Zuletzt gehörte es einer Münchner Grundstücksverwaltung. Es gab die Idee vom Spitzenhotel auf dem Gelände. 30 Millionen Euro, hieß es 2009, wollte eine größere Hotelkette innerhalb von drei Jahren fließen lassen – eine Großinvestition, wie sie Altenhof noch nicht gesehen hat.
Nun ist erst einmal alles anders gekommen. Die Münchner Firma soll insolvent sein. Seit geraumer Zeit wird das Gelände im Internet gepriesen als „attraktives Baugrundstück mit altem Baumbestand, direkt am Werbellinsee“. Zwei Hektar. Der Preis: Zwei Millionen Euro.
Zu haben ist es allerdings nicht mehr. Und der tatsächliche Kaufpreis dürfte einiges darunter liegen. Guido Ney bewahrt darüber Stillschweigen. Der Bauunternehmer aus Finowfurt hat das Grundstück Anfang Dezember erworben. „In erster Linie, um es vor der Zwangsversteigerung zu retten“, sagt er. Er habe vermeiden wollen, dass Investoren „von sehr weit her“ kommen.
Auch die Villa hätte Ney wohl gern gerettet. Offenbar gibt es ein Gutachten von 2007, das nur noch den Abriss des Hauses empfiehlt. Der Bauunternehmer hat selbst noch einmal geprüft. Er kannte Unterlagen, Zeichnungen, „ein schönes Gebäude“, sagt er. Schon für die Hotelkette hätte er den Bau ausführen sollen. „Da habe ich mich in das ganze Ding verschossen“, sagt Guido Ney über das Grundstück.
Die Villa im Herzen des Dorfes hat nicht nur den Reiz des Hauses am See, sondern auch den Zauber einer wechselvollen Geschichte. Fertiggestellt haben die berühmten Bauherren sie 1918, direkt als der erste Weltkrieg zu Ende war. Fortan stand in Altenhof das Erholungsheim der Hirsch Kupfer- und Messingwerke AG. Wenige Jahre zuvor hatte die Familie Hirsch mit der Messingwerksiedlung in Eberswalde eine der ältesten Arbeitersiedlungen Deutschlands erbaut. Belegen könne er das nicht, sagt der Altenhofer Hajo Steinicke. Doch 14 Tage lang, so sind seine Informationen, ließ die Familie Hirsch dort Arbeiter vom Messingwerk unentgeltlich leben. Steinicke, früher Architekt, in Altenhof aufgewachsen und nach vielen Jahren dorthin zurückgekehrt, hat sich mit der Geschichte des späteren August-Bebel-Hauses genauer befasst.
Aus seiner Kindheit erinnert er sich noch an die Absperrungen auf der Uferpromenade, die damals nicht durchgängig zu begehen war. „Ein großes Stalin-Bild stand davor“, erinnert Steinicke. „Nach 1945 wurde das Haus als Kinderheim für sowjetische Kinder genutzt.“
Davor, während des Zweiten Weltkrieges, war die Herberge für Urlauber zum Lazarett umfunktioniert worden. Auch ein Bunker wurde in dieser Zeit gebaut. Nach den Kindern kamen die Nonnen, erzählt Hajo Steinicke, „wahrscheinlich aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten“. Die Ära der Ordensschwestern währte nur kurz. „Dann wurde es Erholungsheim des ZK der SED. Und das blieb es.“ Etwa ab dem Beginn der 50er Jahre, schätzt Steinicke, dürften sich Politpromis der DDR in Altenhof erholt haben. „Honeckers Tochter hat dort geheiratet, einen Chilenen“, weiß Steinicke zu berichten. Anna Seghers kam seit den 70er Jahren regelmäßig. Fotos in Biographien zeigen die Schriftstellerin bei Korrekturarbeiten im Garten am Werbellinsee.
Nach der Wende verfiel das einstige August-Bebel-Heim. Sogar der Bunker ist heute bis zum Rand voll mit Müll. Steinickes Recherchen und Erinnerungen nach wurde es für eine kurze Zeit der Gemeinde übereignet, dann, als SED-Eigentum, dem Bund. In den 90ern übernahmen es die Münchner.
Guido Ney ist zum selben Schluss gekommen wie seine Vorgänger. Die Villa ist in erschreckendem Zustand. „Es ist einfach schon zu lange die Feuchtigkeit darin.“ Vor allem die Leckagen im zweistöckigen Dach haben weitere Schäden nach sich gezogen. „Man sieht die Spuren bis runter zum Keller.“ Zu vernünftigen Kosten, sagt Ney, wäre die Restauration nicht zu machen. Ein Neubau wäre mit durchschnittlich 1000 Euro pro Quadratmeter zu veranschlagen. Um die Substanz zu retten, käme er auf „mindestens 20 bis 30 Prozent mehr“.
Das Zwei-Hektar-Grundstück reizt ihn vor allem privat, hobbymäßig, sagt Ney, der unter anderem auch die alte Schule in der Zetkin-Siedlung erworben und als Wohnhaus wieder hergerichtet hat. Für das einstige Bebel-Heim wird er nun allerdings den Abriss anschieben, noch im Herbst, „wenn alles gut über die Bühne geht“ – das heißt, nicht noch ein Insolvenzverfahren in Bezug auf den Verkäufer dazwischenkommt. Momentan müsse er jedoch noch „die Füße stillhalten, entgegen meiner Natur“. Ney hofft, im Frühjahr mit einem ersten Bauabschnitt starten zu können. Zwölf Bootsanlegestellen stehen schon im Bebauungsplan. Ferienwohnungen, Eigentumswohnungen, vielleicht auch ein Hotel mit Gaststätte schweben ihm vor. „Am liebsten wäre mir ein großer Investor, für den ich bauen darf.“ Im Wirtschaftsministerium hat Guido Ney gemeinsam mit Bürgermeister Uwe Schoknecht schon einmal Fördermöglichkeiten ausgelotet. „Das geht eher in Richtung Tourismus.“