Von Tucson/Arizona zum Rande der Zivilisation bis zur Hosenträgerreklamation auf dem Eberswalder Weihnachtmarkt - Willkommen in Abstrusistan! Zur assoziativen Parforce-Jagd der Freien Studentenbühne Eberswalde waren zum "Guten Morgen Eberswalde" 70 Besucher ins Paul-Wunderlich-Haus gekommen. Und sie alle hatten Vergnügen an den improvisierten Texten der vier Akteure auf der Bühne. Spielten die doch "interaktives Theater, wie es Regisseur und Motor Thomas Jäkel zur Begrüßung sagte. Es folgte eine - wie man heute sagt - warm-up-Phase, in der Jäkel das Publikum aufs Mitmachen einstimmte: "Nennen Sie uns Ihre Lieblingsfarbe" - "Blau"- "Ihr Wohnort" - "Eberswalde" - "Ihre PIN-Nummer" - Gelächter. Die Zuschauer gaben Stichworte vor, zu denen die vier dann auf der Bühne improvisierten. Gemeinsam zählten sie von Fünf herab und "Los!"
Es folgten Szenen, bei denen die Logik sich einen freien Tag gönnte, so ging es bei den Stichworten "Bäckerei" und "Papierfabrik" über Drogen, Razzia, Waffenhandel und russische Mafia zu Feilen, die in der Bäckerei in Brote für die JVA eingeschmuggelt wurden. In der Mehrzahl spielten Jason Best, Jule Wieczisk, Malte Bläring sowie Thomas Jäkel zu zweit, während die beiden anderen am Bühnenrand gespannt den Szenen folgten - sie wussten ja auch nicht, welche gedankliche Kurve die nächste Assoziation ansteuerte.
Seit rund einem Jahr arbeiten zehn junge Künstler gemeinsam am "Theater ohne Probe", wie Jäkel dieses Projekt nennt, allesamt Studenten, die Spaß an diesem Spiel haben. Als besonders schlagfertig zeigte sich die einzige Frau im Ensemble, Jule Wieczisk. Sie verstand es, vielen Situationen noch den besonderen "Dreh" zu geben und ihre Kollegen zu überraschen. Das wurde besonders in der letzten Szene des "Guten Morgens" deutlich, als sie einen Gegenstand auf dem Weihnachtmarkt umtauschen sollte, über den sich ihre Mitspieler geeinigt hatten. Also reklamierte die Ahnungslose ein Produkt, das sie für ihren Mann gekauft hatte, schimpfte über fehlende Batterien, und Jason Best und Malte Bläring hatten hörbar Spaß daran, sie rätseln zu lassen. "Das ist unser Klassiker, ganz in Rot und Grün", sie kam auf Unterhose, "bisschen schmal, mehr so für oben drüber", und die entsprechenden Gesten halfen ihr dann "Bei Ihnen sitzen die Hosenträger perfekt".
"Wir proben nicht, wir trainieren", erläutert Regisseur Jäkel die Arbeitsweise der freien Studentenbühne. "Wir hören genau zu und beobachten die Menschen". Einmal pro Woche kommen die zehn Studenten zusammen; der nächste Auftritt findet am 19. Dezember um 20.30 Uhr im Studienclub statt.