Vorsicht, die Decke hängt tief. An manchen Stellen müssen schon 1,80 Meter große Menschen den Kopf einziehen. Flach, aber doch weitläufig sind die Gewölbe unter dem Schloss. Von einem großen Mittelraum gehen links und rechts jeweils zwei Nebenräume ab. "Die Aufteilung der Räumlichkeiten vollzieht sich genauso auch über die drei oberen Etagen", sagt Dietrich Bester. Das heißt nicht viel weniger, als dass der Keller den Blick in eine seit 450 Jahren vergangene Zeit zulässt. In den Jahren 1565 bis 1567 ließ die Adelsfamilie von Sparr das Herrenhaus errichten.
Als langjähriger Ortsvorsteher hatte Bester bis vor fünf Jahren auch hier Schlüsselgewalt. Heute schließt uns Matthias Barsch auf. Der Mann, der die Jugendarbeit der Gemeinde Schorfheide lenkt, hat im Erdgeschoss sein Büro und ist einer von aktuell mehreren Schlossherren. Einige Vereine haben in dem Gebäude, in dem die Gemeinde Schorfheide auch ein Trauzimmer eingerichtet hat, ihr Zuhause.
Den Keller betritt selten jemand. Barsch bewahrt aber oben einige Feierabendsteine auf, die im Untergeschoss gefunden wurden und aus der Zeit des Baus stammen müssen. "So nannte man die letzten Steine des Tages", erklärt er. Wie damals üblich, verzierten die Arbeiter diese Ziegelsteine mit Tierpfoten, zum Beispiel von Hunden oder Katzen. "Die Ziegel waren ja selbst gebrannt", sagt Matthias Barsch. Wenn die Wandnischen im Treppenhaus mal gestaltet werden, will er die Feierabendziegel dort gern ausstellen.
Ein System von Gräben oder Rinnen durchzieht im Keller den mit Ziegel- und Feldsteinen gepflasterten Boden. "Damit wurde die ganze Schlossanlage entwässert", weiß Dietrich Bester. Nicht erst aus seinen Amtszeiten kennt er die Räume. "Wir haben als Kinder hier drin gespielt", erzählt der 64-Jährige. Die Kellerluken dienten als Rutsche. Licht machten sich die Kinder mit Kerzen.
Bester, Sohn einer alteingesessenen Lichterfelder Familie und profunder Kenner der Ortsgeschichte, besuchte sowohl den Kindergarten als auch die Schule, die das Schloss zu DDR-Zeiten beherbergte. Eine alte Frau heizte die Öfen. "In der Pause mussten die größeren Schüler Kohle holen. Drei Kiepen jeder." Außer der Kohle lagerte man damals auch Kartoffeln im Keller.
Aufgeräumt wurde erst viel später wieder. "Wir haben hier 2005 mit ABM-Kräften ungeheure Mengen Schutt herausgeholt", erzählt Dietrich Bester weiter. Gesäubert wurde auch der kleinere von zwei nebeneinanderliegenden Brunnen, die circa dreieinhalb Meter tief und mit Wasser gefüllt sind.
Schätze fanden die Arbeiter dabei nicht. Kein Wunder. Nach dem Zweiten Weltkrieg soll das Schloss umfassend geplündert worden sein. Geheimnisse birgt der Keller aber nach wie vor. Dietrich Bester leuchtet mit der Taschenlampe in ein verwinkeltes Ende. Es handele sich, sagt er, um einen Irrgang, der zugleich der sogenannte Judenkeller sein könnte, von dem eine Ortschronik berichtet. In dem Verlies hielt man demnach über Jahre zwei Juden gefangen.
Wann, ist unbekannt. Entstanden sein könnte es mit dem Anbau des Treppenhauses an der Vorderfront. Denn auch das ist ein Mysterium des Schlosses: Gebaut worden sein soll es zunächst ohne Treppen. Ein von Hand betriebener Aufgang soll den Zugang zu den oberen Etagen ermöglicht haben.
Dietrich Bester hat noch eine heiße Spur. Im Keller gibt es auch einen Gang, der wohl nach 1945 zugemauert wurde und der Hunderte Meter bis zum Weinkeller und Weinberg des Schlosses geführt haben soll. Wir folgen Bester in dieser Richtung um das Schloss herum, über die Straße und durch den neu gestalteten Schlosspark. So fällt der Blick auf die heutige Schule. "Dort war früher der Weinberg", berichtet der Lichterfelder. Vor etwa 300 oder auch 400 Jahren sei dort Wein angebaut worden.
In Nachbarschaft der Schule haben an der Oderberger Straße Monika (76) und Klaus Krebs (79) ihr Wohnhaus. Über 22 Stufen steigen wir dort noch einmal in einen sehr tiefen Keller hinab: Das andere Ende des Tunnels. "Vor 30 Jahren habe ich mal angefangen, in Richtung Park auszuschachten", erzählt Klaus Krebs. Nach zwei Tagen habe er die Suche nach dem verborgenen Zugang zum Schloss aufgegeben. Der Boden war zu hart.
Wo genau die Verbindung zwischen Schloss und Weinberg entlangführt, hat noch nicht einmal Dietrich Bester ausfindig gemacht. Einmal nur in den 60er-Jahren war etwas davon zu erahnen. An einer Stelle im Schlosspark war ein Teil des Bauwerks eingestürzt. "Man konnte den gemauerten Gang deutlich erkennen", erinnert sich Bester. Das Loch sei dann zugeschüttet worden.

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