Doch nicht nur zu kleine Rückspiegel oder frisierte Technik rufen ihn auf den Plan, sondern vor allem der Lärm, der oft unerträglich sei. "Ich wünsche mir mehr Kontrollen, die Polizei müsste viel aktiver sein", fasst er seine Forderung zusammen. Damit ist er zurzeit auch unterwegs durch die Ämter und Behörden sowie Kreisausschüsse.
Das Problem ist nicht unbekannt. Außer im Landkreis Barnim haben viele deutsche Gegenden mit dem Vergnügen einiger Sportfreunde zu kämpfen. Ziel der Fahrten sind kurvenreiche Strecken, die schöne Ausflugsziele bieten.
Deshalb hat Landrat Daniel Kurth (SPD), selbst bekennender Motorradfahrer, schon im vergangenen Jahr eine sogenannte Motorradkonferenz einberufen. Nun fand diese gemeinsam mit Vertretern aus Eberswalde, Wandlitz, Panketal, Joachimsthal, Britz-Chorin-Oderberg, Biesenthal-Barnim, Schorfheide und verschiedener Polizeiinstanzen sowie des Landratsamtes Barnim erneut statt. Mit dem Ziel, Ideen zu sammeln und Vorhaben zu benennen, um dem Motorradlärm entgegenzuwirken, aber auch an die Sicherheit aller Verkehrsteilnehmer zu denken.
Deshalb wollen die Bürgermeister und Amtsdirektoren, die auch in der Kreis-Arbeitsgemeinschaft KAG unter Vorsitz von Jörg Matthes kooperieren, nun auch an das Innenministerium, an Landtags- und Bundestagsabgeordnete schreiben. Bis zur EU müssten deutschlandweite Initiativen reichen, macht der Amtsdirektor von Britz-Chorin-Oderberg klar. Denn Zulassungsvorschriften oder technische Angaben für Motorräder und andere Krachmacher könnten nicht im Barnim geändert werden, fügt Landrat Daniel Kurth hinzu. Dennoch wolle die KAG als Motor fungieren, die Vernetzung der Verantwortlichen vorantreiben. Ein Runder Tisch Verkehrssicherheit ist das Ziel.
Denn während Kurth selbst vor allem Kurvenlage und Natur liebt, wie der 46-Jährige zugibt, würden andere am Motorradfahren den Sound benötigen. Neue Maschinen dürften Dezibelwerte erreichen – und das offiziell –, die schon ohne Beschleunigung schwer für die Umwelt zu ertragen sind. Der Niederfinower Klaus Butzkies, der einst selbst am Moped geschraubt hat, berichtet: "Wenn ältere Fahrer ihre Ohrstöpsel unter dem Helm tragen, weil ihnen die eigene Maschine zu laut ist, dann fehlt mir wirklich jedes Verständnis." Das neue Dialog-Display im Ort zeigt die Geschwindigkeiten und den Schalldruck an. Monatliche Übersichtstabellen trägt der Service-Mitarbeiter eines Fahrgastschifffahrtsunternehmens bei sich. Je nach Wochentag oder Klima lassen die Werte auf der Hebewerkstraße Rückschlüsse auf das Geschehen zu. Aber eben nicht gerichtsverwertbar, betont Landrat Kurth: "Es gibt nur wenige Fahrer, die sich nicht an Vorschriften halten. Wenn eine Kolonne durchkommt, ist der Geräuschpegel höher". Dazu kämen am Werbellinsee und von Niederfinow weiter Richtung Oderberg landschaftliche Gegebenheiten, die lärmverstärkend wirkten. Schallwellen breiten sich über Wasser aus, brechen sich an Hügeln und steigen auf.
Jens Starigk, der im Barnim die Polizeiinspektion führt, ergänzt, dass der vom Kreis veranlasste Rüttelstreifen gute Ergebnisse in der Bilanz zeige. Auch wenn Anrainer genervt seien, so habe es eben 2019 keinen toten Motorradfahrer mehr auf der kurvenreichen Lieper Piste gegeben.
Neue Messtechnik kommt
Deshalb soll ein weiterer gelb leuchtender Streifen auf der Uferrandstraße zwischen Eichhorst und Joachimsthal aufgebracht werden. Außerdem sei neue Messtechnik bestellt, die bald zum Einsatz kommen werde, kündigt der Landrat an. Diese kann dann Nummernschilder von vorn und hinten fotografieren. Das Geld steht schon im Kreishaushalt bereit. Weitere Kontrollen sind laut Starigk geplant.
Tempo 30 durch Niederfinow nennt Matthes noch als ein Indiz für die Bemühungen, den Einwohnerhinweisen zu folgen. Butzkies sieht das kritisch. Leiser machten die jedenfalls Motorräder im ersten Gang eher nicht. Da fehle das Verständnis.

Zahlen und Fakten

Motorradfahren liegt voll im Trend. In Brandenburg gibt es aktuell 19 299 bekennende Halter von Maschinen, im Barnim sind es 1600. Allein 316 Neuzulassungen wurden registriert. Den Spitzenplatz nimmt Oberhavel mit 441 Neuzulassungen bei insgesamt 2076 Haltern ein. In der Uckermark registriert sind aktuell 866 Motorradhalter bei 177 Neuzulassungen, während in Märkisch-Oderland insgesamt 1678 Frauen und Männer gern auf zwei motorisierten Rädern rollen, davon 379 ganz neu. Berlin kann mit 15 400 Haltern aufwarten. Auch die rollen gern durch das nördliche Brandenburg mit kurvenreichen Strecken und schönen Ausflugszielen. Der Freizeitsport ist beliebt. 2018 stiegen im Land Brandenburg verglichen zum Vorjahr die Neuzulassungen um 17,4 Prozent. Von jährlich 5000 Unfällen im vergangenen Jahr im Bereich der Polizeiinspektion Barnim sind 136 unter Beteiligung von Motorradfahrern registriert. Davon haben 82 einen Unfall verursacht, 80 Verletzte und zwei Unfalltote waren die Bilanz. Nachdem in Richtung Liepe ein Rüttelstreifen aufgebracht wurde, habe es keine tödlichen Unfälle gegeben, so die Polizei. Deshalb ist ein gelber Rüttelstreifen nun außerdem hinter Eichhorst auf der Seerandstraße am Werbellinsee geplant. li