Karl-Heinz Masuhr aus Lichterfelde ist Grundstückseigentümer. Ihm gehören eigenen Angaben zufolge fünf Teilflächen mit unterschiedlichen Standorten. Diese werden landwirtschaftlich genutzt, bewirtschaftet von der Agrar GmbH Golzow-Lichterfelde. Auf der Grundlage von Pachtverträgen.
Im Rahmen eines Flurbereinigungsverfahrens kämen seine Flächen nun - ebenso wie die aller Eigentümer im Gebiet - in einen großen Topf, einen Pool. Um dann eben neu (zu-)geordnet zu werden. Welche Flächen Masuhr erhielte, er weiß es nicht. Der Lichterfelder kann jedenfalls keinen Vorteil erkennen. Und keine positiven Effekte. Im Gegenteil. Er ist skeptisch. So wie etliche Nachbarn. Weder für den Landwirtschaftsbetrieb noch für ihn sei die Streuung ein Problem, versichert Masuhr.
Der Grundstückseigentümer ist Mitinitiator einer Interessengemeinschaft, die gegen das vom Landesamt für ländliche Entwicklung (LELF) angestrebte Verfahren protestiert. Und Unterschriften sammelt. "Mehr als 150 haben bereits unterzeichnet", sagt Mario Dräger aus Altenhof, der Sprecher. Die Gegner vermuten, dass knallharte wirtschaftliche Interessen hinter dem Ansinnen stecken. Interessen Einzelner. "Hier soll offenbar mit dem Besitz der Leute spekuliert werden", heißt es. Und: Die Neuordnung käme einer Enteignung gleich. Die Identität zum ererbten Eigentum ginge verloren.
Zudem hat die Interessengemeinschaft Verfahrensfehler ausgemacht. Die Karte sei zu ungenau, es seien nicht alle Beteiligten informiert worden und auch über die Kosten sei den Betroffenen nicht reiner Wein eingeschenkt worden, monieren Dräger und Mitstreiter. Aus ihrer Sicht liege das finanzielle Risiko voll bei den Eigentümern, denn für die avisierten Zuschüsse gebe es keinerlei Garantie. Schon gar nicht über die Verfahrensdauer von immerhin zehn Jahren. Der bislang genannte Eigenanteil von 30 Euro pro Hektar könne sich schnell vervielfachen, glauben die Gegner.
Sie sehen gar keine Notwendigkeit zur Flurbereinigung. Die Grundstücke seien vermessen, alles sei katastermäßig erfasst, so Dräger. Die 1,44 Millionen Euro, die das Verfahren kosten soll, seien "vergeudetes Geld". Diese Summe sollte besser in den Ausbau der touristischen Infrastruktur gesteckt werden. Die Forderung der Gruppe ist deshalb klar: "Das derzeit geplante Verfahren ist sofort zu stoppen."
Anfang April hatte das LELF zu einem "Aufklärungstermin" eingeladen und dort das Projekt vorgestellt. Das Gebiet umfasst insgesamt eine Fläche von gut 1700 Hektar in den Gemarkungen Lichterfelde, Werbellin, Altenhof und Finow. Betroffen sind mehr als 300 Grundstückseigentümer und Erbbauberechtigte. Hauptziel des Verfahrens ist das "Zusammenlegen von verstreut liegendem oder unwirtschaftlich geformtem Grundbesitz". Das LELF verweist auf seinen "gesetzlichen Auftrag mit dem Instrument der Bodenordnung bestehende Konflikte zu lösen und damit zur Entwicklung des ländlichen Raumes beizutragen". Voruntersuchungen hätten den "Regelungsbedarf bestätigt".
In die Entscheidung über die Verfahrensanordnung fließen der Behörde zufolge neben objektiven Kriterien auch "die Akzeptanz" der Betroffenen ein. Aufgrund der kritischen Haltung, die mit der Unterschriftenliste zum Ausdruck kam, wartet die Behörde nun die Reaktion der Skeptiker ab. Man habe noch einmal Informationsangebote unterbreitet. Ende August werde das LELF voraussichtlich eine Entscheidung treffen, so Matthias Benthin aus Prenzlau.
Die Gemeinde Schorfheide, selbst betroffen, begrüßt das geplante Verfahren. Bürgermeister Uwe Schoknecht spricht von einer "einmaligen Chance", Ordnung zu schaffen und künftige Streitigkeiten zu vermeiden. Von Generation zu Generation werde es bekanntlich immer schwieriger, Grundstücksfragen zu klären. Es kämen oft Erbengemeinschaften ins Spiel.