Noch haben das Eberswalder Holzkraftwerk und der Energieversorger EWE den Vertrag für ihr Fernwärmeprojekt nicht unterschrieben. Mit dem Bau der ersten Trasse ins Brandenburgische Viertel und nach Finow Ost wurde dennoch schon begonnen. „Wir warten noch immer auf die endgültige Finanzierung. Das wird voraussichtlich zwei bis drei Wochen dauern“, sagt Jan O. Larsen, Geschäftsführer des Eberswalde Holzkraftwerkes.
Dass an den Aufsichtsrat des Holzkraftwerkes (Hokawe) dennoch die Bitte um vorzeitigen Baubeginn erging, hat zwei Gründe. Vor dem Gymnasium an der Fritz-Weineck-Straße laufen derzeit diverse Kabelarbeiten für den künftigen Bildungsstandort Finow. Den aufgeschachteten Weg nutzt der angehende Wärmelieferant. Zum anderen quert die Leitung Wege in der Kleingartenanlage Wolfswinkel. Die damit verbundenen Erdarbeiten sind im Frühjahr, wenn das neue Gartenjahr beginnt, schon nicht mehr möglich.
Rund 160 Millionen Kilowattstunden Wärmeenergie produziert das Holzkraftwerk auf dem Gelände des Eberswalder Binnenhafens jährlich. Das reicht aus, um rund 46 000 Haushalte zu versorgen. Bis jetzt allerdings wird diese Energie nur für den Eigenbetrieb genutzt. Der größte Teil geht als heißer Dampf in die Luft. „Viel zu unwirtschaftlich“, waren sich Hokawe und EWE einig. Bis jetzt werden sämtliche Häuser, die 2011 über die neue Fernwärmetrasse versorgt werden, mit Gas aus Blockheizwerken beheizt.
Mit der Planung der Fernwärmeleitung hat die Hokawe-Geschäftsführung zwei Eberswalder Unternehmen beauftragt. Die ersten Untersuchungen zu möglichen Trassenwegen gab es bereits im Januar dieses Jahres. „Dabei mussten 50 Grundstückseigentümer über eine Mitnutzung ihrer Grundstücke befragt werden. Dass die Resonanz überwiegend positiv ausfiel, ist unter anderem auch dem städtischen Liegenschaftsamt zu danken. Die notarielle Eintragung von Grunddienstbarkeiten in den Grundbüchern der Eigentümer ist fast abgeschlossen“, sagt Uwe Grohs, Geschäftsführer des Ingenieurbüros für Bauplanung Eberswalde. Die zweite Trasse, die er gemeinsam mit dem Ingenieurbüro Dieme vorbereitet, soll nach Nord-
end führen. Sie wird den Oder-Havel-Kanal unterqueren und soll ebenfalls Mitte nächsten Jahres in Betrieb gehen. Abnehmer der aus Holz gewonnen Energie werden vor allem die beiden großen Wohnungsgesellschaften der Stadt sein. Für Uwe Grohs hat die künftige Wärmeversorgung aus heimischer Produktion auch einen ökologischen Aspekt. „Damit werden die Voraussetzungen geschaffen, dass Eberswalde im erheblichen Maße mit alternativ erzeugter Wärme versorgt werden kann. Der jährliche CO2-Ausstoß in der Stadt, allein durch Heizungsanlagen jeglicher Art von mehr als 95 000 Tonnen, wird dann um mindestens 25 000 bis 30 000 Tonnen im Jahre reduziert“, sagt er.