Hinter der gemeinsamen Pressekonferenz selbst steht dabei ihre wichtigste Botschaft: Es sind viele, aus verschiedenen Parteien, Orten oder Initiativen, die am Sonnabend ein Zeichen gegen Neonazis setzen wollen - "ein dauerhaftes Bündnis aller Demokraten", sagt Schorfheides Bürgermeister Uwe Schoknecht.
Mit einem riesigen Aufmarsch von Rechten sei am Pfingstsonnabend in Finowfurt zu rechnen, erläutert Sebastian Walter, Vorsitzender der Barnimer Linken und Sprecher des Bündnisses "Finowfurt Nazifrei" zum Hintergrund. Seit fast sieben Jahren entwickelt sich ein Finowfurter Privatgrundstück zum wichtigsten Veranstaltungsort Rechtsradikaler in Brandenburg. Das Neonazi-Festival, das jetzt dort geplant ist, übersteige die bisher bekannten Dimensionen. Angemeldet zu der Veranstaltung sind 500 Personen. Das Bündnis rechnet mit einer bundesweiten Anreise von 1000 und mehr rechtsextremen Konzertbesuchern.
Dagegen sind verschiedene Kundgebungen, ein Konzert und eine Demonstration geplant. Um 10 Uhr beginnt die "Bunte-Schorfheide"-Veranstaltung in der Kleinen Konzerthalle, zu der bis zum Nachmittag Filmausschnitte aus Chaplins "Großem Diktator" laufen und der Musiker Uwe Kolberg auf der Bühne steht.
Vom Erzbergerplatz aus soll sich dann ab 10.30 Uhr nach der Eröffnungskundgebung der Demonstrationszug in Bewegung setzen. Ab 9 Uhr treffen sich dort die Unterstützer. Die Route führt über die B 167 bis zur Autobahnauffahrt Richtung Prenzlau, wo unter anderem weitere Kundgebungen stattfinden. "Anlässlich 80 Jahre Bücherverbrennung wird es Lesungen von Texten betroffener Autoren geben", sagt Stefan Böhmer, Sprecher der Barnimer Bündnisgrünen. Die bieten zudem "arme braune Würstchen" an, kostenfrei, unter dem Motto "Grillen gegen Rechts".
Angekündigt haben sich zu den Protesten unter anderem Brandenburgs Finanzminister Helmut Markov (Die Linke), der Grünen-Fraktionschef im Landtag Axel Vogel, SPD-Bundestagskandidat Stefan Zierke, Vertreter von Jusos, Piraten, von überregionalen Organisationen wie der Antonio-Amadeo-Stiftung, aber auch von Jugendklubs aus der Region.
Auch Olaf Himmel, Vorsitzender des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) Ostbrandenburg will Teilnehmer für die verschiedene Aktionen mobilisieren. An Orten wie Angermünde, macht er Mut, seien Neonazis "mit Präsenz der Bevölkerung aus dem öffentlichen Raum" verdrängt worden.
Bisher haben sie ihre Gegenveranstaltungen voneinander unabhängig angekündigt. Jetzt demonstrieren das überregionale und das Schorfheider Bündnis den Schulterschluss. "Wir sind wirklich stolz, dass wir es in fast täglichem Kontakt mit der Gemeinde geschafft haben, auf Landesebene Leute zu mobilisieren", sagt Sebastian Walter. Indes ist auch jetzt schon klar, dass diese Aktionen nur der Anfang sein können: "Wir wissen, dass die Rechten in Finowfurt in den nächsten Monaten schon neue Veranstaltungen planen", so Walter. So werde man längerfristig mit der Gemeinde zusammenarbeiten.
Bürgermeister Uwe Schoknecht nutzte gestern noch eine weitere Veranstaltung, um für die Aktivitäten gegen Rechts zu werben - die Eröffnung der Ausstellung "Demokratie stärken - Rechtsextremismus bekämpfen". "Der größte Feind der Demokratie ist oft die Angst", schlug er den Bogen. "Vielleicht müssen wir auf dem Land auch erst eine gewisse Demonstrationskultur entwickeln. Je mehr Leute Mut zeigen, umso stärker werden wir sein."
Busse mit Unterstützern aus mehreren Brandenburger Städten, unter anderem Schwedt, sind angekündigt. Ab 8.20 Uhr organisiert das Bündnis "Finowfurt Nazifrei" zudem eine halbstündliche Shuttleverbindung vom Eberswalder Bahnhof.