Thomas Dyhr, Vorstand im Kreisverband von Bündnis 90/Die Grünen im Barnim, erklärte als Moderator, warum ihm das Thema immer noch aktuell erscheint: „Während an den Börsen bereits wieder wie zu besten Zeiten verdient, gezockt und spekuliert wird, trägt der europäische Steuerzahler nach wie vor schwer an den aufgebürdeten Lasten der Bankenrettungsaktion und einem schwächelnden Euro. Es wird vielerorts bezweifelt, ob es wirklich vertretbar ist, das finanzielle Wohl und Wehe ganzer Staaten und Währungen den Mechanismen und der Willkür der Finanzmärkte auszuliefern.“Aber wie sind diese zu bändigen?
Gute 30 Leute wollten die Antworten darauf hören. Serviert wurde schwere Kost. Ein ehemaliger Sparkassen-Mitarbeiter bekannte offen: „Ich habe Teile der Diskussion nicht verstanden.“
Es ging um Kapital und Moral, um Eigenkapital, Bilanzen und Blasen, Kredite, Risikobeteiligungen und Gold, um Anlageberater, Leerverkäufe und die Geldwertstabilität. Die reichlich zweistündige Podiumsdiskussion führte bis in die Abgründe von Monetarismus und Keynesianismus. Es hagelte auch harsche Kritik an der Bankenaufsicht in Deutschland.
Serviert worden sind die Antworten von zwei Leuten, die sich im Metier auskennen. Die von Josef Keil geführte Sparkasse Barnim strebt nach seinen Ausführungen „keine Eigenkapitalrenditen in zweistelliger Höhe“ an.
Sven Giegold ist Attac-Mitbegründer und als Abgeordneter im Europaparlament mit Maßnahmen der Finanzkontrolle befasst.
Keil erklärte zum Beispiel mit einem Blick auf die deutsche Bankenkrise Anfang der 1930er Jahre – stark vereinfacht und knapp –, was passieren kann, wenn Banken unkontrolliert krachen gehen: Bankschalter schließen. Finanz- und Wirtschaftskrise. Millionen Arbeitslose. Die Nazis kommen an die Macht. Der Zweite Weltkrieg bricht aus.
Anders ausgedrückt: Die damalige Bankenkrise hatte einen nicht zu unterschätzenden Anteil an der Destabilisierung der Weimarer Republik. Josef Keil forderte zum Ende der Debatte, dass alle Differenzgeschäfte nicht mehr vom Recht geschützt werden sollten und eine Finanztransaktionssteuer. Diese würde auf börsliche und außerbörsliche Finanzgeschäfte erhoben. Mit den Milliardeneinnahmen wäre ein Teil der laufenden Bankenrettung zu refinanzieren.
Sven Giegold glaubt, dass in Deutschland jährlich 120 bis 130 Milliarden Euro durch Fehlberatung verloren gehen. Er plädierte für eine einfach verständliche Kennzeichnung der Risikoklassen von Finanzprodukten. Außerdem informierte er, dass das Europaparlament sich gerade mit großer Mehrheit für eine Finanztransaktionssteuer in der EU ausgesprochen hat. Jetzt seien die Europäische Kommission sowie die Staats- und Regierungschefs am Zuge, um den Beschluss des Europaparlamentes umzusetzen.