der Grund für den tragischen Motorrad-Unfall am Wochenende auf der L200 bei Melchow (Barnim), bei dem zwei Biker tödlich verunglückten.
Nach ersten Erkenntnissen der Polizei hatte ein 36 Jahre alter Mann, der mit seiner Kawasaki auf der L200 in Richtung Eberswalde unterwegs war, bei Melchow mehrere vor ihm fahrende Fahrzeuge überholt. Dabei verschätzte er sich womöglich und prallte frontal mit einer entgegenkommenden Honda zusammen. Für ihn und den 60-jährigen Honda-Fahrer, beide aus Berlin, kam jede Hilfe zu spät. Sie verstarben noch an der Unfallstelle. Die 54-jährige Mitfahrerin des 60-jährigen, ebenfalls aus Berlin, musste mit schweren Verletzungen ins Krankenhaus eingeliefert werden.

Vierter tödlicher Motorradunfall 2020

Im Landkreis Barnim hat sich die Zahl der tödlichen Motorrad-Unfälle für die laufende Biker-Saison damit auf vier erhöht. Schon jetzt sind es zwei mehr als 2019. Vor zwei Jahren waren es drei Motorradfahrer, die in Folge von Verkehrsunfällen im Barnim ums Leben gekommen sind.
Was die Gesamtzahl an Unfällen mit Motorrad-Beteiligung angeht, bewegt man sich nach Polizeiangaben bislang auf dem Niveau der Vorjahre. Die genauen Zahlen für 2020 werden erst im nächsten Jahr zur Verkündung der Verkehrsunfallstatistik veröffentlicht. 2019 ereigneten sich im Barnim 137 Unfälle, an denen Biker beteiligt waren. 2018 hatte es kreisweit 134 Motorrad-Unfälle gegeben.

Polizei: zu hohe Geschwindigkeit Hauptursache

Zu den Hauptursachen für die Unfälle zählen zu hohe Geschwindigkeit oder zu geringe Abstände zum vorausfahrenden Fahrzeug, teilt Hauptkommissarin Bärbel Cotte-Weiß von der Pressestelle der Polizei mit.
Der erste tödliche Motorrad-­Unfall im Barnim in diesem Jahr datiert aus dem April, als ein 23-Jähriger bei Joachimsthal (Schorfheide) von der Fahrbahn abkam und gegen einen Baum prallte. Erst vor wenigen Tagen, Ende September, kam es zu einem weiteren tragischen Krad-Unfall bei Zerpenschleuse. Dabei war ein 43-jähriger Mann bei einem riskanten Überholmanöver an einer Kreuzung auf der B109 mit einem Auto kollidiert und hatte sich tödliche Verletzungen zugezogen.

Barnim als beliebtes Ziel für Berliner Biker

Der Barnim ist besonders bei Berlinern für Motorrad-Ausflüge beliebt. Auch die Polizei hat das auf dem Schirm. Auf den angesagten Biker-Strecken am Werbellinsee und kurz vor Liepe sind in den vergangenen Jahren mehrfach Kontrollen durchgeführt und auch Gespräche mit Motorradfahrern geführt worden, um auf Unfallschwerpunkte hinzuweisen. „Diese Initiative der Polizei wurde gut angenommen“, betont Hauptkommissarin Bärbel Cotte-Weiß. Die Motorradfahrer hätten mit viel Verständnis reagiert und standen den Anregungen der Polizei positiv gegenüber.
Dennoch kommt es immer wieder zu tödlichen Unfällen, wie nun der tragische Crash in Melchow zeigt.