Mit einem Klischee räumen die Eberswalder Piraten bei ihrem Stammtisch am Donnerstagabend gleich zu Beginn auf: Keiner trinkt Club-Mate, das Getränk der Wahl ist dunkles Porter-Bier. Aber es ist ja auch Abend, und die Muntermacher sollten von anderer Seite kommen: Von inhaltlicher. Denn mit ihrer gezielten Hinwendung zur Kommunalpolitik betreten die Piraten in vielen Bereichen spürbar Neuland.
Zunächst bleibt die Runde denkbar klein; das Interesse von Einwohnern und Zaungästen ist verhalten. "Kommunalpolitik ist mühsam, weil wir noch nicht so viele Mitglieder haben", bilanziert Jürgen Voigt, der Schatzmeister des Regionalverbandes Barnim-Uckermark, am nächsten Tag.
Schrittweise tasten sie sich an Themen heran, welche die Barnimer Bürger interessieren könnten. Was steht auf der Tagesordnung der Stadtverordnetenversammlung oder der Ausschüsse? Welche Bauvorhaben bewegen die Stadt, wie steht es um die Spielplätze? Eine immer noch junge Partei erarbeitet sich Positionen zu neuen Politikfeldern.
Eines der Themen, mit denen die Piraten sich nun auf Anregung von Einwohnern beschäftigen wollen, sind die in der Vergangenheit von Anwohnern bereits mehrfach angesprochenen alkoholisierten und pöbelnden Menschen am Potsdamer Platz. "Einige Frauen trauen sich dort nicht mehr auf die Straße", stellt Jürgen Voigt fest. Ein Patentrezept haben auch die Piraten nicht für den weiteren Umgang damit. Allerdings ein paar erste Einschätzungen. "Das Problem lässt sich nicht dadurch lösen, dass man die Leute woanders hintreibt", so Voigt.
Das Interesse der Eberswalder betrifft auch den bevorstehenden Bundestagswahlkampf im Jahr 2013, dem sich der Eberswalder Veit Göritz als Spitzenkandidat und der Sozialpädagoge Jürgen Voigt stellen wollen.
Ihren kommunalpolitischen Stammtisch halten die Piraten immer am zweiten Donnerstag eines Monats ab. Ab Januar wollen sie das Treffen in eigenen Räumlichkeiten organisieren. Göritz und Voigt suchen derzeit im Eberswalder Stadtgebiet nach geeigneten Wahlkampfbüros, die sich auch als Versammlungsraum eignen.