Eigentlich läuft alles wie ein paar Kilometer weiter östlich an der Klosterbrücke, die bei Niederfinow über den Oder-Havel-Kanal führt. Das Prinzip ist dasselbe, die Technologie identisch: Nacheinander werden die beiden Widerlager betoniert. Parallel erfolgt schon mal vor Ort die Montage der Stahlüberbau-Elemente. Auf den "Verschub", auch "Einschwimmen" genannt, folgt der Straßenbau, das Herstellen der Fahrbahn.
Nur: Während die Arbeiten bei Niederfinow gewissermaßen auf der "grünen Wiese" stattfinden, sehen sich die Brückenbauer in Eberswalde diversen Schwierigkeiten konfrontiert, wie Hartmut Purr vom Wasser- und Schifffahrtsamt (WSA) Eberswalde bestätigt. Hinzu kommt, dass die Bauleute - aufgrund der Lage der Baustelle am Ortseingang von Eberswalde - im Blickpunkt der Öffentlichkeit stehen. Die erste große Überraschung haben Bauherr - und Autofahrer - hinter sich. Im Bereich des südlichen Widerlagers waren die Firmen auf riesige alte Fundamentreste gestoßen. Für das Freilegen und Entsorgen, eine ziemlich spektakuläre Aktion, musste die Landesstraße L 200 kurz vor Weihnachten voll gesperrt werden.
Doch dieser "Fund" ist nicht die einzige Unwägbarkeit. Immer wieder entdecken die Firmen unbekannte Leitungen, Leitungen, die auf keiner Karte verzeichnet sind, treffen auf Unmengen an Schutt und Müll.
Und: "Mehrfach musste die künftige Trassenführung der L 200 verändert und modifiziert werden", verrät Purr. Die ursprüngliche Planung für den Brückenneubau stammt bekanntlich aus der Zeit Ende der 1990er-Jahre. Die Entwürfe waren an die aktuelle Standort-Situation mit dem Gewerbegebiet Nordpark und den Behindertenwerkstätten der Lebenshilfe anzupassen. Aufgrund der konkreten Gegebenheiten werde die Straße - stadtauswärts - beispielsweise jetzt östlich verschwenkt. "Beginnend kurz hinter der Tankstelle", erklärt Purr. Oberhalb des Kanals verlaufe sie dann westlich der jetzigen L 200. Deshalb auch die recht umfangreichen Rodungs- und Erdarbeiten.
Unterdessen sind die Bohrpfähle in der Erde. "Auch ein Unterschied zur Klosterbrücke: Wegen des schwierigen Baugrunds hier, es stehen tiefe Mergelschichten an, sind für die Brücken-Widerlager Pfahlgründungen notwendig gewesen", erklärt Purr, der den Bau überwacht. Derweil laufen auf der Südseite die Schal- und Bewehrungsarbeiten. "In etwa drei Wochen wollen wir betonieren."
Im März sollen auch die ersten Brückenteile auf der Baustelle eintreffen. "Die Produktion in Darmstadt ist schon im Gange", weiß der WSA-Vertreter. Auf einem eigens präparierten Platz am Stadtbollwerk werden die Segmente montiert, zeigt Purr auf jene Fläche südlich des Oder-Havel-Kanals. Steht auch das nördliche Widerlager - deren Betonage ist für April vorgesehen -, könnte der Brücken-Überbau im Sommer aufgelegt werden.
Danach wird es für die Autofahrer noch einmal spannend: "Von Ende August bis Mitte Oktober, also für zirka sechs Wochen, müssen wir die L 200 erneut komplett sperren. Zur Herstellung der neuen Fahrbahn und zur Anbindung", kündigt der WSA-Vertreter an.
Bis Ende 2014 muss die neue Stabbogenbrücke fertig sein. Und auch wenn sie nicht so lang und weit ist wie ihre "Schwester" bei Niederfinow, in einem Maß stimmen beide überein. In dem entscheidenden. Die Durchfahrtshöhe beträgt künftig 5,25 Meter. Die alte Brücke aus den 1960er-Jahren ist zu niedrig für zweilagigen Containerverkehr.