Der Konflikt zwischen Ver.di Berlin-Brandenburg und der Integrierten Regionalleitstelle Nord-Ost (IRLS) schwelt schon länger. Die Zentrale nimmt Notrufe entgegen und bearbeitet diese. Sie ist zuständig für den Bereich Barnim, Oberhavel und Uckermark. Die Gewerkschaft Ver.di klagt an, dass der Landkreis Barnim, der verantwortlich für die Leitstelle ist, in vielen Punkten unverantwortlich mit den dortigen Mitarbeitern umginge. Deren Personalrat habe wegen zahlreicher Missstände immer wieder das Gespräch mit dem Kreis gesucht.
Die Verwaltung distanziert sich in sämtlichen Punkten von der Kritik. Im Gegenteil: Sie betont, dass die IRLS Nord-Ost vorbildlich funktioniere. Laut Kreis-sprecher Oliver Köhler kommen die Vorwürfe überraschend. "Bis zum heutigen Tag gab es keinerlei Kontakt mit einem Vertreter Verd.is zu diesem Thema."
Die Kritik ist heftig: zu wenig Personal, keine Dienstpläne nach dem Gesetz, Verstoß gegen Datenschutz und einige Vorwürfe mehr. Für den Ver.di-Fachgruppenleiter des Bereichs Feuerwehr Dieter Korte ist der Fall klar: "Die Kreisverwaltung Barnim verstößt unter dem Wissen des Landrates und der zuständigen Amtsleiterin gegen Gesetze." Die Liste der Vorwürfe von Ver.di an die IRLS-Personalverantwortlichen ist lang. Der Landkreis nahm bereits einmal schriftlich Stellung dazu. Nun liegt der Märkischen Oderzeitung Ver.dis schriftliche Antwort dazu vor. Darin werden die Vorwürfe konkretisiert.
Laut Ver.di sei an Heiligabend die Personalleitstelle nur unzureichend besetzt gewesen. Dies habe er von einer Mitarbeiterin aus der Kreisverwaltung erfahren, berichtet Dieter Korte. Die Gewerkschaft ist der Auffassung, dass dies bei Weitem kein Einzelfall gewesen sei. Sondern die IRLS Nord-Ost grundsätzlich mit zu wenig Mitarbeitern ausgestattet sei. Die Dienststelle in Eberswalde habe nach Ver.dis Informationen die höchste Fluktuation aller Leitstellen in Brandenburg. Sie sei auch die einzige, die bisher Beschäftigte entlassen hätte. Damit seien zwei Stellen aktuell unbesetzt. Und drei Mitarbeiter sind laut Ver.di im Langzeit-Krankenstand. Zudem seien bei der Berechnung der Mitarbeiterzahl Faktoren wie krankheitsbedingte Ausfälle, Weiterbildungen und praktische Einsatzdienste nicht ausreichend berücksichtigt worden. Die dünne Personaldecke führe -so Dieter Korte - dazu, dass die Mitarbeiter oft äußerst kurzfristig aus ihrer Freizeit geholt würden. Außerdem müssten die Lagedienstführer statt acht Stunden- zwölf Stundenschichten ableisten - die lange Arbeitszeit ist laut Ver.di rechtlich unzulässig. Die Stimmung sei - so die Gewerkschaft - insbesondere zwischen den Mitarbeitern und bestimmten Leitungskräften äußerst schlecht. Zwei voneinander unabhängige Quellen bestätigten Ver.di, dass eine Vorgesetzte Schlüssel und Akten durch den Raum geworfen hätte.
Der Kreis sieht die Situation völlig anders. Dieser ist der Auffassung, keine Personalprobleme in der IRLS zu haben. Man habe sich - so das Verwaltungsschreiben - an das Gutachten gehalten, das 2010 von den Krankenkassen als hauptsächliche Personalkostenträger erstellt worden war und seit Beginn des vergangenen Jahres sogar 1,7 Stellen mehr vorzuweisen - als in den Vorjahren. Der Personalrat sei in die Verhandlungen vollumfänglich eingebunden worden, sagt der Kreis. Ver.di bestreitet das.
Laut der Gewerkschaft soll es in der IRLS Nord-Ost keine Dienstpläne nach dem Gesetz geben. Der Kreis widerspricht. Er setze zur Dienstplan-Erstellung eine Software ein, die Verstöße anzeigen würde. Der Gewerkschaft hingegen liegen allerhand Informationen vor, die anderes besagen. Unter anderem, dass die Software manipuliert würde.
Auch bei der Abhörung aufgezeichneter Telefongespräche in der IRLS gehen die Meinungen von Gewerkschaft und Kreis deutlich auseinander. Die Verwaltung sagt, Sprachaufzeichnungen nur dann an Ermittlungsbehörden oder den Ärztlichen Leiter des Rettungsdienstes zu übergeben, wenn diese strafrechtlich relevant seien oder Beschwerden gegen Mitarbeiter vorliegen würden. Nach Gewerkschafts-Informationen hätten in unzulässiger Weise gleich mehrere Personen ein dauerhaftes Hörrecht: darunter der Ärztliche Leiter des Rettungsdienstes und die Amtsleiterin des Ordnungsamts.
Zum Vorwurf, Heiligabend zu wenig Personal eingesetzt, den Dienstplan manipuliert zu haben und zu der - wie Ver.di sie bezeichnet - cholerischen Vorgesetzten möchte der Kreis nicht Stellung nehmen. Stattdessen erwäge er, juristisch gegen Ver.di vorzugehen, wenn die Gewerkschaft die Leitstelle weiterhin ohne konkrete Belege in Verruf bringe, teilt der Pressesprecher mit.