Gestreikt wurde auch an der Schleuse in Hohensaaten. "Da gibt es niemand, der sich an unserer Aktion nicht beteiligt", sagt Jens Gröger, Fachbereichsleiter Verkehr bei Ver.di Berlin-Brandenburg. "Wir wollen Beschäftigungssicherung und dauerhafte Standortsicherung. Mit der geplanten Umstrukturierung laufen wir hier weiter Gefahr, dass junge Leute der Arbeit wegen wegziehen", fügt er hinzu.
Schichtleiter Harald Rothmeier kann ihm da nur Recht geben. "Jedes Unternehmen, dass sich einen Berater ins Haus holt, legt vorher fest, was passieren soll. Beim Bund ist es genau andersherum. Seit zehn Jahren gibt es dort die Vorgabe, dass jährlich 1,5 Prozent der Stellen einzusparen sind. Wer ausscheidet, dessen Stelle wird nicht mehr besetzt", sagt er. Die Beschäftigtenzahlen der Wasser- und Schifffahrtsverwaltungen im gesamten Bundesgebiet hätten sich damit von rund 17 000 im Jahr 1991 auf derzeit 12 000 verringert. "Das Ziel sind angeblich 10 000 Beschäftigte. Mit der Herabstufung der Wasserstraßen in den neuen Bundesländern auf die Kategorie C wären damit hauptsächlich auch Arbeitnehmer dieser Regionen betroffen", sagt Gröger. Dabei habe vor allem die Wirtschaft großes Interesse am Erhalt der Wasserstraßen. Das zeige sich nicht zuletzt daran, dass jetzt zwei Brücken, die über die Oder-Havel-Wasserstraße im Bereich Eberswalde führen, neu gebaut werden sollen. Die Vorbereitungen an der Wassertorbrücke Eberswalde haben bereits begonnen. In voraussichtlich zwei Jahren wird auch das neue Schiffshebewerk in Niederfinow in Betrieb gehen können. Der TÜV für das alte, denkmalgeschützte Hebewerk reicht nur noch bis 2020.
"Wir verlangen Absicherungsverträge ähnlich wie bei der Bundeswehr, Bestandsschutz für die bestehenden Arbeitsplätze und gesicherte Perspektiven durch den Tarifvertrag", macht Harald Rothmeier die Forderung seiner Kollegen auf.
Das Schiffshebewerk in Niederfinow ist nach der obligatorischen Winterpause, in der dringende Reparaturen und Instandsetzungsarbeiten vorgenommen werden, seit Montag wieder geöffnet. Seit dem sind bereits 14 Schubverbände die Oder-Havel-Wasserstraße hoch - und 14 Schiffe den Kanal heruntergefahren. In den meisten Fällen waren auf Grund der Größe der Verbände mindestens zwei Hebungen erforderlich. Die Landungsmenge pro Schiff liegt bei 800 Tonnen. In den vergangenen drei Tagen haben etwa 10 000 Ladungstonnen das Hebewerk passiert. Das entspricht einer Menge, für die etwa 200 Lkw benötigt werden würden. Im Ober- und Unterhafen lagen am Donnerstagmorgen unter anderem Schiffe aus Stettin, beladen mit Stahl beziehungsweise Getreide.
"Wenn es um Emissionsschutz geht, sind die Wasserstraßen unbestritten die Nummer 1", sagt Harald Rothmeier. Ein Großteil seiner Kollegen gehörte am Donnerstag auch zu den Teilnehmern der Demo in Berlin.
Proteste am Arbeitsplatz: Vor dem Schiffshebewerk in NIederfinow kam es am Donnerstag zu einem Warnstreik, um bis 14 Uhr die eigene Position klar zu machen. Stellen werden nicht nachbesetzt, die Anzahl der Mitarbeiter schrumpft ständig.Foto: MOZ/Thomas Burckhardt
Beschäftigte fordern Tarifvertrag und gesicherte Perspektiven