Höchstens zwei Drittel aller Züge auf der für Berlin-Pendler wichtigen RE 3-Strecke fahren pünktlich. Zu diesem Ergebnis kommt eine April-Analyse des Verkehrsverbunds Berlin-Brandenburg (VBB). Ursache sind Probleme bei der Zugfolge und Einschränkungen durch Bauprojekte. „Das muss nicht sein“, ärgert sich VBB-Geschäftsführer Hans-Werner Franz. Bei rechtzeitiger und genauer Planung könnten die Züge deutlich pünktlicher fahren. Er kritisiert vor allem den Stellenabbau beim Bahnunternehmen DB Netz. Ebenso gebe es zu viele Langsamfahrstellen und zu wenig Wartung. „Es wird grundsätzlich zu wenig auf die Infrastruktur geachtet“, so Franz auf der VBB-Regionalkonferenz in Angermünde.
Auf der stark frequentierten Strecke zwischen der Hauptstadt und dem Norden Brandenburgs kritisieren Fahrgäste immer stärker den alten Fuhrpark. Der stammt häufig noch aus DDR-Produktion. Pendler können ein Lied von anauernd überfüllten Zügen singen. Und im Sommer fehlt es auch noch an Plätzen für Fahrräder. Vermutlich bis 2014 müssen genervte Bahnfahrer noch mit diesem Zustand leben. Dann erst könnte unter Umständen ein neuer Betreiber die Bahnstrecke bedienen.
Zurzeit läuft das Ausschreibungsverfahren. Ende des Jahres soll der Zuschlag erteilt werden. Bedingung: Neue Fahrzeuge, mehr Barrierefreiheit, Video-Überwachung in den Zügen, mehr Steckdosen und zusätzliche Kapazitäten für Radfahrer. Außerdem soll es im Sommer dann 60 zusätzlich Sitzplätze geben. Nach aktuellen Verhandlungen mit DB Regio könnten schon ab 2012 Ersatzfahrzeuge auf der Strecke rollen, die anderswo umgesetzt werden. Doch klare Aussagen dazu bestehen nicht.
Der Landkreis Uckermark verlangt außerdem die Wiedereinführung des früheren Stundentaktes zwischen Prenzlau und Berlin. Denn die Kreisstadt ist momentan durch einen Pendelzug der ODEG bis Angermünde bzw. Eberswalde mit dem südlichen Schienennetz verbunden. Aus den Städten Angermünde und Schwedt kommt die Forderung nach einer Spätverbindung aus Berlin zurück in die Uckermark, die sich vor allem an Kulturinteressierte richtet.
Als ein Angebot, das völlig am Kunden vorbeigeht, wird der gerade erst eingeführte ICE von München an die Ostseeküste bewertet. „Keine konzeptionelle Einbindung“, so das Urteil von Hans-Werner Franz nach den ersten Wochen. „Welcher Urlauber fährt denn abends erst los, um nachts an der Ostsee zu sein?“ In Bernau und Prenzlau hält der ICE überhaupt nicht. Dafür hatte die Bahn gleich drei IC-Verbindungen auf der Strecke gestrichen.
Zuwachs bei Fahrgästen verzeichnet die RE 3-Strecke durch den Tourismus. Dafür sorgen nicht nur bessere Bus-Anbindungen an vielen Bahnhöfen im Barnim und der Uckermark, sondern auch Sonderaktionen wie „48 Stunden Werbellinsee“ am vergangenen Wochenende. Resultat: 1000 Fahrgäste in zwei Tagen. Vor allem ältere Bahnkunden nehmen hier vermehrt das begehrte VBB-Abo 65plus in Anspruch. Für 47 Euro fahren sie so durch ganz Brandenburg, egal wohin. Hier gibt es die stärksten Zuwachsraten im Verkauf.
Von einer schwierigen Finanzierung des Öffentlichen Personennahverkehrs sprechen die Barnimer Busgesellschaft und die Uckermärkische Verkehrsgesellschaft.
Deren Geschäftsführer berichten von geringeren Landeszuweisungen, konstanten Kreismitteln und steigenden Leistungen. Die Inflation werde von der Tarifanpassung nicht ausgeglichen, so die Geschäftsleitung des Barnimer Unternehmens. Man lebe daher von der Substanz.
l Durch die Inbetriebnahme des Flughafens Berlin-Brandenburg International am 3. Juni 2012 wird die Linie RB 24 Eberswalde-BBI-Wünsdorf im Stundentakt verkehren.
l Der Pendelzug der ODEG auf der RE 3-Strecke zwischen Prenzlau und Eberswalde als Ersatz für die ausgefallenen IC-Verbindungen bleibt vorerst erhalten.
l Bis Ende 2011 bleiben die Direktfahrten der Niederbarnimer Eisenbahn auf der Strecke Basdorf- Gesundbrunnen erhalten (sechs Zugpaare zusätzlich von Montag bis Freitag).
l Auf der Linie RB 66 zwischen Angermünde und Stettin soll ein zusätzlicher Zug für eine bessere Taktfolge eingesetzt werden.
l Auf dem Bahnhof Bernau wird die Modernisierung bis 2012 fortgesetzt. Eine Behelfsfußgängerbrücke ist dort eingerichtet.
l Saniert wird ebenso der Bahnhof Prenzlau. Hier ist nicht mit Verkehrseinschränkungen zu rechnen.
l Einschränkungen durch Baumaßnahmen gibt es ab September 2012 auf der Strecke Oranienburg-Neustrelitz.
l Zurzeit laufen Erhebungen des VBB an Bahnhöfen über bessere Verknüpfungen zwischen Bahn- und Busverbindungen.