Der Ausbau des Oder-Havel-Kanals zwischen Marienwerder und der Clara-Zetkin-Siedlung rückt näher. Am Montag wurden den Finowfurtern Details vorgestellt. Gegenwind blieb zur Bürgerinformationsrunde des Wasserstraßen- und Schifffahrtsamtes Eberswalde (WSA) aus.
„Wir machen Schifffahrt möglich“ lautet der Slogan des WSA. Montagabend hatte die Bundesbehörde in die Aula der Finowfurter Schule eingeladen. Knapp 30 Bürger wollten mehr über den Ausbau des Finowkanals zwischen Marienwerder und der Clara-Zetkin-Siedlung am Eberswalder Stadtrand wissen. Drei Vertreter des WSA erklärten das Projekt. Nach einer guten Stunde waren keine Fragen mehr offen. Kritik Fehlanzeige.
Das hatte im Dezember noch anders ausgesehen, als umfangreiche Rodungen entlang der Wasserstraße die Anlieger erzürnten. Laut WSA wäre Widerstand ohnehin zwecklos. „Die Dropse sind mit dem Planfeststellungsverfahren gelutscht“, sagte Sachbearbeiter Ralf-Rüdiger Dimmek nach der Versammlung in Finowfurt. Einwände kämen 15 Jahre zu spät.
Der Oder-Havel-Kanal soll von 34 auf 55 Meter verbreitert und auf eine Wassertiefe von vier Metern gebracht werden (jetzt weniger als 2,80 Meter). Damit können dann größere und schwerere Schiffe auf dem Wasser fahren. Neben dem Kanal werden auch die Dämme verbreitert – auf 4,50 Meter auf der Nord- und 5,50 Meter auf der Südseite.
Von der Ausdehnung sind vor allem Wochenendgrundstücke im Eberswalder Bereich auf der Nordseite des Kanals betroffen. Am Üdersee muss die Pächterin eines Bungalows weichen. Die Maßnahme sei aber mit ihr abgesprochen, das WSA Eigentümer der Fläche. Im Bereich Üdersee wird außerdem am Durchlass Besters Fließ gebaut, der im Zuge der Sanierung verlängert wird.
Insgesamt sollen die Bürger möglichst wenig beeinträchtigt werden, Baggerguttransporte hauptsächlich übers Wasser stattfinden, der Schiffsverkehr während der Bauzeit gewährleistet bleiben. Trotzdem wies Steffen Zasada vom WSA auf einige Nebenerscheinungen hin: Baulärm infolge von Bagger- und Geräteeinsatz, Schwankungen im Grundwasserspiegel bei Herstellung der neuen Dichtung, Staubabwehungen in geringerem Umfang, die kurzzeitige Sperrung des Weges von der Mäckerseebrücke zur Gartenkolonie „Zur Barschgrube“ und anderer sowie die Sperrung der Zufahrten zwischen Kanaldamm und Clara-Zetkin-Siedlung. Zudem werde es in Zusammenhang mit Spundwandarbeiten und Verdichtungen beim Dammbau „spürbare aber unschädliche Vibrationen“ geben. Um späteren Klagen aus dem Weg zu gehen, werden Fotodokumentationen der umliegenden Gebäude angefertigt.
Etwas Zeit haben die Anlieger noch, um sich mental vorzubereiten. Im Dezember werden die Bauleistungen ausgeschrieben. Kostenschätzung: 75 Millionen Euro. Im Frühjahr könnten vorbereitende Arbeiten starten. Erst 2020 dürften die Bagger am Kanal zu sehen sein. Bauende ist der Sommer 2026 – wenig später soll auch die Eberswalder Ortsumgehung B 167n entlang des Kanals fertiggestellt werden. Möglich, dass dafür Baggermaterial aus der Vergrößerung der Wasserstraße verwendet wird. Das nämlich soll bis zu zehn Jahre nach Baumaßnahme auf einer Fläche entlang der Strecke zwischengelagert werden.
Ob es tatsächlich für die Straße verwendet wird, ist aber nicht sicher. Bisher gibt es noch Defizite in der Kommunikation mit dem Landesbetrieb Straßenwesen. Das ließ Alfred Sommerfeld vom WSA durchblicken, als es in der Finowfurter Runde um die Absteckung einer Fläche und die Markierung von Bäumen auf der Nordseite bei Besters Fließ ging. Dort sei der Landesbetrieb zugange – angeblich ohne Abstimmung mit dem WSA.
Kommenden Montag will das WSA das Bauvorhaben noch einmal erläutern: 17 Uhr, Oma’s Speisekammer, Lichterfelde