Klassikfreunde haben die grüne Oase der Böhms kürzlich bei der "Brodowiner Gartenmusik" kennengelernt, als Künstler, die im Ökodorf leben, zu Konzerten einluden. Die Cembalistin Andrea Häufele-Böhm ist eine dieser Musiker. Aber auch sonst begrüßt das Paar jede Menge Gäste an der Brodowiner Dorfstraße 65. Denn es hat im Wohnhaus zwei Ferienwohnungen eingerichtet. "fermate" - so der klangvolle Name. Das sei ein Begriff aus der Musik, erklärt die Hausherrin, und bedeutet so viel wie Ruhe. Eine kleine Auszeit also. Die gönnen auch wir uns im Garten der Böhms bei einem Spaziergang sowie Unterhaltung zwischen Hühnerstall, Teich und Gartenküche.
Eigentlich, so verraten die Zwei, seien die Ferienwohnungen gar nicht geplant gewesen. Als sie das Grundstück 2006 von der Gemeinde erwarben, waren die drei Wohnungen im Haus allesamt vermietet. "Wir wollten dahinter, also in der zweiten Reihe, bauen", erzählt Andrea Häufele-Böhm. Doch nach und nach verabschiedeten sich die Mieter. Und damit mussten auch Böhms umdisponieren."Wir zogen ins Haus. Das war aber für uns beide viel zu groß." Also wurden Ferienwohnungen geschaffen.
"Wir wollten aufs Land, um mehr Ruhe zu haben", sagt Andrea Häufele-Böhm, die zuvor mit ihrem Mann 25 Jahre in Berlin-Tempelhof wohnte und von einem großen Garten träumte, von mehr Grün. "Dort hatten wir ein Reihenhäuschen mit einem Mini-Garten." Mit dem großen Garten hat es geklappt. Mit der Ruhe nicht ganz. Denn das Paar kümmert sich um alles selbst. "Hier putzt noch der Chef", sagt Klaus Böhm scherzhaft.
Und in puncto Garten schiebt er sogleich nach: "Da ist meine Frau die Expertin. Sie kennt die Pflanzen alle mit dem lateinischen Namen. Ich bin ,nur' fürs Rasenmähen und Kompostumschaufeln zuständig." Aha. Damit wäre die Rollenverteilung schon mal klar. Fast: Denn auch die Hühner, die Rhodeländer, sowie die Bienenvölker sind das Metier des Kleintierzüchters und Hobby-Imkers Klaus Böhm, der von Hause aus Redakteur und Schriftsetzer ist.
"Ich bin mit einem Garten groß geworden", erklärt Häufele-Böhm ihre besondere Affinität. Ihren Anspruch ans Gärtnern beschreibt sie mit den Worten: "Es muss vor Insekten nur so wuseln. Sonst ist es ein toter Garten." Deshalb versuche sie bewusst, Nischen, Ruhezonen zu lassen. Es dürfe eben nicht nur eine Weide für die Augen sein, der Garten müsse auch Nahrung für die Insekten, Vögel und Co. liefern.
Und genau so haben Böhms ihr grünes Reich gestaltet: Kräuterspirale, Beerensträucher, Wildblumenwiese und vor allem viel Obst. Insbesondere für alte Apfelsorten haben Böhms ein Faible: Roter Eiserapfel, Rotgestreifte gelbe Schafsnase, Krügers Dickstiel, Ribston Pepping, Ontario oder Rheinischer Bohnapfel. Zu den botanischen Besonderheiten zählen Böhms den Herrenapfel, den Herbertpfirsich sowie den Dicken Guido, eine Eierpflaume. Das alles verarbeiten sie auch: zu Apfelsaft, Trockenobst, Fruchtaufstrich, Kompott, Pâte de fruits. Und Honig natürlich.
Wobei das Ehepaar betont: Den Grundstock für das Paradies haben zum Teil schon die vorherigen Mieter gelegt. Familie Usadel beispielsweise mit einem Kirschbaum von 1972, der "wunderbar trägt", und Familie Smirek mit Himbeeren, Pfingstrosen und Pfefferminze "in bester Tee-Qualität". Natürlich mache all das Arbeit. "Aber es ist eine total entspannende Arbeit", sagt die Musikerin Häufele-Böhm. "Es ist wie Meditation, es beruhigt. Ich bekomme den Kopf frei. Und ich habe ein Gefühl zu meinen Pflanzen." Ob Hamamelis, Jasmin oder Mispel - der Gärtnerin fällt fast immer eine Geschichte ein. Über das Grün und den Blick in die offene Landschaft kommen wir auf den idyllischen "Karpatenweg" am Rande des Dorfs zu sprechen, der eigentliche Grund, warum sich Böhms für Brodowin entschieden haben, wie sie verraten. Wir kommen auf die Kommunalpolitik, Klaus Böhm spricht von der Gefahr einer "Versylterung" des Ortes. Aber dies wäre schon Stoff für die nächste Stippvisite.
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