Während sich Autofahrer seit Monaten über die Spritpreise ärgern, blieben die Freizeitkapitäne, die sich am Wochenende auf dem Gelände des Kanuclubs SV-Stahl Finow am Werbellinsee trafen, ganz entspannt: Ihre Tankstelle hatte zwar nur rund acht Stunden geöffnet, meinte es aber gut mit ihnen. Denn die Ladung der Sonne war kostenlos.
30 Teams trafen sich auf dem See zu Deutschlands größter Solarboot-Regatta, um im Sprint, im Slalom sowie über eine Langstrecke von 30 Kilometern ihre Boote zu testen. Als "Treibstoff" war ausschließlich Sonnenenergie zugelassen. "Ich habe meine Batterien nicht zuschalten müssen", verkündete der Initiator des Rennens, Professor Hartmut Ginnow-Merkert, der mit einem selbst gebauten Boot über den See schwamm. Der Vorsitzende des Solarbootvereins Berlin-Brandenburg initiierte bereits vor 20 Jahren in den USA die erste amerikanische Solarbootregatta. Merkert, im Hauptberuf Professor an der Kunsthochschule Weißensee im Fachbereich Produktdesign, möchte die Jugendlichen für das Thema Nachhaltigkeit gewinnen. Gleichzeitig wünscht er sich, dass Solarboote so attraktiv aussehen, um sie Käufern schmackhafter als ein Motorboot zu machen.
Soweit waren die Boote, die auf dem Werbellinsee kreuzten, aber noch nicht. Das Oberstufenzentrum Eberswalde hatte zwei alte Angelkähne ins Rennen geschickt. Die waren in der Metalltechnik überarbeitet und mit Solarplatten versehen worden. Weitere Teilnehmer kamen aus Berlin, einer Danziger Hochschule, der FH Emden oder aus Kelheim (Bayern). Dass es sich bei den Solarbooten nicht um eine bloße technische Spielerei handelt, machte Ralf Reiff-Stephan klar. Der Automatisierungstechniker der TH Wildau und Mitorganisator, berichtete, dass in zwei Jahren im Spreewald ein Verbot für Boote mit Verbrennungsmotoren in Kraft treten wird.
Am Nachmittag schaute Eberwaldes Bürgermeister Friedhelm Boginsky vorbei, er wollte sich "von dieser tollen Idee" überzeugen und drehte eine Runde im Boot von Merkert.
Uwe Hartmann und Arno Paulus von der deutschen Gesellschaft für Sonnenenergie waren aus Berlin angereist, um sich zu informieren. Ihr Ziel ist es, das Land bis 2050 komplett mit regenerativer Energie zu versorgen.