Diese Traubeneiche ist so mächtig, dass das traditionelle Messgerät der Förster, die Kluppe, nicht ausreicht. Minister Jörg Vogelsänger und Hubertus Kraut, Chef des Landesbetriebs Forst Brandenburg, greifen deshalb zu einem gewöhnlichen Maßband. Und verkünden sogleich: "Der Baum hat einen Stammumfang von 5,70 Meter." Was einem Durchmesser - in Brusthöhe - von etwa 1,80 Meter entspricht. Damit sei dieses Exemplar das dickste in der Schorfheide überhaupt, versichert Professor Ralf Kätzel, Leiter des Landeskompetenzzentrums Forst in Eberswalde (LFE). Gleichzeitig gehört die 24,6 Meter hohe Eiche mit mindestens 400 Jahren zu den ältesten.
Den Methusalem haben die Grünröcke deshalb auch als Ziel des Eichenpfads im Revier Hubertusstock, dem eigentlichen Ursprung der Schorfheide, ausgewählt. Zum Tag des Baumes 2014 wolle man den Schatz des Waldes zeigen, erklärt Kätzel dem Forstminister und den anderen Teilnehmer der kleinen Exkursion. Eben jene alten Eichen. Laut Experten ein einmaliger Schatz, aber auch ein bedrohter. Kätzel spricht vom Eichensterben, über die Ursachen, heiße Sommer etwa, sinkende Grundwasserstände und Schädlinge. Vom Eichenprozessionsspinner ist natürlich die Rede, der sich im Land Brandenburg auszubreiten droht. Kätzel berichtet ebenso von den Bemühungen des LFE, beispielsweise per Saatgutgewinnung diese besonderen Baumarten zu erhalten. Noch gebe es in der Schorfheide um die 1300 lebende alte, knorrige Eichen - so viele, wie nirgends in Deutschland.
Jene uralten Traubeneichen, so bestätigt Revierförster Lutz Hamann, werden natürlich gehegt und gepflegt. Sie unterliegen keiner wirtschaftlichen Nutzung, werden also nicht geerntet. Bleiben von Axt und Säge verschont. Generell gelte für die Reviere, die im Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin liegen: "Schutz durch Nutzung". Wobei die Nutzung eben unter streng naturschutzfachlichen Gesichtspunkten erfolgt. In seinem Revier, das etwa 1600 Hektar umfasst, seien in den vergangenen Wochen und Monaten um die 2500 Festmeter Holz geerntet worden - deutlich weniger als in anderen Revieren. Zu den Kunden würden vor allem Sägewerke in der Uckermark zählen, so Hamann.
Ziel der Eichenwirtschaft, der "forstlichen Königsdisziplin", sei Furnierholzqualität, ergänzt Falk Stähr vom LFE. Das bringe die höchsten Erlöse. Im Durchschnitt seien es um die 500 Euro pro Festmeter. Im Einzelfall könne man aber auch Spitzenpreise bis zu 1000 Euro erzielen. Wobei die Eiche bekanntermaßen nicht nur in der Möbelindustrie seine Abnehmer findet. Whiskykenner wissen ebenso die Qualität des Holzes in Form von Eichenfässern zu schätzen, wirft Kätzel ein.
Der Wald war halt schon immer eine Ressource. Wenn auch auf zum Teil recht unterschiedliche Weise, wie Hamann sagt. Im 18. Jahrhundert seien historischen Dokumenten zufolge um Hubertusstock herum bis zu 10 000 Schafe, Schweine, Rinder und Pferde registriert worden. Erstmals urkundlich erwähnt wurde die Schorfheide als "Schorff Heyde" 1672.
Mit ihren Schätzen habe das Waldgebiet von jeher auch einen hohen Erholungswert. Diese emotionale Seite schlagen symbolisch die Gäste am "Eichenblick", dem Ziel des Pfads, mit der Enthüllung einer Informationstafel in Buchform auf. Dort erfahren die Gäste etwas über den Tagesablauf eines Methusalem-Baumes. Eines ganz gewöhnlichen Tages, der schon früh beginnt. Lange bevor der erste Jäger auf Pirsch geht, um 0:13 Uhr, wenn ein Waldkauz zum Angriff startet. Und in dessen Verlauf die alte Eiche so manchen Spaziergänger begrüßt. Eine Schulklasse, die eine Biologie-Stunde im Wald verbringt, oder eine Wandergruppe, die in ihrem Schatten rastet.
Anlässlich des Tages des Baumes pflanzen Vize-Landrat Carsten Bockhardt, Vertreter des Amtes Joachimsthal sowie Kinder in der Schorfheidestadt noch drei Traubeneichen. Die Traubeneiche ist Baum des Jahres 2014.
Alteichenpfad im Revier Hubertusstock (am Werbellinsee): Start am schmiedeeisernen Tor des Jagdschlosses; der etwa ein Kilometer lange Weg führt zum "Eichenblick", wo die stärkste Eiche der Schorfheide zu finden ist, sowie zu einem Eichenbuch