Die Provinziale 2019 ist Geschichte. Sehr zufrieden mit der Resonanz zeigen sich Festivalleiter Kenneth Anders sowie Organisationschef Sascha Leeske. Mit 2200 Besuchern habe die 16. Ausgabe das Vorjahresniveau erreicht. Dabei konnte der Veranstalter drei Zuschauer-Gruppen ausmachen: jene Gäste, die die Woche über "durchgucken" – mit einem Festivalpass – jene, die gezielt nach Themen auswählen, etwa Studenten, die sich für das Thema Landwirtschaft interessierten; und schließlich neue, zum Teil ältere Besucher. Über letztere freuen sich Anders und Co. besonders. Denn: Philosophie des Festivals sei es, ein offenes Angebot zu schaffen, kein Festival für eine bestimmte Klientel.
Unter diesem Blickwinkel ist zweifellos auch das Simultanübersetzen bzw. das Untertiteln von Beiträgen zu betrachten. Dank der Kooperation mit der Uni Heidelberg wurde der Service 2019 ausgebaut. Was die Besucher honoriert hätten. "Fürs kommende Jahr werden wir versuchen, noch einen Polnisch-Dolmetscher bzw. Übersetzer zu gewinnen", kündigt Anders an.
Wenn die Organisatoren ein positives Resümee ziehen, dann basiert diese Einschätzung aber nicht allein auf den Besucherzahlen, sondern vor allem auch auf der Qualität der Filme, die auch von den Jurymitgliedern gelobt worden sei, wie der Festivalleiter berichtet. Und auf dem Credo, ins Gespräch zu kommen. Mit den Filmemachern sowie den Zuschauern. Dieses Konzept der Kommunikation sei aufgegangen, nicht nur bei der Langen Nacht des Bauernfilms und im Talk etwa mit Schäfer Frank Hahnel aus Müncheberg oder Landwirt Ralf Behring aus Leuenberg.
Provinziale ist ein Stück Heimat
Und dafür gab es auch jede Menge Lob. Von Gästen wie von Honoratioren. Etwa von Thomas Kralinski aus Potsdam. Der Staatssekretär erklärte bei der Abschlussparty: Eberswalde sei einfach "so phänomenal". Womit er das große ehrenamtliche Engagement würdigte, um hinzuzusetzen: "Wie geil ist das denn." Brandenburg sei das Land mit den meisten Drehtagen in Deutschland. Zudem gebe es etliche Filmfestivals. Die "Provinziale" sei in diesem Reigen etwas Besonderes. Einerseits "Anker", ein Stück Heimat, andererseits richte sie den Blick über den Tellerrand hinaus. Derlei Komplimente forderten sogleich Eberswaldes Kulturamtsleiter Norman Reichelt heraus, der sich vom Land für das Filmfest eine institutionelle Förderung wünscht. Bislang unterstützt Potsdam die Eberswalder Veranstalter über das Medienboard Berlin-Brandenburg jeweils projektbezogen.
Ein Zuspruch, der Kenneth Anders natürlich erfreut. Anders sieht auch die Notwendigkeit, die Provinziale strukturell zu entwickeln. Allerdings müsse man auch in der Euphorie des Moments immer darauf achten, nicht plötzlich zu große Perspektiven aufzumachen. "Der Kern der Provinziale besteht vor allem aus dem Engagement aller Beteiligten", macht Anders deutlich. Viele davon seien eben ehrenamtlich dabei. Diese Helfer müsse man auch vor einer zu starken Professionalisierung schützen. Immerhin vergibt das Festival mit dem Preis "Der Stachel" auch einen Preis im Bereich Nachhaltigkeit und sieht sich daher selbst der Nachhaltigkeit verpflichtet.
Entwicklung in kleinen Schritten
Entwicklungsperspektiven sieht Anders in den Bereichen Effektivität, Qualität und Rollensicherheit. Dabei müssten Entwicklungen nicht immer im Großen stattfinden, sondern bestünden oft aus ganz kleinen Schritten. Es müsse immer das "Kräfteparallelogramm" im Gleichgewicht gehalten werden. Daher seien kleine Schritte immer die besseren, ist Anders überzeugt.
Eine Entwicklung bestehe auch im zunehmenden Austausch der verschiedenen Filmfestivals, wodurch die Provinziale natürlich mehr Aufmerksamkeit erhalte. Der Vorteil eines Festivals bestehe darin, dass es sich immer auf die Arbeit stützen könne, die Andere schon im Vorfeld geleistet hätten, spielt Anders auf das Wirken der Filmschaffenden an. Umgekehrt erhielten vor allem Dokumentarfilme auf einem Festival viel größere Aufmerksamkeit, als außerhalb. "In dieser Woche sind die Menschen dazu bereit, sich darauf einzulassen", erklärt Anders. Er habe auch beobachtet, dass das Provinziale-Publikum in den vergangenen Jahren gelernt habe, schwierige Themen auszuhalten. Umgekehrt habe das Festival-Team bei der Auswahl der Filme dazugelernt, schließt Anders sein positives Fazit.
Und so geht denn der Blick der Organisatoren schon voraus. Auf 2020, wenn es am 10. Oktober wieder heißt: Film ab!