Erst geht es in die Hocke, dann ist der Gleichgewichtssinn gefragt. Manch einer platscht sogleich wieder ins Wasser, bei den anderen spritzt das kühle Nass unter den Brettern dagegen Runde für Runde neben den Skiern hoch. Robert Engelhardt bedient im Minutentakt die Wasserski-Seilbahn und drückt einem nach dem anderen die Schleppleine in die Hände. Außerdem muss er auf die Sicherheit der Sportler achten, zum Beispiel darauf, dass sie sich gegenseitig nicht überfahren, wenn einmal einer im Wasser gelandet ist.
Eigentlich sei Wasserski aber ein sehr sicherer Sport. "Es ist höchstens mal passiert, dass sich jemand das Brett gegen den Kopf geschlagen hat und eine Platzwunde hatte", sagt Robert Engelhardt. Der 53-jährige Sportlehrer Mario Ernst, der seit 2007 mit Zehntklässlern kommt, meint: "Wasserski ist eine ganz ungefährliche Sportart. Eigentlich kann man nur fallen."
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Das versuchen seine Schüler aber zu vermeiden, denn trotz 20 Grad, Sonne und Neoprenanzug ist das Wasser des Ruhlesees Anfang Oktober kalt. Umso stolzer sind die Schüler, wenn sie nicht abtauchen müssen und stattdessen Runde für Runde mit ihren Wasserski drehen können - so wie die 15-jährige Sara Nemitz. "Ich hab' es geschafft! Zwei Runden sogar! Habe ich jetzt meine Eins?", fragt sie ihren Sportlehrer. Der bewertet nämlich nicht nur die Mitarbeit seiner Schüler, sondern auch die Rundenanzahl, die die Zehntklässler schaffen. Je höher die ist, desto besser wird letztendlich die Sportnote. Nicht nur für Sara sieht es gut aus.
Seit über zehn Jahren gibt es die Aktion, bei der Zehntklässler der Schule in Finowfurt, die das Wahlpflichtfach Sport belegen, immer zu Schuhljahresanfang, bei Wind und Wetter, Wasserski fahren, schon. "Aus der Taufe gehoben hat das der ehemalige Kollege Michael Weihrauch", erinnert sich Mario Ernst. "Er ist zwar nicht mehr an unserer Schule, aber wir führen seine Tradition fort."
Die Schüler entrichten für die fünfmalige Teilnahme pro Kopf 20 Euro. "Sie bezahlen diese Summe anstandslos", meint der 53-Jährige. Denn sie wüssten, dass es sonst teuerer wäre.
Damit die Schüler so günstig übers Wasser schweben können, steuern aber auch noch der Schulträger, der Förderverein sowie Finowfurts Ortsvorsteher und Unternehmer Wilhelm Westerkamp Geld bei.
Eine Investition, die sich offenbar nicht nur für die Jugendlichen, sondern auch für die Seilbahnbetreiber am Ruhlesee lohnt. Denn manche Jugendlichen wollen auch außerhalb des Schulunterrichtes vorbeikommen - so wie die 16-jährige Antonia Wollbrück, die auch Handball spielt und vorher nie Wasserski gefahren ist: "Jetzt weiß ich wahrscheinlich schon, was mein Geburtstagsgeschenk werden soll."
Um kurz vor drei, ein paar Minuten sind es nur noch, bis der Bus die Schüler vom Ruhlesee zurück nach Finowfurt bringen soll, stellen sie sich nochmal der Reihe nach auf. "Alex, letzte Runde! Der Bus fährt um zehn nach!", ruft da Mario Ernst. Obwohl der Sport anstrengend ist - "das Schwierigste ist der Start und dann musst du die ganze Zeit die Körperspannung halten" - erklärt Sara Nemitz, kosten die Schüler jede Minute auf dem Wasser aus. Sportunterrichts-Schluss ist ja schließlich erst um drei. Im nächsten Jahr soll die Tradition laut Mario Ernst fortgeführt werden.
Interessierte können an Wochenenden, jeweils von 10 bis 12 Uhr, zur Wasserski-Seilbahn am Ruhlesee kommen. Dort gibt es Anfängerkurse.