Einst wegen ihres Komforts begehrt, zuletzt jedoch wollten alle nur noch raus. Aus der unsanierten Platte Havellandstraße 24-30. Mit einer Komplettmodernisierung will die Wohnungsgenossenschaft 1893 den Block nun wieder attraktiv machen. Vier Millionen Euro investiert das Unternehmen in den Fünfgeschosser. Gleichzeitig sei dieses Vorhaben der Einstieg in das groß angelegte Projekt "Brand.Vier", bei dem in den kommenden zehn Jahren insgesamt 27 Blöcke saniert werden sollen, erklärte Vorstand Volker Klich am Dienstag beim Baustart im Brandenburgischen Viertel.
Der grüne Stempel des Bauordnungsamtes steht zwar aus. Doch mit den nichtgenehmigungspflichtigen Arbeiten dürfe man beginnen, hieß es. Weshalb die Firma "Drei Schilde" bereits dabei sei, alte Tapete und Fußbodenbeläge zu entfernen.

Künftig per Lift in fünften Stock

Trotz Corona-Krise wollte und will die Genossenschaft am Zeitplan für das Vorhaben festhalten. Und damit auch ein Zeichen setzen. "Wir haben das Projekt über zwei Jahre lang vorbereitet. Und solange drüber gesprochen. Jetzt soll es auch losgehen, planmäßig", sagte Beatrice Reich. Die Bauingenieurin aus Berlin war vor zwei Jahren zur Genossenschaft gekommen. Wegen "Brand.Vier". "Das ist einfach eine richtig spannende Aufgabe", freut sich die Projektleiterin auf die nächsten Monate und Jahre.
Bis November, so das ambitionierte Ziel, sollen die gut 40 Wohnungen in der Havellandstraße, einst als Schwedter Typ bekannt, einer Frischzellenkur unterzogen werden. Von neuen Leitungen bis hin zu neuen Sanitärkeramiken oder zum neuen Wasserhahn. Die Fassade werde wärmegedämmt, die Fenster werden getauscht und auch die Balkonbrüstungen erneuert. Fahrstühle werden eingebaut, sodass die Wohnungen künftig barrierearm zu erreichen sind. Die Hauseingänge werden neu gestaltet. Jeweils zwei werden zusammengelegt. Dank dieser Änderung werde auch ein Mieter-Gemeinschaftsraum entstehen, so Klich.
Die finale Entscheidung zur farblichen Gestaltung der Fassade sei zwar noch nicht gefallen, aber Beatrice Reich ist sich sicher: "Das wird kein 08/15-Block." Mit der Sanierung der Platte gleichzeitig "etwas Besonderes zu schaffen", das sei der Anspruch des Vorstandes, so die Projektleiterin. Dabei sollen sich die Themen Eberswalde und Genossenschaft in der Gestaltung widerspiegeln. Der Vorstand habe sich aktiv an dem Findungsprozess mit Ideen beteiligt, macht Reich auf das Ergebnis neugierig.
Die Umsetzung in Corona-Zeiten sei natürlich eine Herausforderung, gestand Reich. Auch wenn für die Bauwirtschaft im Vergleich zu anderen Branchen auf den ersten Blick nicht so harte Einschränkungen gelten, so gebe es doch einige Erschwernisse und auch Hürden. Beispielsweise könnten Probleme in den Lieferketten auftreten, wenn etwa Herstellerfirmen nicht mehr arbeiten oder im Ausland produzieren. Wie überhaupt Schwierigkeiten, wenn Betriebe ausländische Arbeitskräfte beschäftigen.
Trotz aller Unwägbarkeiten, die Genossenschaft konnte für alle Gewerke Firmen gewinnen. 15 Verträge, überwiegend mit Unternehmen aus Eberswalde und Umgebung, seien unterzeichnet, so Reich. Allein für die Gestaltung der Außenanlagen, die später erfolgt, laufe noch die Ausschreibung. Seitens der Berufsgenossenschaft gebe es mit Blick auf das Infektionsrisiko strenge Auflagen. Aus diesem Grund könnte es, um ein paralleles Arbeiten verschiedener Firma auf der Baustelle zu verhindern, Staffelungen geben. Und in der Folge vielleicht doch eine etwas längere Bauzeit. "Aber das hängt natürlich auch von der Dauer der derzeitigen Beschränkungen ab." Die Bauanlaufberatung sei jedenfalls ganz problemlos über die Bühne gegangen. Digital. Per Videokonferenz.

Cottbuser Hof in Vorbereitung

Da die Genossenschaft bei der Sanierung keine Fördermittel einsetzt, ist für den Bezug einer Wohnung auch kein Wohnberechtigungsschein erforderlich. Der Mietpreis werde nach der Modernisierung bei durchschnittlich 6,50 Euro pro Quadratmeter liegen, erklärte Klich auf Anfrage.
Während die Mieter an der Havellandstraße vielleicht gerade ihre neue Wohnung einrichten, rüstet sich die Genossenschaft sogleich für das nächste Vorhaben: zwei Blöcke an der Cottbuser Straße, die 2021 saniert werden sollen. "Hier stehen wir kurz vor der Unterzeichnung der Architektenverträge", ergänzte Reich, die hofft, mit der Havellandstraße auch Erfahrungen für die nächsten Platten sammeln zu können. "Wir wollen das Brandenburgische Viertel auf Augenhöhe zu anderen Eberswalder Stadtteilen heben", fasste Klich das Ansinnen zusammen.