Lucas, Jennifer und Laura haben sich mit Schleifpapier ausgerüstet. "Diese Kanten müssen noch etwas bearbeitet werden", zeigt Marcel Klemm. Justin, Josy und Steven sind derweil mit dem Hammer zugange. Sie pflastern die kleine Fläche vor der Kompost-Toilette auf dem Gelände des Forsthauses am Schwappachweg. Andere Mitschüler ziehen unterdessen mit der Schubkarre los, um noch Material zu holen. Jeder der zwölf Schüler der Klasse 7b der Eberswalder Nordend-Schule packt mit an. Einschließlich Klassenlehrerin Gisela Zarutzki.
Für eine Woche haben die Siebtklässler die Klassenzimmer getauscht, sind ins Grüne gezogen. Das Projekt "Wald-Arbeitstage" ist Teil des Programms "Initiative Sekundarstufe", erklärt Karin Siegmund, Geschäftsführerin der Stiftung Waldwelten. Im vorigen Jahr hatte das Projekt Premiere. Im Frühjahr mit einer 7. Klasse, im Herbst folgte eine 8. Klasse. "Dies ist jetzt der dritte Durchgang", so die Klassenlehrerin, die die Idee sehr begrüßt. Die Resonanz der Schüler zeige, dass die Mädchen und Jungen mit Eifer und voller Freude dabei seien. Praktische Arbeit, die liege den Kindern und Jugendlichen. Und sie komme oft auch den Fähigkeiten der Schüler entgegen. Gleichzeitig dienen die Projekte natürlich der beruflichen Orientierung. "Die Schüler müssen sich ausprobieren", sagt Zarutzki.
So auch die Erfahrung von Karin Siegmund. Die Projekte bieten den Förderschülern - die Nordend-Schule hat den sonderpädagogischen Förderschwerpunkt "Lernen" - die Möglichkeit, die eigenen Stärken und Interessen zu entdecken. Vor allem erleben die Schüler körperliche Arbeit als etwas sehr Befriedigendes. "Die Teilnehmer sehen den Erfolg ihrer Arbeit und blicken stolz auf das Erreichte, das Geschaffene." Das mache den Wert des Programmes aus.
"Natürlich brauchen unsere Schüler Anleitung. Sie nehmen die Hinweise auf und packen an." Hoch motiviert. Für die fachliche Anleitung sorgt Umweltpädagoge Marcel Klemm. "Am ersten Tag, zum Auftakt, geht es immer erst mal in den Wald. Die Schüler sollen schließlich den Sinn der Projekte begreifen." Dann stehe Gruppenarbeit auf dem Plan. In zwei Bereichen: in der Forstwirtschaft sowie im Garten- und Landschaftsbau.
So werde beispielsweise die Komposttoilette, die 2016 auf dem Hof errichtet wurde, ergänzt und gewartet. Am Donnerstag stehe Landschaftspflege auf dem Plan. "Wir wollen Traubenkirschen roden. Eine invasive Art, die sonst überhandnimmt", wie Siegmund erklärt. Auch ein Besuch im Sägewerk des Landesbetriebs Forst sei noch vorgesehen.
Ja, ein wenig anstrengend sei die Arbeit schon, sagt Carolin, die fürs Harken eingeteilt ist. "Aber es macht auch Spaß", so die Siebtklässlerin. "Wir haben uns auch den Forstbotanischen Garten angeschaut." Richtig Freude hat ebenso Lukas. So könnte Schule immer sein, meint er. Ganz ungewöhnlich sei die Arbeit nicht. Er habe auch schon im Garten der Familie geholfen. "Bereits nach einem Tag waren die Schüler richtig stolz und fühlten sich drei Zentimeter größer", beschreibt die Klassenlehrerin einen positiven Effekt.
Die "Wald-Arbeitstage" seien einfach eine ideale Mischung, pflichtet ihr Karin Siegmund bei. Ein Projekt, von dem beide Seiten profitieren. Ähnlich wie bei der Initiative "Blickwinkel", bei der vor allem das Thema Inklusion im Mittelpunkt steht. An dem Sachkundeunterricht im Freien nehmen neben der Nordend-Schule, mit der die Waldwelten seit Längerem kooperieren, auch Schüler der Karl-Sellheim-Schule Eberswalde teil. Oder "Perspektive Natur", ein Programm für junge Erwachsene ohne Berufsausbildung, die beim Ausbau des Forstschreiberhauses helfen. "Ich bin selbst immer wieder ob der Ergebnisse und der erstaunlichen Talente überrascht", so Siegmund.