Der Masterplan steht. Die Entwürfe fürs erste Projekt sind gebilligt, Aufsichtsrat und Vertreter haben bereits zugestimmt. Die Genossenschaft wartet „nur“ noch auf die Finanzierungszusagen. In den nächsten Jahren will das Wohnungsunternehmen im Brandenburgischen Viertel etliche Millionen investieren.
Über dem Quartiersplan des Brandenburgischen Viertels, der im Büro von WBG-Vorstand Volker Klich hängt, steht nur ein Wort: Vielfalt. Eine Schlagzeile, die den Anspruch des größten Vermieters im Brandenburgischen Viertel deutlich macht. Ein breites Angebot für die unterschiedlichen Mieter-Bedürfnisse schaffen. Dabei natürlich die eigene Wirtschaftlichkeit im Blick. Genau diesem kaufmännischen Erfordernis einerseits sowie dem städtebaulichen Gedanken andererseits folgt die neue Strategie der Genossenschaft im Viertel.    Gut 1600 Wohnungen unterhält die WBG im Brandenburgischen Viertel. 17 Prozent davon stehen leer. Vor wenigen Monaten war die Quote noch höher, lag bei über 20 Prozent. Wohnungen, die unsaniert sind, in die niemand einziehen will, für die es keine Nachfrage gibt. Investitionen im großen Stil wären nötig. „Unsere Mittel sind natürlich begrenzt. Deshalb ist es unser Ziel, sie auf die urbaneren Gebiete im Viertel zu konzentrieren“, beschreibt Klich den Kurs.
Heißt konkret: Sanierung hier, Rückbau dort. Von Abriss will der Vorstand nicht sprechen, zumal die dafür notwendigen Fördermittel noch nicht bewilligt sind. Der WBG-Chef verweist auf das Stadtteilentwicklungskonzept der Stadt von 2017, in dem ebenfalls erstmals von „Entwicklungsflächen“ die Rede ist. Fakt ist: Der Block Cottbuser Straße 25 – 31 ist bereits komplett verwaist. Die Blöcke Brandenburger Allee 15 – 21 und 27 – 35 sollen möglichst noch in diesem Jahr freigezogen werden. Aus „betriebswirtschaftlichen Gründen“ wolle sich das Unternehmen von diesen drei Wohnhäusern trennen und werde für den Rückbau finanzielle Unterstützung beantragen. An der Brandenburger Allee seien 37 Mietparteien betroffen. Die Mietergespräche laufen, die Betroffenen erhalten ein „Ersatz“-Angebot. „Viele wollen im Viertel bleiben“, weiß Klich. 2018/19 soll es mit dem Abbruch der Cottbuser Straße 25 – 31 losgehen, die Blöcke an der Brandenburger Allee folgen.
Auf diese Weise nehme die Genossenschaft etwa 120 Wohnungen vom Netz. Die Senkung der Leerstandsquote sei nur ein Nebeneffekt, will Klich betont wissen. Insgesamt ginge es um eine Aufwertung des Viertels, um mehr Wohn- und Lebensqualität, weshalb die Genossenschaft auch eng mit der Stadt zusammenarbeitet. Eben um Vielfalt, eine soziale Durchmischung. Und dafür sieht das Unternehmen im östlichen Bereich des Quartiers „mehr Potenzial“ als etwa im westlichen Bereich der Brandenburger Allee. Betroffen von diesen Veränderungen ist ebenso der Zahnarzt Torsten Kubin. „Auch ihm haben wir einen alternativen Standort hier angeboten“, so Klich. Der Mediziner – für ihn wäre es bereits der zweite Umzug – will nach eigenem Bekunden mit seiner Praxis im Quartier bleiben.
Auf der Liste der kurz- und mittelfristigen Modernisierungen stehen die Havellandstraße 24 – 30 sowie das (verbleibende) Karree an der Cottbuser Straße. Im Vorfeld habe es für die geplanten Komplettsanierungen, die 2018/19 unter bewohnten Bedingungen starten sollen, eine Gestaltungswerkstatt gegeben. Die Entwürfe für die Havellandstraße sehen beispielsweise eine Zusammenlegung von Hauseingangsbereichen sowie die Einrichtung eines Gemeinschaftsraumes vor. Klich rechnet aufgrund der Komplexität (von der Strangsanierung bis zu neuen Balkonen) mit mehr als drei Millionen Euro pro Haus. Eine Investition, die sich rechnen soll: Das Unternehmen will neue Genossenschaftsmitglieder und neue Mieter gewinnen.