Angefangen hat alles auf dem Spielplatz. Nein, Jugendfreunde sind Brian Crotty und Thorsten Perl nicht. Aber beide haben Kinder. Drei der eine, zwei der andere. Und als die Kleinen vor fünf Jahren auf dem Spielplatz in Eberswalde herumtollen, kommen die Väter ins Gespräch. Bald fällt die Frage "Und, was machst du so?". Crotty, der Projektberater für Kunst und Design, und Thorsten, der Forscher und Stiftungsmitarbeiter, finden Anknüpfungspunkte. Nicht allzu lange Zeit später ist die Idee geboren, gemeinsam eine Firma zu gründen.
Im Mai dieses Jahres wird BioInspiration offiziell Realität. Mit der Firma wollen Crotty und Perl moderne Technik und Umweltverträglichkeit verbinden. Das erste Projekt der beiden: die Herstellung eines Materials, mit dem 3D-Drucker arbeiten können - ganz so, wie ein Tintenstrahldrucker Tinte benutzt. Das Besondere am Material von BioInspiration: Es ist komplett kompostierbar. Wenn die Bedingungen stimmen, ist von den Gegenständen, die der Drucker aus dem Material geformt hat, nach einem bis zwei Jahren nichts mehr übrig. "Wir wollen zeigen, dass es eine Alternative gibt", sagt Thorsten Perl.
Eine Weltneuheit aus Eberswalde also. Der Amerikaner Crotty ist vor sechs Jahren mit seiner deutschen Frau aus Kalifornien nach Deutschland gekommen, zunächst nach Berlin. Kurz danach wird ihnen klar: Die Großstadt ist nicht das Richtige für ihre Kinder. Also ziehen sie 2010 raus nach Eberswalde. Auch Thorsten Perl ist der Liebe wegen aus seiner niedersächsischen Heimat in den Barnim gekommen. Seine damalige Freundin hat in Eberswalde studiert. Heute lebt sie in Brüssel; er ist hier geblieben und hat erst seine Frau kennengelernt und später seinen Firmenpartner Crotty.
Das Projekt der beiden ist kein Hirngespinst. Am 3D-Drucker der offenen Werkstatt "Zwischenraum" im Brandenburgischen Viertel drucken sie bereits einige Testgegenstände: von Becher über Kunststoff-Scharniere bis hin zu Miniaturspielsachen. Möglich gemacht hat das der Kontakt zu einer US-Firma, die die beiden mit den Grundstoffen versorgt. Ihr Material - sie nennen es WillowFlex - basiert auf Maisstärke. Es ist nicht nur biologisch abbaubar, sondern auch hitze- und kältebeständig.
In Berlin hat das Team dann eine weitere Firma gefunden, die die Produktion des Materials übernehmen will. Was jetzt noch fehlt, sind das nötige Kleingeld und der Kontakt zu den Kunden. Für beides haben der 33-jährige Brian Crotty und der 36-jährige Thorsten Perl eine elegante Lösung gefunden: Sie präsentieren ihr Projekt auf einer Internetplattform, auf der interessierte Kunden vor ab Bestellungen aufgeben können und auch direkt bezahlen. Innerhalb von fünf Wochen will das BioInspiration-Team so knapp 8500 Euro zusammenbekommen. "Heute haben wir die Hälfte erreicht, das fühlt sich schon ganz gut an", sagt Brian Crotty. Dabei sind gerade einmal zehn Tage vergangen. Am 1. September ist Stichtag. "Dann gehen wir direkt in Produktion", stellt er in Aussicht.
Generell könnte alles, was derzeit aus Plastik hergestellt wird, auch aus dem abbaubaren Material gefertigt werden. Das Potential ist enorm - auch fernab der 3D-Drucker. So könnte es etwa in Schuhen, Bekleidung und flexibler Elektronik verwendet werden.
Wer weiß, wo die Reise für Brian Crotty und Thorsten Perl hinführen wird? Ganz sicher in Erinnerung behalten werden die beiden aber, wo alles angefangen hat: auf einem Spielplatz in Eberswalde.
Mehr im Internet: www.bioinspiration.eu. Dort ist auch der Link zur Spendenaktion zu finden.