Sonnenschein und Temperaturen über 20 Grad – diese Kombination hatte am vergangenen Wochenende nochmal Gelegenheit geboten, die Außenbereiche von Gaststätten, Bars und Cafés aufzusuchen. Der Lockdown im Frühjahr hatte die Gastronomen schwer getroffen. Deshalb haben einige Kommunen die sogenannten Sondernutzungsgebühren für das Aufstellen von Tischen und Stühlen zu gewerblichen Zwecken nicht zu erhoben. Zuletzt hat ein entsprechender Beschluss die Stadtverordnetenversammlung von Joachimsthal mit breiter Zustimmung passiert.

Freude über jeden Kunden

Im Falle der Eisbar und des Bistros „Schmalfelds“ in der Töpferstraße des Schofheide-Städtchens wurde auch der jährliche Pachtzins für die Terrassenfläche seitens der Stadt nicht eingefordert. Die Stadtverordneten hatten dem zugestimmt. „Das sind etwa 250 Euro. Wir haben schon im Amt angerufen und uns bedankt“, sagt Ex-Chefin Marita Witte, die die Leitung des Betriebs Anfang des Jahres an ihren Sohn übergeben hatte. „Wir freuen uns über jede Entlastung und über jeden Kunden“, sagt sie. Der Wegbruch des Ostergeschäfts aber sei nur schwer aufzuholen.

IHK schreibt Kommunen an

Den Vorschlag, die durch die Komplettschließung während der Pandemie stark getroffenen Gastronomen auf diese Weise zu unterstützen, hatte die Industrie- und Handelskammer Ostbrandenburg im Juni in einem Rundschreiben an die Verwaltungen gemacht. Hygiene- und Abstandsregelungen führen in Gaststättenbetrieben schließlich weiterhin zu Umsatzeinbußen. Durch zwei Ideen der IHK sollten diese abgemildert werden: Zum einen die kostenfreie Erweiterung der Außenbereiche, dort wo es ordnungsrechtlich möglich ist, genehmigen, um mehr Kunden unter Einhaltung der geltenden Abstandsregeln bedienen zu können, zum anderen besagte Sondersnutzungsgebühren bis zum Jahresende auszusetzen.

Vorbild Erfurt, Weimar, Eberswalde

Städte wie Nordhausen, Erfurt oder Weimar würden das so praktizieren, meint die IHK in ihrem Schreiben an die Kommunen. Aber auch die Barnimer Kreisstadt wähnt sich diesbezüglich mit als Vorreiter. „Bereits gleich zu Beginn der Corona-Krise und des Lockdowns hat die Stadt Eberswalde die Gastronomen vor Ort durch Aussetzung der Sondernutzungsgebühr entlastet. Damit haben wir als Stadt also bereits sehr frühzeitig gehandelt“, heißt es auf Nachfrage der MOZ. Bis zum 31. Dezember sei der Verzicht auf die Sondernutzungsgebühr in Kraft.

Eberswalde verzichtet auf Einnahmen

Das gelte nicht nur für Gastronomen, sondern auch für Einzelhändler. Der Stadt seien damit im Vergleich zum Vorjahr bisher Einnahmen in Höhe von knapp 5500 Euro entgangen. „Zur Unterstützung des Gewerbes vor Ort ist die Maßnahme aus unserer Sicht eine sehr hilfreiche und unkomplizierte Hilfe. Dass die IHK diesen Schritt in der Folge ebenfalls von den Kommunen erbittet, zeigt, dass die Stadt Eberswalde mit der Maßnahme bereits im März zielorientiert und vorausschauend gehandelt hat“, heißt es aus dem Rathaus.
„Das hilft schon“, meint Kneipier Thomas Steinberg von der Gaststätte Mundtshof im Stadtzentrum über den Wegfall der Gebühr. Allerdings werde die Schließung im Frühjahr nicht mehr aufgeholt. Eberswalde zähle nicht zu den Top-Urlaubsregionen, in denen das Doppelte oder Dreifache der Gäste gekommen sei, als es darum ging, Urlaub vorwiegend im Inland zu machen.

Zinslose Stundung in Schorfheide

Seitens der Gemeinde Schorfheide heißt es, dass die IHK-Empfehlungen aktuell eine eher untergeordnete Rolle spielen würden. Bei den gastronomischen Einrichtungen wie in Eichhorst gehöre der vorhandene Außenbereich ohnehin zum Geschäftsareal dazu. „Es sind bei uns bis jetzt auch keine Anfragen oder Anträge auf eine kostenfreie Erweiterung eingegangen“, heißt es. Unterstützung für Gewerbebetriebe in der Gemeinde gebe es, indem Anträge auf zinslose Stundung von Gewerbesteuern bewilligt worden seien.