Wer nur durch die lokale Brille schaut, hätte Grund, das von der Brandenburgischen Architektenkammer geförderte, in diesem Jahr bei Braun Publishing in Salenstein, Schweiz, veröffentlichte Werk scheel anzuschauen: Nur vier der 152 Seiten des Buchs sind dem Altkreis Eberswalde gewidmet. Und Barnims Kreisstadt wird Eberswalde-Finow genannt, obwohl es diesen Doppelnamen längst nicht mehr gibt. Dennoch bietet der von der Kunsthistorikerin, Kunstpädagogin und Denkmalpflegerin Ulrike Laible aus Bamberg herausgegebene und von einem Autorenkollektiv verfasste Band Lesestoff in Hülle und Fülle. Die Herausgeberin kennt sich in Brandenburg bestens aus, hat sie doch bis 2009 als Geschäftsführerin des Schinkel-Zentrums für Architektur, Stadtforschung und Denkmalpflege der Technischen Universität Berlin gewirkt.
Über die Finower Kupferhäuser berichtet das Buch, dass sie so etwas wie der Vorläufer der heutigen Fertighäuser waren. 1930 hatten der Ingenieur Frigyes Förster und der Architekt Robert Krafft das so genannte „box frame system“ zum Patent angemeldet: Der Clou waren selbstragende Holzrahmen, die außen mit Kupferblech und innen mit geprägtem Stahlblech verkleidet wurden. Dazwischen befand sich eine mehrschichtige Luftkammerdämmung. Die patentierten Universalendungen gewährleisteten eine einfache Montage, so dass die Häuser innerhalb von einer Woche schlüsselfertig übergeben werden konnten.
1931 gab es für die Idee und die aus ihr hervorgegangenen Prototypen den Grand Prix auf der Kolonialausstellung in Paris. Doch die anhaltende Wirtschaftskrise trug dazu bei, dass die anfangs hohe Nachfrage schon 1932 einbrach. Die noch erhaltenden Häuser in Finow erinnern nach dem Urteil von Ulrike Laible trotz mancher starker Eingriffe an die frühen Experimente in der Fertigbau-Technologie, die nach 1945 zur Erfolgsgeschichte werden sollte.
Das zwischen 1927 und 1934 entstandene Schiffshebewerk Niederfinow wird als technische Meisterleistung gewürdigt und im Detail vorgestellt. Die Autoren informieren zudem darüber, dass während der Bauphase die Ergebnisse eines 1928 veranstalteten Wettbewerbs zur Baugestalt ignoriert wurden, die der Stahlkonstruktion eine straffere Vertikalisierung verpasst hätten.
„Architektur in Brandenburg ...“, Braun Publishing AG, 19.90 Euro, ISBN 978-3-03768-079-7